Wiederholungsbedarf – Das Fair-Weather-Fest 2025 in Bremen

Am Wochenende fand in Bremen die erste Ausgabe des Fair-Weather-Fests statt. Direkt im Anschluss gaben die Veranstalter das Datum für 2026 bekannt.

Smile And Burn (Foto: Thea Drexhage bs! 2025)

Bremen. Am Wochenende fand in Bremen das erste Fair-Weather-Fest statt. An zwei Tagen standen insgesamt 25 Acts im Lagerhaus, im Calavera, in der Lila Eule und auch bei Titus, im Eisen und bei Black Plastic im Herzen des Bremer Viertels auf der Bühne.

Veranstaltet wird das Fair-Weather-Fest von Yannic Arens, Laurin Rutgers, Claas Reiners und Christopher Hollmann, die entweder selber in Bands wie Phantom Bay oder The Deadnotes spielen beziehungsweise gespielt haben oder aber in anderer Art und Weise in der (Bremer) Musikszene aktiv sind. Ebenjene Bands zählen auch zum diesjährigen Line-Up, welches insgesamt im Punk, Emo und Hardcore angesiedelt ist.

Eröffnet wird das diesjährige Fair-Weather-Fest mit einem Konzert von Empty Bones bei Titus, welches noch ohne Festival-Bändchen besucht werden darf. Im Mai erst das Debütalbum veröffentlicht, füllen die Bremer Garagerocker den Skaterladen im Bremer Viertel mit lauter Gitarrenmusik.

Das erste Konzert des Tages im Lagerhaus spielt mit baby of the bunch die einzige Pop-Band des Line-Ups, 30 Minuten später tun Fume Tea Heather selbiges im Calavera. Die Studienfreunde aus Lüneburg haben vor kurzem musikalisch wieder zueinander gefunden und Anfang des Monats ihre erste EP veröffentlicht.

In ebendiesem 30-Minuten-Rhythmus reiht sich nun Auftritt an Auftritt. Lediglich um 20:30 Uhr müssen sich die Besucher:innen entscheiden, ob sie lieber Pluto The Racer im Calavera oder Wax Minds im Eisen besuchen wollen. Das abwechslungsreiche Line-Up und das stetige Wechseln zwischen Lagerhaus und Calavera lassen an diesem schönen Freitagnachmittag keinen Raum für Langeweile.

Gegen Abend werden die Clubs immer voller, spätestens zum letzten Auftritt von SWAN SONGS im Calavera hat sich selbiges in eine Sauna verwandelt. Feinster Hardcore ertönt aus den Boxen, Schweiß tropft von der Decke. Das Finale im Lagerhaus an diesem Freitagabend dürfen Headliner Smile And Burn musikalisch untermalen. Die Berliner Punkband versammelt einige Fans vor der Bühne, die ununterbrochen moshen und lautstark die eingängigen Songs mitgrölen.

Wer an diesem Tag noch nicht genug Musik auf die Ohren bekommen hat, lässt den Abend jetzt noch bei der Aftershow-Party im Calavera ausklingen.

 

Der zweite Tag startete sehr stark mit den schwedischen Indie-Rockern von Mondane. Schnell füllte sich die Lila Eule, welche am Samstag als zweite Spielstätte diente. Die ersten Kaltgetränke wurden von den Anwesenden geordert und mit jedem Schluck und jeder Note stieg die Stimmung. Keine Spur, dass das Publikum schon einen anstrengenden Festivaltag in den Knochen hatte. Die Göteborger wurden mehr und mehr abgefeiert, bis nach den obligatorischen 30 Minuten leider schon wieder Schluss war. Die Herren hätten auf jeden Fall mehr Spielzeit verdient.

Weiter ging es gleich im Lagerhaus mit TI:ED. Die Bremer konnten mich leider nicht so aus Latschen hauen, wie es der Opener getan hatte. Aber die drei Jungs schmissen souverän ihren angepissten, emotionalen Punk-Rock in den Saal. Zu dieser frühen Stunde auf jeden Fall eine solide Truppe.

Als nächstes standen Hal Jonson, wieder in der Eule, auf dem Zettel. Doch als ich die Treppe des Clubs herunterkam, war kein Weiterkommen mehr. Die Eule platzte aus allen Nähten und so konnte ich weder einen Blick auf die Bühne erhaschen, noch das Set der Münsteraner erahnen. Also schnell zur Bar durchgequetscht, ein frisches Haake in die Hand genommen und wieder zurück ins Lagerhaus.

