The Deadnotes – Rock’n’Roll Saviour, Grand Hotel van Cleef, 2025

Young Punks in Love. Und mit neuem Album. Live beim Fair-Weather-Fest

Zwei Punks entdecken ihre Liebe zu großen (Brit-)Pop-Hymnen, retten den Spirit und die Direktheit des Punkrocks hinüber und mixen diese mit fetten Melodien, Bläsersätzen, Streichern und jeder Menge lauten Gitarren. Zack, fertig ist „Rock’n’Roll Saviour“! Der Winter dauert schon viel zu lange. Und traurige Musik gibt es auch viel mehr als fröhliche Songs. Letztere sind wohl deutlich schwieriger zu schreiben. Oder es bedarf Menschen mit einem besonderen Händchen. Und einer besonderen Mentalität. Menschen, für die das Glas nicht halb-, sondern randvoll ist. Wie ein Bier in einem britischen Pub. Es muss erstmal ein Schluck abgetrunken werden, um mit dem Glas von der Theke zum Tisch zu kommen. Und dann ist immer noch genug da. Doch The Deadnotes kennen auch die andere Seite. Das leere Glas. Nur haben sie sich davon nicht unter- oder abbringen lassen. Sondern die Situation viel mehr als Antrieb gesehen zur Bar zu gehen und nachfüllen zu lassen, neue Songs zu schreiben. Zehn Stück davon sind auf dem neuen Album gelandet, welches vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Da mögen die Texte an manchen Stellen auch Melancholie oder Nachdenklichkeit verströmen. Am Ende siegen die Leichtigkeit, das Leben und das Glück des Momentums. Ach, wäre das Leben doch immer so wie ein Song von The Deadnotes, vieles wäre leichter.

Los geht das Album mit einem dunklen Piano. „December 31st“ heißt das Stück. Normalerweise steht das Datum eher für ein Ende als für einen Anfang. The Deadnotes drehen die Zeit einfach mal auf links. Hoffnung und sich selbst Mut machen, sollen ab jetzt auf der Tagesordnung stehen. Eine zweite Klaviermelodie gesellt sich dazu, Gitarre und ein Schlagzeug setzten ein. Erst leise, steigernd, ausbrechend. Noch einmal umdrehen, auf das Alte pfeifen und dann volle Kraft voraus. Der Song hört mit einem Gitarrenriff auf, welches gleichzeitig den Anfang des darauffolgenden „Jesus Christ (I’m Sick And Tired Of Falling In Love)“ – der albumbegleitenden Single – ist. Ein Song voller Bläsersätze, welcher auch den Albumtitel in einer Zeile beinhaltet und einem Gitarrensolo wie mit der Zeitmaschine aus den 80ern geholt. An dieser Stelle könnte nun durchaus jeder Song einmal erwähnt werden. Aber das wäre ja auch langweilig. Ein Song soll an dieser Stelle aber noch erwähnt werden. „Jolene (I’m In Love With A Superstar)“ dreht die ursprüngliche Perspektive von Dolly Partons Original um 180 Grad, erzählt aus einer ungesunden, männlichen Perspektive von einer ungleichen Wahrnehmung der gleichen Situation. Musst du auch erstmal drauf kommen.

Sollte „Rock’n’Roll Saviour“ zusammengefasst werden, dann steht vor allem eine übersprudelnde Energie im Vordergrund. Das Gefühl, dem Leben zu begegnen, sich nicht unterkriegen zu lassen – im Gegenteil, immer mehr zu verlangen. Punks sind schließlich auch auf der Suche nach Liebe. Die kann auf diesem Album gefunden werden.

Dass das Album in Leeds, UK aufgenommen und produziert wurde, kann an jeder Stelle gehört werden. In Großbritannien herrscht ein anderes Popverständnis, als es woanders auf der Welt möglich ist. Genau dieses Gefühl haben The Deadnotes eingefangen und konserviert. Vor gar nicht langer Zeit spielten The Deadnotes im Bürgerhaus Weserterrassen bei einem Showcase bereits einige dieser Lieder und bewiesen dabei, dass sie sowohl die Musik als auch die Energie live auf die Bühne bringen können. Wer den Auftritt verpasst hat, sollte sich nicht ärgern. Im Juni gibt es bereits die nächste Gelegenheit, sich von den Livequalitäten von The Deadnotes zu überzeugen. Beim Fair-Weather-Fest im Juni tritt das Quartett (live) bzw. Duo (Album) auf. Album und Konzert seien hiermit wärmsten empfohlen.

„Rock’n’Roll Saviour“ erscheint am 21. Februar 2025 beim Grand Hotel van Cleef.

 


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