Alben des Jahres 2025 – von Pascal

Das Platten-Jahr im Rückblick: Viel gehört, viele neue Sachen, viel Durcheinander - von Ecca Vandal bis Sam Fender

So richtig festlegen, war schwer. Trotzdem ist eine Best-Of-Liste entstanden, die kurz vor dem Jahresende noch einmal komplett auf den Prüfstand gestellt wurde. Denn das neue Album von Jule („Es ist nie zu spät für Frühstück“) kam spät dazu oder der Tipp zu Stoic Mind – „To Know What I’m Scared Of“ – auf der Bestenliste von Jens (hier). Während Jule es geschafft hat, musste Stoic Mind draußen bleiben. Beeinflusst hat diese Liste in diesem Jahr auch das Eisen Bremen. Dort habe ich gefühlt die meisten Konzerte in Bremen gesehen – also abseits der Festivals – und gleich zwei Platten sind nur wegen dieser verdammt liebenswerten und prägenden Eckkneipe hier gelandet. Und: Der mir nachgesagte Hang zum Skatepunk sollte mit dieser Liste erledigt sein. Also los.

10. Caamp – Copper Changes Color
In einer Kneipe lief die Band im Hintergrund. Shazam hat mir geholfen und ich entdeckte diese amerikanische Folk-Band aus Upper Arlington, Ohio. Hunderte Millionen Aufrufe für einzelne Songs – und ich hatte noch nie etwas von ihnen mitbekommen. Das war vor gut einem Jahr. Jetzt kam das neue Album, das innerhalb von zwei Jahren an verschiedenen Orten aufgenommen wurde. Die Musik ist sonnig, warm und sanft. Besonders gut: die raue, aber ruhige Stimme des Sängers Taylor Meier.

9. Turbostaat – Alter Zorn
Kaum vorstellbar, dass durch Krankheit, Konzertausfälle, einem Schicksalsschlag und Gesamtscheiße diese Band fast vor dem Aus stand. Doch die nordfriesische Punk-Institution hat wieder abgeliefert. Aufgenommen im Bremer Studio Nord sind zwölf Songs entstanden. Grau, rau, klammkalt, nebelig – typisch Turbostaat. Keine Hymnen und Parolen, sondern teils verkopfte, teils windschiefe Texte und Musik. Aber für Turbostaat-Verhältnisse ist es auch nicht so kryptisch und verworren, wie zum Beispiel auf den beiden Vorgänger-Alben. Gut, dass es sie weiter gibt.

8. Second Youth – Only Child
Leider ist es nur eine EP. Ohne das Konzert im Eisen, gebucht von Nando, hätte ich diese Band gar nicht kennengelernt (Auftritt hier). Nach dem formidablen Auftritt in der Eckkneipe, liefen die fünf Songs bis zum Jahresende in Dauerrotation. Heart-and-Soul-Punkrock: schnell, kraftvoll, abwechslungsreich. Eine italienische Punkrock-Combo in den Jahrescharts? Kann man machen. Bei Second Youth auf jeden Fall. Und ein Teil der Band kommt ja auch aus Berlin.

7. Schreng Schreng & La La – Catch & Release
Immer verpasst. Nicht angehört. Ignoriert. Vergessen. Schreng Schreng & La La und ich – das wollte und sollte jahrelang nicht zueinander finden. Doch dann sah ich Love A im Eisen. Ich lernte beim Bier kurz Sänger Jörkk Mechenbier kennen. Erst dann habe ich mir wirklich ernsthaft Schreng Schreng & La La angehört. Der Song „Friese“ hat mich dann total abgeholt. Eine Hommage an einen viel zu früh verstorbenen Freund – emotional, persönlich, hart. Hab ich selbst ähnlich erlebt. Erst dann habe ich mich so richtig mit dem vierten Album der Band auseinandergesetzt. Und: Ich habe es für sehr gut befunden. Wurde auch Zeit. Weiterer Anspieltipp: „Fuck The City“.

6. Jule – es ist nie zu spät für frühstück
„Das Album des Jahres kommt erst noch“, schrieb jemand bei Instagram. Denn das erste Werk der Hamburgerin Jule sollte erst am 12. Dezember erscheinen. Es geht um Ängste, Panik und Wut. Neben der Müdigkeit, dem Alltag und der Überforderung steht bei ihr aber immer auch die Hoffnung. Das Weitermachen. „Es ist kein Optimismus-Album, eher eins für die Möglichkeit, überhaupt wieder aufzustehen“, heißt es im Pressetext. Und das trifft es ziemlich genau. Schöne Musik, feine Texte, und alles mit der richtigen Prise Punkrock versehen.