Wrong Man aus Belgien konnten mich sofort überzeugen. Die Truppe feuerte eine Mischung aus Post-Hardcore mit teils tiefgründigen Melodiepassagen in das gut gefüllte Lagerhaus. Energiegeladen und mit einem guten Anteil Rock’n’Roll gespickt, ballerten die Vier durch ihre 30 Minuten. Eines meiner persönlichen Tageshighlights!

Nach dem kurzen, aber intensiven Ritt ging’s für mich leider nicht zu Phantom Bay. Stattdessen ging es zur nächstgelegenen Bude, um den leeren Magen zu füllen.

Frisch gestärkt ging es dann zu den letzten Klängen von Flight Mode ins Lagerhaus, wo die aus Oslo stammenden Jungs ihre letzten Songs zum Besten gaben. Hier ging es wesentlich nachdenklicher und ruhiger zur Sache, als noch bei ihren Vorgängern auf der gleichen Bühne. Auf jeden Fall lud der leicht melancholische Indie-Rock zum weiteren Verweilen ein, doch nach den üblichen 30 Minuten ging es wieder schnell zum nächsten Act.

Wieder zurück in der Lila Eule. Der Singer-Songwriter Emperor X aus den USA konnte mit Witz und Charisma die, leider viel zu wenigen, Anwesenden überzeugen. Der in Berlin ansässige Amerikaner fiel vielleicht doch zu sehr aus dem Gesamtkonzept des Punkrock-lastigen Fair-Weather-Fests. Dennoch ein solider Act. Aber schnell wieder rüber!    

Im Lagerhaus ging es nun mit The Deadnotes weiter. Die Freiburger Indie-Pop-Punker hatten auf jeden Fall einen guten Start in ihr Set. Energiegeladen und mit einer Menge Mitsing-Potenzial ausgestattet, konnten die drei Herren von Beginn an überzeugen. Mich hatte die Truppe teilweise stark an „The Killers“ erinnert. Dieses könnte der zeitweise starken Synth-Untermalung der Songs geschuldet gewesen sein. Dieser Faktor stellte die Jungs aber besonders hervor. Auf jeden Fall ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Auch kommt die Band Ende des Jahres abermals in die Stadt. Da sollte man sich die Herren keinesfalls entgehen lassen.

Nun noch einmal schnell zurück in die Eule zu Forever Unclean. Der melodische Punkrock der aus Kopenhagen stammenden Truppe ging ab der ersten Sekunde geschmeidig ins Ohr. Ich hatte mich sofort wieder in die 00er Jahre versetzt gefühlt. Die Eule war bis unter das Dach gefüllt und alle Anwesenden hatten eine sichtlich gute Zeit, auch wenn diese wie bei allen Bands nur sehr begrenzt war. Ich habe auf jeden Fall die Zeit genossen und die Jungs waren ganz klar den Besuch wert.

Anschließend ging es zum Mainact des Tages, wieder rüber ins Lagerhaus. Hier klangen schon die ersten Akkorde von Shoreline. Der Saal war bis zum Platzen gefüllt und die Herren aus Münster konnten mit der anwesenden Meute agieren. Auch konnte man den Jungs die ausgedehnte Spielzeit von 60 Minuten anmerken. Die Leute gingen ab, sangen mit, moshten durchweg.  Die Band ließ es sich nicht nehmen und gab die gleiche Energie zurück an das Publikum. Das Set wirkte nicht so gehetzt, wie bei einigen der 30-Minuten-Acts und die Band nahm sich Zeit, um mit den Anwesenden die gute Zeit zu feiern. Ein vollkommen gelungener Abschluss des zweitägigen Spektakels. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

Die Pilot-Ausgabe des Fair-Weather-Fests kann als voller Erfolg bezeichnet werden. Gleich im ersten Jahr war das Club-Festival restlos ausverkauft, sodass die Veranstalter direkt das Datum fürs nächste Jahr kommuniziert haben. 2026 findet das Fair-Weather-Fest am 5. und am 6. Juni statt. Die Early-Bird-Tickets sind bereits ausverkauft, reguläre Festivalpässe sowie Supporter-Festivalpässe gibt es auf TixForGigs.

Texte von Malte Löhmann (Freitag) und Marius Jüstel (Samstag)

 


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