Zwei Väter – John Niven, btb 2026
Der Meister der schwarzhumorigen Literatur meldet sich zwei Jahre nach dem emotionalen „O Brother“ mit einem neuen Werk zurück.

Nach der fiktionalen Biografie „O Brother“ (2024), in der John Niven die Geschichte seines Bruders erzählt, der nach einer langen Drogenkarriere Suizid beging, legt der Autor jetzt nach – und trifft erneut diesen eigenwilligen Ton aus schwarzem Humor und emotionaler Wucht.
Krankenhäuser sind im Grunde wie Fußballstadien. Wer sich gegen VIP-Logen oder in diesem Fall gegen eine Privatklinik entscheidet, begegnet Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten. Gerade in Großbritannien zeigt sich dabei schnell, wie tief das Klassendenken noch verankert ist. Herkunft entscheidet oft mehr, als einem lieb ist. Genau hier kreuzen sich die Wege von Dan und Jada. Dan: erfolgreicher Drehbuchautor, frisch Vater geworden, kontrolliert, bemüht, alles richtig zu machen. Jada: Kleinkrimineller, Dauergast im Pub, irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und Überforderung – und Vater, zum sechsten oder siebten Mal, so genau weiß er das selbst nicht mehr.
Beide Väter könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Dan versucht, sein Leben sauber zusammenzuhalten, bewegt sich Jada längst im Chaos. Bis zur Mitte laufen ihre Geschichten parallel, lose verbunden durch zufällige Begegnungen in Glasgow. Dabei hat Jadas Welt oft die größere erzählerische Wucht, wenn er den nächsten Coup plant oder in ein weiteres Missgeschick stolpert. Dans Alltag wirkt dagegen fast schon banal: Drehbücher, Schauspieler, Zukunftspläne.
Bis ein Unglück geschieht, welches Dan aus seiner stabilen Welt reißt. Es geht bergab – dorthin, wo Jada schon sein ganzes Leben verbracht hat: in billige Pubs, unter Säufer und Junkies. Auch Jadas (und Nicolas) Sohn gerät früh in diesen Sumpf, was Dan auf eine Idee bringt.
Die große Kunst von John Niven besteht darin, den Schmerz von Dan – aber auch den seiner Frau Grace – so greifbar zu machen, dass beim Lesen echtes Mitgefühl entsteht. Dieses Mitgefühl führt sogar zu Verständnis für drastische und falsche Entscheidungen. Als schließlich auch noch eine nordirische Terrororganisation auftaucht und nach Jada sucht, erkennt Dan seine Chance – und muss am Ende schmerzhaft einsehen, dass sich das Leben nicht beliebig lenken lässt, sondern manches akzeptiert werden muss.
Erst ganz am Ende, auf den letzten Seiten, macht es sich der Autor etwas zu leicht und konstruiert ein etwas zu gewolltes Happy End. Das bleibt jedoch der einzige Makel dieses spannenden und kurzweiligen Buches.
„Zwei Väter“ ist bereits im btb erschienen und kostet 18 EUR.
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