5. Press Club – To All The Ones That I Love
Mit jedem Album spielt sich die australische Punkrock-Band aus Melbourne weiter in mein Herz. Die Songs sind meistens treibend, ansteckend und energiegeladen. Es sind Elemente aus Punk, Post-Punk und Indie-Rock enthalten und bilden den ganz eigenständigen Press-Club-Sound. Viele schnelle Gitarrenriffs, feine Soli, aber auch neue Klänge sind auf dem Album zu hören. Es ist nicht mehr so rumpelig, rau und schrabbelig wie auf den Vorgänger-Platten. Alles klingt reifer und lässt auch ruhigere, poppige Klänge zu. Gut so.

4. Ecca Vandal – Molly
Kein Plan, ob das überhaupt als EP zählt oder in einer Albenliste auftauchen darf. Aber meine Neuentdeckung 2025 war die in Südafrika geborene und in Melbourne wohnende Sängerin Ecca Vandal. Sie hat zusammen mit ihrer Singe „Molly“ insgesamt vier Songs veröffentlicht. Und die sind so wild, vielfältig, schräg, abwechslungsreich und großartig: irgendwas zwischen Rap, Beastie-Boys-Crossover, Indie-Rock, Punk und Hardcore. Herrlich chaotisch, wunderbares Rumgeschreie. Intensiv, eindringlich und heftig. Kein Wunder, dass Ecca Vandal im kommenden Jahr schon beim Roskilde oder dem Hurricane Festival im Line-Up steht. Jetzt fehlt nur noch das Album.

3. Herrenmagazin – Du hast hier nichts verloren
Gut, dass sie wieder da sind. In ihrer Abwesenheit habe ich häufig die alten Herrenmagazin-Alben gehört. Dabei habe ich festgestellt: Ich habe Herrenmagazin noch nie live gesehen. Dann kam das neue Album mit so angenehm feinen Songs wie „Alter Debütant“, „Mit halbleeren Worten“ oder „Fragment“. Ausgezeichneter Indie-Rock mit angenehmen Melodien und durchdachten Texten. Da finden sich so schöne Zeilen wie „Da ist immer eine Unruhe, die zerrt und an mir reißt“ (in „Fragment“) oder „Da, wo alle wissen, was du tun musst, hast du nichts verloren“ (in „Mit halbleeren Worten“). Und dann habe ich die Band auch endlich live gesehen. Toll.

2. Turnstile – Never Enough
Das Schöne an Turnstile: Es gibt musikalisch keine Grenzen. Wirkt das Intro wie Filmmusik, geht es rockig, poppig oder mit Hardcore weiter. Mal eingängig mit simplen Gitarrenriffs, dann wieder schräg, ruhig und wild. In Kritikerkreisen wird von einer Konsensband gesprochen, weil hier Haltung, musikalische Cleverness, Vielfalt und eine Portion Mainstream zusammenkommen. So oder so: „Never Enough“ ist als Gesamtwerk, als Album, besser als der Vorgänger „Glow On“. Auch wenn der große Hit wie „Mystery“ oder „Holiday“ auf dem 2025er-Album fehlt. Obwohl: „Birds“ knallt schon richtig gut.

1. Sam Fender – People Watching
Nein, das war nicht absehbar. Zu skeptisch und kritisch war ich Sam Fender gegenüber. Aber dieses Album ist einfach gut. Es ist die Platte, die ich in diesem Jahr am meisten gehört habe. Immer und immer wieder. Zum Laufen, zum Radfahren, zum Arbeiten. Und dann gab es diesen unaufgeregten, entspannten und durch und durch souveränen Auftritt beim Hurricane Festival. Die Songs „People Watching“, „Little Bit Closer“ und „Arm’s Length“ liefen in Dauerschleife. Es sind eigentlich „nur“ ehrliche, bodenständige, euphorische Rocksongs. Aber die sind ziemlich gut. Hymnen.

Weitere Platten, die ich dieses Jahr gehört und für gut befunden habe, liste ich hier mal auf. Sie haben es aber alle nicht in die Top-Ten geschafft. Auch, wenn da wirklich gute Sachen dabei sind.

 

 


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