„Der eigene Anspruch steigt mit jedem Album“ – Broilers im Interview
Bevor sie im Sommer ihr eigenes Open-Air-Konzert auf der Bürgerweide spielen, haben wir mit Keyboarder Christian „Chris“ Kubczak von den Broilers telefoniert.

Bremen. Vier Nummer-1-Alben, dazu gigantische Tourneen mit Hunderttausenden ekstatischen Fans – und dann: zwei Jahre Funkstille. Jetzt ist es endlich wieder soweit! Im Sommer kehren die Broilers mit voller Wucht auf die Bühne zurück. Am 22. August spielt die Düsseldorfer Punkrock-Band ihr größtes Bremen-Konzert aller Zeiten unter freiem Himmel. Trotz aller Erfolge sind sie sich treu geblieben: Mit ihren Wurzeln tief verankert in der Punkbewegung, mit klarer Kante und einer Authentizität, die man in der heutigen Musiklandschaft selten findet. Wir haben vorab mit Keyboarder Christian „Chris“ Kubczak telefoniert.
Im Sommer 2024 habt ihr euch in eine Pause verabschiedet, deren Ende jetzt absehbar ist. Im Sommer geht es nach zwei Jahren wieder auf die Bühne. Wie groß ist die Sehnsucht, wieder live zu spielen?
Am Anfang tat die Pause richtig gut, vor allem im ersten Jahr war es sehr befreiend, einfach mal raus aus dem Tourstress zu kommen. Jetzt merken wir aber alle, wie es langsam wieder in den Fingern juckt. Die Vorfreude auf die kommenden Shows ist entsprechend groß, gerade mit Blick auf die jetzt nochmal größeren Konzerte. Allen voran natürlich Düsseldorf mit dem „Broilers Ultrabowl“ im Stadion. Auf Bremen freuen wir uns auch sehr, dort sind wir inzwischen in der größten Location der Stadt angekommen, wir haben quasi alle Stationen durchlaufen vom Aladin über Halle 7 und die ÖVB-Arena. Jetzt geht’s auf das große Open-Air-Gelände davor. Wir sind auf jeden Fall gespannt und aufgeregt. Angst ist es nicht, aber ein gesunder Respekt vor diesen großen Bühnen ist vorhanden.
Was war vor zwei Jahren der Anlass zu sagen, wir gehen in die Pause?
Es war einfach Zeit. Wir hatten das letzte Album „Puro Amor“, dazu die entsprechende Tour und die Open Airs, das ging insgesamt knapp drei Jahre. Dann war für uns der Punkt erreicht zu sagen, wir machen jetzt einen Cut nach „Puro Amor“. Es war in der Vergangenheit immer mal wieder so, dass wir uns ein oder zwei Jahre Pause genommen haben. In der Regel zieht man sich erstmal zurück, schaut, was die Kreativität hergibt, vielleicht entsteht ein neues Album und man bereitet die nächsten Dinge vor. 2024 war dann wieder genau dieser Zeitpunkt.
Wie habt ihr die vergangenen zwei Jahre verbracht?
Im Wesentlichen haben wir uns erstmal alle ins Privatleben zurückgezogen, viel Zeit mit der Familie verbracht, schönen Urlaub gemacht und wieder Kraft gesammelt für das, was jetzt kommt. Aber wir haben nie wirklich aufgehört zu proben. Wir haben uns auch zwischendurch immer wieder als Band getroffen und weiter zusammen Musik gemacht, das ging schon nach einem halben Jahr wieder los.
Sind dabei schon neue Songs entstanden?
Soweit würde ich jetzt nicht gehen, aber zumindest haben wir schnell wieder zusammen Musik gemacht.
Was vermisst ihr in zwei Jahren Pause am meisten am Tourleben und unterwegs sein?
Ich finde es einfach toll, unterwegs zu sein. Ich reise auch generell gerne und es ist einfach schön, jeden Tag woanders zu sein. Vor allem fehlt einem aber dieses Live-Gefühl, mit dem Publikum zu interagieren, auf der Bühne zu stehen und gemeinsam Party zu machen.
Was habt ihr in der Zeit getan, wofür sonst wenig Zeit bleibt?
Viel renoviert! Es gab viele Dinge, die ich mir vorgenommen hatte, zum Beispiel mal wieder ausgedehnt Mountainbike zu fahren oder länger mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Das habe ich dann aber doch nicht alles geschafft, weil zu Hause immer noch genug anderes anstand. Im Wesentlichen war es also Renovieren. Es klingt zwar immer nach viel Zeit, so zwei Jahre, aber am Ende vergeht sie dann doch ziemlich schnell.
Euer letzter Studioalbum datiert aus April 2021, ist also fast genau fünf Jahre alt. Wann können sich die Fans über neue Musik freuen?
Das ist eine gute Frage, da kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch gar nichts zu sagen.
Aber ganz ohne neue Musik geht so eine Open-Air-Tour doch bestimmt nicht los, oder?
