Alben des Jahres 2024 – von Pascal

Ein kurioses Platten-Jahr im Rückblick: Viel gehört, aber dabei wenig neue Sachen. Trotzdem ist eine gute Liste entstanden von The Last Dinner Party über Idles bis Kettcar.

Es war ein kurioses Platten-Jahr. Es lief mehr Musik als davor, aber viel weniger neue Sachen. Also habe ich viele Bands und Alben für mich entdeckt, die schon 2023 erschienen sind (siehe Liste unten). Und rückblickend empfinde ich das musikalische Jahr irgendwie als nicht so stark. Vielleicht, weil viele meiner Lieblingsbands nichts Neues herausgebracht haben oder das eben bereits 2023 getan haben. Vielleicht habe ich neue Musik auch nicht so stark empfunden, weil ich sie nicht live gehört habe. Aber wenn ich mir dann meine Liste aus diesem Jahr so anschaue, sind da doch viele gute Sachen dabei.

10. The Last Dinner Party – Prelude to Ecstasy

Pompös, dekadent, aufreizend – Live-Auftritte von The Last Dinner Party scheinen ein Erlebnis zu sein – so wirken auf jeden Fall die Videos. Und das alles mit einem überraschenden Debütalbum. Irgendwo zwischen Baroque-Pop und Alternative-Rock ist das Ganze einzusortieren – also Indie oder vielleicht auch einfach Pop. Um die fünf Frauen aus London entwickelte sich ein regelrechter Hype, dann mussten sie aber aufgrund von Burnout mehrere Termine ihrer Europatour absagen. Mich haben sie mit dem Song „Nothing Matters“ gekriegt.

9. SUM 41 – Heaven :x: Hell

Eigentlich hätte ich dieses Album aus meinen Top-Ten rauswerfen müssen. Es ist doch wieder nur der alte, gleiche Pop-Punk, den es schon in den 90ern gab. Weiterentwicklung? Fehlanzeige. Bei der Band und offensichtlich auch bei mir. Denn irgendwie mag ich diese Platte, die die kanadische Punkband Sum 41 zum Abschied noch rausgebracht hat. Ich höre die Songs einfach immer und immer wieder. Besonders mag ich „Landmines“ und „Dopamine“.

8. Amyl & The Sniffers – Cartoon darkness

Die australische Punk- und Garage-Rock-Band Amyl & The Sniffers sorgt ja schon etwas Länger für Aufsehen. Mit dem Album „Cartoon Darkness“ wurde das nicht weniger. Schön kantig, kratzig, krachig ist das alles. Dazu das rotzige Stimmorgan von Amy Taylor. Das Album passt bestens, um die Ohren freizupusten, Dampf abzulassen und den Kopf freizubekommen.

7. Chartreux – Fatique

War klar. War klar, dass etwas von Gunner Records in meinen Alben des Jahres auftaucht. Es gibt einfach zu viel gute Musik über das Bremer Label. Herausstechend in diesem Jahr sind die Leipziger Emo-Punks Chartreux (Nein, das hat nichts mit den Katzen zu tun). Mit „Fatigue“ liefern sie ein feines, starkes Emo-Punk-Album ab. Sie können melodisch, pop-punkig und manchmal sogar sehr gefühlvoll sein. Dann aber auch Schreien in bester Hardcore-Manier. Dazu die rotzige Stimme des Sängers Christian Seidlich. Herrlich.

6. Idles – Tangk

Gewaltig, überwältigend und ergreifend sind die Idles, wenn sie auf der Bühne stehen. Konzerte von ihnen sind keineswegs gewöhnlich, sondern intensiv, rau und manchmal sogar verstörend. „Tangk“ ist schon das fünfte Studioalbum der englischen Post-Punk-Band. Dröhnende Bassläufe, schnarrende Gitarren und wütende Texte. Könnten die Zutaten besser sein? Spannend ist, dass dieses Album nicht nur den typischen Post-Punk umfasst, sondern auch düster und gothicartig daherkommt. Der Gesang von Idles-Sänger und Frontmann Joe erinnert mich teilweise an die Sleaford Mods.

