„Your Heaven, My Hell“ oder auch „Hate & Hope“
Sänger und Gitarrist Mille Petrozza von Kreator liest im Lagerhaus aus seiner Biografie.

Bremen. Im Spätsommer des Jahres 2025 sitze ich eines Morgens gelangweilt am Frühstückstisch und habe für den Tag nichts geplant. Wie das so ist in solchen Momenten, wird sich die Zeit mit dem Handy vertrieben. Im Kino soll abends „Hate & Hope“ – der Film über Kreator – laufen. Schnell einem Freund geschrieben, der aber nicht kann. Allein ins Kino ist aber doof. Erst recht, wenn mich Heavy Metal im Grunde gar nicht interessiert. Kreator haben allerdings schon immer eine andere Stellung in meiner Wahrnehmung gehabt, ohne dass ich mich sonderlich für die Musik interessiert hätte.
Ich schaue bei weiteren Kinos nach und schließlich finden mein Kumpel und ich einen Termin, an dem wir beide Zeit haben und der Film im Cinema im Ostertor läuft. Montagabend ist die neue Freitagnacht. Jedenfalls für uns. Und der Film ist gut! Die Bandgeschichte wird beleuchtet, aber auch die jetzige Lebenssituation der Mitglieder. Ein Kamerateam begleitet die Band um die Welt und damit sind nicht nur Auftritte in den USA und Europa gemeint, sondern auch in Indien und Japan.
Ruhrgebiet, in den Siebzigerjahren: Mille Petrozza wächst als Sohn einer Malocherfamilie im Essener Stadtteil Altenessen auf. Die Mutter DDR-Geflüchtete, der Vater Gastarbeiter aus Kalabrien, er arbeitet unter Tage. Im multikulturellen Schmelztiegel des Potts treffen die Subkulturen der damaligen Zeit auf strukturellen Wandel: Zechensterben, Gewalt, Alkoholismus, Pattexschnüffeln. Heavy Metal kracht da einfach so rein: Nach einem Kiss-Konzert wird Mille Teil einer international vernetzten Graswurzelbewegung. Durch Heavy Metal emanzipiert er sich von den saufenden Jugendgangs. Die erste Gitarre verleiht ihm Superkräfte: Mit seiner Band Kreator wird Mille ungeplant zum internationalen Thrash-Metal-Star. In seiner Autobiografie erzählt Mille Petrozza zum ersten Mal die unglaubliche Geschichte seiner frühen Jahre, wie seine Mutter den ersten Plattenvertrag unterzeichnete und danach aus einer Heavy-Metal-Clique im Ruhrpott eine der international bedeutendsten und langlebigsten Thrash-Metal-Bands überhaupt wurde.
Bremen: Jeden zweiten Sonntag läuft bei mir als Podcast (live jeden Freitag auf Radio Eins) die Musiksendung „Soundcheck“, die u.a. Torsten Groß moderiert. Vier Kritiker stellen jeweils ein Album, welches in der Woche erschienen ist, vor und besprechen es ausführlich. Wer musikalisch auf dem Laufenden bleiben will oder neues entdecken mag, hört da gerne rein.
Nun hat Mille Petrozza zusammen mit Torsten Groß die Kreator-Bandgeschichte aufgeschrieben und eine Lesung findet am 7. März im Bremer Kulturzentrum Lagerhaus statt. Tickets dafür gibt es im Golden Shop im Viertel.
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