Die Gesetze von Liebe und Logik – Debra Curtis, Ullstein 2026

Debra Curtis verhandelt Liebe und Schuldgefühle und was die Zeit dazu beiträgt in ihrem tollen Debütroman

Verlag

Die Gesetze von Liebe und Logik ist – der Titel lässt es bereits erahnen – eine Liebesgeschichte. Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt: Ein Mädchen trifft einen Jungen, beide verlieben sich, ein Schicksalsschlag trennt sie, ihre Leben verlaufen in unterschiedliche Richtungen, vergessen können sie sich jedoch nie. Doch unter dieser vermeintlich vertrauten Liebesgeschichte verbirgt sich ein Roman über Schuld, Verlust, Glauben und die Frage, ob sich die Vergangenheit jemals wirklich hinter sich lassen lässt.

Lily Webb wächst mit ihrer großen Schwester, einem Vater aus der Arbeiterklasse und einer intellektuellen Mutter auf, die die feministischen Werte ihrer Töchter stärkt. Lily wendet sich zusätzlich dem Glauben zu und sucht in schwierigen Zeiten Rat bei dem Pater des kleinen Dorfs in Neuengland. Oder bei ihrer Schwester, die sich zunehmend Alkohol, Drogen und wechselnden Liebesbeziehungen mit Frauen hingibt. Bis die Mutter (zu) früh stirbt und ein erstes Loch in Lilys Leben reißt. Zu dieser Zeit lernt sie „den Jungen“ kennen – der auch im weiteren Verlauf der Geschichte, die sich über fast fünfzig Jahre spannt, keinen Namen bekommt.

Gleich mehrere Fragen des Lebens behandelt der Debütroman von Debra Curtis. Da wären zunächst die Gegensätze zwischen Glauben und Wissenschaft, denn Lily interessiert sich für Naturkunde. In ihrem Leben erfährt Lily viel Liebe, aber auch immer wieder Verluste, die sie schwer treffen. An einer Stelle im Roman stellt Lily sich die Frage, wie die Zukunft Auswirkungen auf die Vergangenheit haben kann. Und die alte Frage nach Schuld und Sühne wird behandelt. Im Grunde lässt sich Die Gesetze von Liebe und Logik als Coming-Of-Age-Roman lesen. Ein Coming-Of-Age für erwachsene Menschen, die sich sehr lange mit einer Bürde, mit Scham oder Schuldgefühlen in ihrem Leben herumgeplagt haben. Menschen, die fest daran glauben, durch ihr Handeln Unglück über andere zu bringen, aber ausblenden, dass diese Anderen eben auch einen freien Willen haben und für ihr Handeln selbst verantwortlich sind. Und dann stellen diese Menschen plötzlich fest, es ist nicht alles verloren. Im Gegenteil, es geht immer weiter.

Der erste Eindruck, hier werde lediglich eine oft erzählte Liebesgeschichte variiert, erweist sich schnell als trügerisch. Die Gespräche, die Lily mit ihrer Schwester, ihrer Mutter, ihrem Mann oder „dem Jungen“ führt, sind nicht nur klug konstruiert, sondern besitzen auch eine emotionale Tiefe, die nie ins Sentimentale abrutscht. Debra Curtis gelingt es, philosophische und moralische Fragen organisch aus ihren Figuren heraus entstehen zu lassen. Wenn Lily und ihre Schwester über Schuld sprechen und dabei sogar Dostojewski heranziehen, wirkt das weder aufgesetzt noch belehrend, sondern wie ein natürlicher Teil ihres Denkens und ihrer Beziehung.

Was zunächst wie eine vertraute Liebesgeschichte wirkt, entwickelt sich zu einem klugen Roman über die Last der Vergangenheit und die Möglichkeit, Frieden mit ihr zu schließen. Gerade die Verbindung aus emotionaler Tiefe und philosophischen Fragestellungen macht Die Gesetze von Liebe und Logik zu einem bemerkenswerten Debüt.

 


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