Harper Lee – Das Land der süßen Ewigkeit, Penguin 2025
Mit „Das Land der süßen Ewigkeit“ erscheint eine besondere Entdeckung aus dem Nachlass einer der wichtigsten amerikanischen Autorinnen und literarischen Stimmen des 20. Jahrhunderts.

Harper Lee ist eine der wichtigsten amerikanischen Autorinnen; dennoch ist über ihre schriftstellerischen Anfänge bisher nur wenig bekannt. In Das Land der süßen Ewigkeit werden nun neben bereits bekannten Essays acht bisher unveröffentlichte Erzählungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Zunächst sind die Stories in diesem Band in chronologischer Reihenfolge angeordnet. Die ersten drei Erzählungen handeln von einem jungen Mädchen, das in den folgenden Geschichten erwachsener wird. Bereits hier treten jene Themen hervor, die Harper Lee in ihrem späteren schriftstellerischen Schaffen beschäftigen werden. Die Hauptfiguren befinden sich meist in einer beobachtenden Rolle, selten im Zentrum der Handlung, und sie ermächtigen sich fast immer selber und werden durch diese Ermächtigung ein Stück erwachsener. Aber auch Rassismus bildet – wie in ihrem späteren Werk – ein zentrales Motiv.
Geografisch sind alle Geschichten entweder in Harper Lees Heimat Alabama oder in New York City angesiedelt. Diese beiden Orte bilden den erzählerischen Rahmen des Bandes: Die frühen Erzählungen spielen im Süden der USA, ehe die Handlung nach New York verlagert wird. In der letzten und titelgebenden Geschichte kehrt die Ich-Erzählerin schließlich in ihre Heimat zurück – und bleibt auf die Frage, wie das Leben in New York ist, die Antwort schuldig.
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass einige Passagen und Motive der frühen Geschichten später in Wer die Nachtigall stört aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Die übrigen Erzählungen wirken stellenweise noch etwas unausgereift, als wüssten sie selbst nicht genau, in welche Richtung sie sich entfalten sollen. Besonders die Geschichte über die Besucherinnen und Besucher eines Kinofilms erinnert eher an die Essays, die im zweiten Teil des Bandes versammelt sind. Doch in fast allen dieser frühen Texte blitzt Harper Lees Können auf – und damit die Handschrift, die sie später verfeinern und verbessern wird und zu dem Welterfolg Wer die Nachtigall stört führt.
Sind die Geschichten unveröffentlichte Funde, wurden die Essays im Laufe der Zeit bereits in Zeitschriften publiziert und somit in diesem Band nochmal zusammengefasst. Der kurze Text Griebenbrot wirkt an dieser Stelle etwas überflüssig. Für Entschädigung sorgt dafür der gleichermaßen leichte als auch tiefgründige Text Liebe – mit anderen Worten.
So wie es die Autorin in den letzten Essays und Briefen im zweiten Teil dieses Buches tut, ist auch Das Land der süßen Ewigkeit eine Aufforderung, das Lesen nicht aufzugeben. Im Gegenteil. Sei es in der Literatur oder im Journalistischen, lesen fördert den Intellekt, bildet und baut Vorurteile ab. Ich könnte mir vorstellen, nichts anderes wünschte sich Harper Lee mehr.
Das süße Land der Ewigkeit erschien heute im Penguin Verlag und kostet 25 EUR.
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