Wir sind auf jeden Fall fleißig dabei. Aber einen definierten Zeitpunkt für neue Songs gibt es tatsächlich noch nicht.
Fällt es euch denn nach acht Studioalben insgesamt schwerer, neue Songs zu schreiben?
Man macht sich natürlich schon auch selbst Druck, weil man das, was man geschaffen hat, irgendwie halten will. Der eigene Anspruch steigt mit jedem Album, auch weil man immer neuen Input bekommt, neue Einflüsse dazukommen und man neue Leute kennenlernt. Dieser steigende Anspruch ist das größte Thema an der ganzen Sache. Man will immer noch einen draufsetzen und das Perfekte noch perfekter machen. Dadurch bringt man sich selbst in eine Situation, in der der Druck immer größer wird, und das macht es natürlich nicht einfacher.
Im Sommer spielt ihr in Deutschland in neun Städten plus je zweimal in der Schweiz und Österreich. Dabei steht kein Hamburg und kein Hannover auf dem Tourplan, dafür aber Bremen. Kannst du sagen, wie das entstanden ist?
Wir versuchen immer, die Shows möglichst gleichmäßig zu verteilen. Du hast aber recht, gerade im Norden denkt man natürlich zuerst an Hamburg. Wir waren in der Vergangenheit aber auch immer gerne und oft in Bremen. Wir haben dort im Prinzip alles durch, von klein bis groß, ich glaube, im Schlachthof waren wir sogar auch schon. Jetzt war es einfach mal wieder Zeit, nach Bremen zu kommen, und das dann sogar zum ersten Mal als Open-Air. Wenn solche Konzerte dann noch so zentral mitten in der Stadt stattfinden, ist es wirklich etwas Besonderes.
Fühlt ihr euch nach zweijähriger Bühnenabstinenz etwas „eingerostet“ oder macht sich das kaum bemerkbar?
Nein, weil wir im Prinzip durchgängig weiter Musik gemacht haben. Wir haben uns ja auch in der Pause immer wieder getroffen und zusammengespielt. Eingerostet fühlen wir uns ganz und gar nicht, eher drängt es uns wieder auf die Bühne.
In Bremen habt ihr Betontod als Special Guest dabei, auf Tour auch internationale Liebhaberbands wie Hot Water Music oder Social Distortion. Wie ist die Auswahl entstanden?
Generell setzen wir uns bei den Supportbands immer zusammen und schauen, was wir selbst gut finden und was wir den Leuten gerne zeigen und näherbringen möchten. So entsteht dann die Auswahl, es wird diskutiert und irgendwann fragt man die entsprechenden Bands an. Wir haben uns sehr gefreut, dass es in Bremen mit Betontod geklappt hat, das sind alte Freunde.
Und natürlich auch mit Social Distortion in Dresden, von denen wir schon immer große Fans waren. Die waren zum ersten Mal bei unserem großen Open-Air in Essen 2022 dabei. Da beim Soundcheck zu stehen, die eigenen alten Helden auf der Bühne zu sehen und zu wissen, dass sie an dem Abend unsere Supportband sind, war schon ein sehr surreales Gefühl. In Düsseldorf sind dann mit Agnostic Front und Donots auch zwei Bands dabei, mit denen wir schon lange verbunden sind. So entsteht das Ganze im Grunde, und ich glaube, das wird ein richtig guter Sommer.
Wie geht es danach für euch weiter? Wird es Hallenkonzerte oder Festivalauftritte in 2027 geben?
Da ist noch nichts Konkretes geplant. Wir konzentrieren uns erstmal auf den Sommer und wollen den erfolgreich über die Bühne bringen. Darauf freuen wir uns total und wollen uns auch komplett darauf fokussieren.
Die Broilers gibt es seit 34 Jahren, ihr habt euch von Jugendhäusern zu Stadien hochgearbeitet, wart mehrfach an der Spitze der Albumcharts und seid Headliner großer Festivals. Welchen Traum habt ihr noch als Band?
Da gibt es viel, wir haben immer schon eine kleine Bucketlist gepflegt. Es ist schon erstaunlich, dass einige dieser völlig überzogenen, wild zusammengesponnenen Jugendträume irgendwann tatsächlich Realität geworden sind. Was genau auf dieser Liste steht, haben wir allerdings nie verraten und das werden wir auch weiterhin nicht tun. Ein Beispiel kann ich aber nennen: einmal in einem Fußballstadion zu spielen. Das setzen wir jetzt im Sommer in Düsseldorf um, das ist natürlich etwas ganz Besonderes, gerade in der eigenen Stadt. Vor allem nicht als Support-Band, sondern mit einem eigenen, ausverkauften Konzert in dieser Größenordnung. Das ist schon ein riesiger Meilenstein!
Am Samstag, den 22. August 2026 treten die Broilers in Bremen auf der Bürgerweide auf. Tickets für das Konzert gibt es im Vorverkauf.
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