Clayton. Der Pate der Lower Eastside – Eine Comic-Anthologie, kuratiert von Julian Voloj, Golden Press 2023

Der Bremer Verlag Golden Press würdigt den Künstler Clayton Patterson mit einem Comic.

Die junge Journalistin Lisa sucht die Essex Street 161 in der New Yorker Lower East Side ab nach dem Haus eines Künstlers. So beginnt in Form einer kurzen Fotodokumentation, die Anthologie über Clayton Patterson. Clayton Patterson ist ein kanadischer Künstler, der vor allem als Archivar der Lower East Side Bekanntheit erlangte. Patterson zog mit seiner damaligen Freundin und späteren Frau im Jahr 1979 nach New York. Zunächst nach Brooklyn, später nach Bowery und schließlich in die Essex Street 161, wo sich bis heute Wohnsitz und Galerie befinden. Darüber hinaus erlangte Clayton in den 80er-Jahren seinen Ruhm mit bestickten Baseballkappen, die sogenannten Clayton Caps. Zu dieser Zeit fing Clayton zunächst mit Fotos, später auch mit Videokamera (es begab sich zu einer Zeit vor Handykameras) an Punk- und Hardcore Shows zu dokumentieren. Clayton behauptet, jeder hätte das damals tun können, aber niemand außer ihm und ein paar Freunden haben es getan. So entstand über all die Jahrzehnte das Archiv eines Viertels. Alle Veränderungen in Mode, Musik, Kultur, Einwohnerstruktur, Vermögensverhältnisse und so weiter hat Clayton so dokumentiert. Heute wirkt es wie eine Reise in die Vergangenheit. Denn natürlich hat auch auf der Lower East Side die Gentrifizierung, gegen die Clayton regelmäßig ankämpft, Einzug gehalten. An einer Stelle sagt er, dass es heute nicht mehr möglich ist, mit bescheidenen Mitteln und harter Arbeit ein auskömmliches Vermögen aufzubauen. Als Künstler schon mal gar nicht. Die Dealer, Prostituierten, Drag Queens und Punks sind längs aus der Essex Street verschwunden. Selbst das CBGB und der Pyramid Club haben trotz Kultstatus schon vor Jahren die Türen geschlossen. Aber die wohl wichtigste Tat war wohl die massenhafte Dokumentation der Tompkins Square Park Revolte, die schlussendlich zu Hunderten Ermittlungsverfahren gegen übergriffige Cops führte.

All das hat Julian Voloj sich wie die fiktive Journalistin Lisa von Clayton Patterson erzählen lassen. Julian Voloj stammt gebürtig aus dem Münsterland und lebt seit dem Jahr 2003 als Künstler und Autor in New York. Die Idee zu diesem Comic kam ihm bei einem der Gespräche mit Patterson, da dieser in New York zwar als Legende gilt, aber hierzulande kaum Bekanntheit erlangt hat. Voloj ließ schließlich fast 20 Künstler*innen Claytons Leben porträtieren, was zu ebenso vielen Stilen in den kurzen Lebensgeschichten führt. Einzige Gemeinsamkeit ist, sie sind alle in schwarz/weißen Bildern gehalten. Unterbrochen bzw. zusammengehalten werden die einzelnen Episoden aus Pattersons Leben durch die eingefügten Fotopassagen, die immer wieder in die Jetztzeit mit der Journalistin Lisa führen, ehe der nächste Ritt ins New York der 80er folgt. Denn auf diesem Jahrzehnt liegt der Schwerpunkt des Comics. Aber auch Claytons Kindheit und seine ersten Schritte in der Kunstszene, zunächst in Kanada, später in New York, werden in den Comicstrips beleuchtet.

Clayton Patterson gilt als Underground-Legende, und ebenso sind die einzelnen Comics gezeichnet, sehr rough und direkt, wie bereits erwähnt, immer in Schwarz und Weiß. Oftmals sind Episoden nur wenige Seiten lang und werden dann von der Fotoserie abgeschlossen bzw. beginnt ein neues Kapitel aus Claytons Leben. Qualitative Unterschiede in den einzelnen Episoden lassen sich nicht erkennen. Sehr wohl, hätte der eine oder andere Comicstrip länger und damit detailreicher ausfallen können. Aber das ist dann wohl nur dem Umstand geschuldet, dass das Lesevergnügen durchaus länger anhalten dürfte.

Julian Voloj (Hg.): Clayton. Der Pate der ­Lower East Side. Golden Press, Bremen 2023, 112 Seiten, 28 Euro

 


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