Helft den Clubs!

Eine Szene lebt vom mitmachen. Das ist in New York, London oder Berlin nicht anders als in Bremen. Eine Aufforderungen (noch) einmal zu spenden, für die Clubs und unsere Zukunft.

CR

Bremen. Menschen stehen dicht gedrängt in einem dunklen Saal. Sie schwitzen, tanzen, lachen, singen und reißen die Arme in einem Moment der völligen Ektase gleichzeitig in die Höhe. Ein Jubelschrei hallt durch den Saal zur hell erleuchteten Bühne, auf der schwitzende Musiker ihre Instrumente traktieren.

Das war noch vor wenigen (aber schon viel zu vielen) Monaten für viele von uns eine Selbstverständlichkeit. Konzerte haben eine ähnliche Funktion wie für andere Menschen Gottesdienste. Ein kollektiver Glückstaumel, eine Flucht aus dem Alltag und für ein paar Stunden fokussiert sich das Leben auf die wenigen Quadratmeter des Clubs. Im besten Falle beschwingt die Energie der Musik das Publikum und schwingt zurück zu den Musikern.

Doch Konzerte und die Orte, wo sie stattfinden, sind mehr als Entertainment und bereitgestellter Platz. Es sind soziale Begegnungsstätten, in denen Freunde sich verabreden, Bekanntschaften sich zufällig treffen, Menschen sich kennenlernen können und zumindest für die Zeit des Konzertes die Außenwelt vergessen können.

Uns allen muss bewusst sein, diese Orte sind in Gefahr. Machen wir uns nichts vor, bis mindestens Ende März, wahrscheinlicher ist wohl Ende Juni und vielleicht noch ein weiteres Jahr, werden Clubs und Konzertsäle nicht wieder öffnen können. Wenn wir aber wollen, dass es auch in Zukunft solche Orte gibt, müssen WIR dafür sorgen. Ich schrieb es bereits an anderer Stelle, wir dürfen und können uns nicht auf die Politik verlassen! Und auch nicht auf große Unternehmen, die keinerlei Interesse an einer kleinen und lebendigen Clubkultur haben.

Wir aber brauchen diese Orte als Anlaufpunkt zur Bewusstseinserweiterung, um neues zu lernen und zu erfahren, um einen Ausgleich zur Arbeit, Familie und Alltag zu haben und als Diskussionsort, in dem Ideen ausgetauscht werden können. Wie viele Bands haben sich während oder nach Konzerten gegründet? An diesen Orten wird nicht nur konsumiert, sondern kann Neues entstehen. Das ist es, was sich Szene nennt.

Eine Szene kann aber nur leben und überleben, wenn eine Infrastruktur vorhanden ist und sich gegenseitig unterstützt wird. Und Hilfe ist jetzt mehr denn je gefragt. Der Verein Clubverstärker hatte im Frühjahr nach dem ersten Lockdown zu Spenden für die hiesigen (lokalen) Clubs aufgerufen. Das Ziel war es 100.000 Euro einzusammeln. Die ersten 40.000, 50.000 Euro waren recht schnell eingesammelt. Mit der Verlangsamung der Ausbreitung des Corona Virus über den Sommer schliefen in den gleichen Maßen die Spenden ein. Bis heute fehlen immer noch fast 20.000 Euro, um das Ziel zu erreichen. Dabei müsste es wahrscheinlich längst viel höhergesteckt sein (aber das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen – ist so ein Gefühl).

Wenn im nächsten (oder übernächsten?) Jahr Konzerte im Tower, Lila Eule, Pier 2, Umbaubar, aber auch im kleineren Rahmen in den Kneipen und Bars stattfinden sollen, wenn das jemanden wichtig ist, wieder die eingangs erwähnten Momente zu genießen, dann ist JETZT der richtige Zeitpunkt, wieder ein paar Euro in die Hand zu nehmen und „unseren“ Orten zu helfen. Wirklich – kein Betrag ist zu gering, um den Unterschied zu machen, den wir machen können, wenn wir denn wollen und die Notwendigkeit anerkennen.

Der Clubverstärker hat HIER eine leicht zu bedienende Plattform geschaffen. Es liegt an uns, wie Bremen in der Zukunft aussieht!

Eine Zukunftsaussicht ohne Orte für Livemusik, ohne kollektive Freude, ohne Gemeinsamkeit geben die Livestreams, nette Abwechslung, aber wie Methadon für einen Junkie, es kann das Verlangen nach etwas „echtem“ nicht stillen.


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