5. Belgrad – Lysis

Das kam überraschend. Diese Band hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel und ich weiß auch nicht mehr, wann ich sie mal gesehen habe. Ich weiß aber: Ich habe sie gesehen. Und schon damals blieb etwas hängen. Vielleicht weil die Musik so schwer ist. Weil die Texte nicht einfach zu verdauen sind. Kurios ist, dass es nur wenige Reviews im Netz dazu gibt. Und eine kommt auch noch von Claas, mit dem ich ja sonst selten einer Meinung bin, wie unsere brach liegende Kolumne „Fremdgehört“ zeigt. Hier sind wir uns einig, obwohl wir uns nie drüber unterhalten haben: Großartiges Album.

4. Hot Water Music – Vows 


Chuck Ragan hat es mit seinem Soloalbum „Love & Lore“ nicht in die Top-Ten geschafft. Vielleicht, weil schon Anfang des Jahres das viel bessere Album von Hot Water Music rauskam. Darauf sind Songs wie „Menace“ – richtig gut – oder „Searching For Light“ – noch besser. Herrlich, wie schön Chuck Ragan einfach singen kann. Und wie stimmig das mehrstimmig mit seinen Bandkollegen ist. In „After The Impossible“ geht es es auch mal mit ruhigeren Parts. Dann wieder Vollgas.

3. Chaser – Small Victories 



Blink 182, The Offspring, Green Day, Sum 41 – viele alte Punkrock-Combos haben dieses Jahr neue Alben veröffentlicht. Aber es geht auch etwas frischer, cooler und schneller. Das haben Chaser mit „Small Victories“ geschafft. Wobei mit frischer der Klang gemeint ist, es ist ja schon das sechste Album der Band. Ich mag die Platte sehr. Mehr als die Werke der eben aufgezählten Bands. Schöner, melodischer Pop-Punk aus Südkalifornien. Da geht die Sonne auf, weil das alles irgendwie hoffnungsvoll, positiv und nach vorne klingt. Es geht der Band darum, die kleinen Erfolge, die man täglich erzielt, zu schätzen. Sich darüber zu freuen. Denn jeder kleine Erfolg hat das Potenzial, sich mit der Zeit zu etwas Großem zu summieren!

2. Public Service Broadcasting – The Last Flight

Ein Konzeptalbum? Ein Werk über die letzte Reise der US-Flugpionierin Amelia Earhart? Das alles irgendwie in einen ungewöhnlichen Flow aus Synthiepop, Funksprüchen, analogen Stilelementen und Anteilen aus Blues und Rock gepackt. Begeisternd, überraschend, in den Bann ziehend. Einfach wunderbar zum Nebenbei-Hören und auch zum ganz konzentriert konsumieren.

1. Kettcar – Gute Laune ungerecht verteilt

Es gab tatsächlich den ernsthaften Versuch, ein besseres Album zu finden in diesem Jahr. Funktionierte nicht, klappte nicht. Kettcar haben es mal wieder geschafft, obwohl es eigentlich schon vor der Veröffentlichung feststand: Album des Jahres. Da ist der Song „München“ – ungeplant kommt er genau zum richtigen Zeitpunkt. Er besitzt die richtigen Ansagen zu Alltagsrassismus und Diskriminierung. Da sind Songs wie „Rügen“ oder „Einkaufen in Zeiten des Krieges“, die hängen bleiben. Und all das wird überstrahlt von „Auch für mich 6. Stunde“ – musikalisch und textlich der stärkste Song. Der Song des Jahres. Kettcar können einfach Haltung zeigen, ohne in Phrasendrescherei abzudriften. Danke!

Weitere Platten, die ich dieses Jahr gehört und für gut befunden habe, liste ich hier mal auf. Sie haben es aber alle nicht in die Top-Ten geschafft. Auch wenn da wirklich gute Sache dabei sind.

Ältere Alben, die ich aber erst 2024 entdeckt habe:

 


Mehr Beiträge aus" Musik" zur Startseite

Alben des Jahres 2024 – von Pascal teilen auf: