Vielfältiges Festival-Jubiläum

Zehn spannende Newcomer-Acts, zwei Bühnen, ein schönes Gelände und bestes Spätsommerwetter machten das zehnte Horn To Be Wild erneut zu einem besonderen Festivaltag.

Foto: Jörg Kröger

Bremen. Das Horn To Be Wild Festival hat Jubiläum gefeiert! Am 6. September verwandelte sich der Rhododendron-Park in Bremen-Horn zum zehnten Mal in eine Oase für frische Sounds und aufstrebende Künstler*innen. Zum Jubiläum gönnte sich das ehrenamtlich organisierte Festival ein erweitertes Konzept: zwei Bühnen, ein prall gefülltes Line-Up und Programm bis Mitternacht. Und das alles im perfekten Rahmen bei bestem Spätsommerwetter mit Sonnenschein und über 20 Grad.

Seit 2015 bringt das Horn To Be Wild jeden Sommer junges Pop- und Indie-Programm nach Bremen, lediglich 2020 musste pandemiebedingt pausiert werden. Der Geist ist seit über einem Jahrzehnt derselbe: ein Ort für Entdeckungen, an dem Newcomer*innen ihre ersten großen Festival-Momente erleben. Dass Acts wie Provinz, Ennio, Jeremias, Alli Neumann, Mayberg, Raum27 oder Orbit hier ganz zu Beginn ihrer Laufbahnen auf der Bühne standen, gehört mittlerweile zur DNA des Festivals und unterstreicht seinen Ruf als Sprungbrett in die große Musikwelt.

Das Gelände selbst trägt einen erheblichen Teil zum besonderen Charakter bei. Eingebettet zwischen Bäumen auf einer grünen Wiese, wirkt der Rhododendron-Park schon ohne Deko magisch. Doch das Team richtete den Ort mit viel Liebe zum Detail besonders her: geschmückte Traversen, gemütliche Liegestühle, Tischtennisplatten, eine Hüpfburg und sogar Entenangeln sorgten für Festival-Flair zwischen Musik und Mitmachaktionen. Dazu lockten kulinarische Stände und eine kleine Rallye, bei der u.a. in der Mitte alle zehn bisherigen Festivalplakate zu bestaunen waren – ein nostalgischer Rückblick auf über ein Jahrzehnt Horn To Be Wild.

Dass alles von einem jungen, engagierten Team ehrenamtlich gestemmt wird, macht die Entwicklung umso beeindruckender. Was 2014 als Jugendinitiative in Bremen-Horn begann, ist längst ein fester Bestandteil der Bremer Festivallandschaft. Über die Jahre wuchs das Event von einem zuerst lokalen Bandfestival zu einer Plattform für nationale Newcomer*innen. Zum fünfjährigen Jubiläum wagte man zwei Tage – und zur zehnten Ausgabe nun die Erweiterung auf zwei Bühnen. Im steten Wechsel spielten insgesamt zehn Acts, wodurch das Publikum nahtlos von einer Bühne zur nächsten wandern konnte.

Auch musikalisch blieb das Festival seinem Credo treu: Vielfalt, Qualität und Ausgewogenheit. Ein paritätisch besetztes Line-Up, in dem Solo-Acts und Bands, elektronische Pop-Sounds und Rock-Energie gleichermaßen Platz finden, ist auf Festivals nach wie vor selten – beim Horn To Be Wild aber selbstverständlich.

Den Auftakt machte die Bremerin Nike Helena auf der Hauptbühne. Mit Beats zauberte sie atmosphärischen Elektro-Pop, der sich schnell in den Köpfen festsetzte, während sich vor der Bühne immer mehr Menschen versammelten. Anschließend eröffnete auf der liebevoll mit Blumen geschmückten Side Stage die Band The Cave – ein blutjunges Bremer Quartett, das Indie-Rock mit jazzigen, groovigen und energiegeladenen Elementen mischte. Trotz einer gleich zu Beginn gerissenen Bass-Saite spielten sie unbeeindruckt weiter und machten mit hoher Qualität und sehr großer Spielfreude klar, dass man von ihnen hoffentlich noch viel hören wird.

Ein Höhepunkt des Nachmittags war das Wiener Trio Freude, das zwischen Indie- und Alternative-Rock balancierte. Eingängige Melodien und treibende Rhythmen machten ihren Auftritt zu einem energiegeladenen Moment. Kunst bekam an diesem Tag ebenfalls Raum: Das internationale Theaterkollektiv Theater11 inszenierte zwischen den Bühnen eine Performance-Show rund um einen Autounfall – mit Mimik, Gesten und einem in Nebel gehüllten Wagen als Mittelpunkt. Theater11 bietet nicht nur Kunst, sondern auch Geflüchteten – etwa aus der Ukraine – eine kreative Heimat.

Danach folgte Carla Ahad, die mit Indie-Pop voller Herz, Direktheit und Alltagsbeobachtungen berührte. Später nahm Lilli Belle das Publikum mit in hallige, verträumte Klangwelten. Am frühen Abend chillen viele Besucher*innen in den Liegestühlen, zu dieser Zeit werden traditionell auch die Schlagen an den vielfältigen Essensständen länger.

Mit Engin wurde es wieder lauter und kantiger: deutsch-türkischer Indie-Rock, durchzogen von orientalischen Einflüssen und getragen von Texten über das Leben zwischen Kulturen. Ihr sich drehendes Bandlogo in Form eines Dönerspießes war der visuelle Clou zu einem Sound, der frisch und besonders wirkt. Wie sie vorab verraten, spielen Engin am 20. Mai mit neuem Album im Kulturzentrum Schlachthof. Die einigen schon von der Breminale bekannte Emma Rose brachte viel Charme zurück in die Stadt. 1,5 Jahre hat sie in Bremen gelebt, inzwischen wohnt sie nicht mehr hier. Sie überzeugt mit pointiertem Bedroom-Indie-Pop, Humor und Haltung.

Rockiger ging es danach mit Paulinko weiter. Das Trio zeigte sich live deutlich härter als auf Platte, mit einer Performance, die der selbstironischen Bezeichnung „Auf die Fresse-Pop“ mehr als gerecht wurde. Empowerment war hier nicht nur Thema der Texte, sondern vibrierte in jedem Akkord – pure Energie, pure Haltung. Als letzter Act auf der Side Stage begeisterten Monokrom: Live-Techno mit Instrumenten, tranceartig, melodiös und hypnotisch. Ihre Fusion aus elektronischen Klängen und organischem Spiel sorgte für eine ganz besondere Stimmung, die perfekt in die Nacht überleitete.

Zum Headliner-Auftritt von Aaron ging schließlich der Mond über den Bäumen des Parks auf. Mit Bassist und Schlagzeuger präsentierte Aaron eine Mischung aus akustischen Klängen, elektronischen Einflüssen und junger Popmusik. Die Menge, teils extra für ihn angereist, sang nicht nur bei seinen eigenen Songs laut mit, sondern feierte auch seine Feature-Tracks wie „Meinen die uns“ gemeinsam mit Zartmann, Kasi und Antonius.

Nach sieben Stunden Musik endete die Jubiläumsausgabe – ein Abend voller Entdeckungen, Emotionen und Überraschungen. Das Horn To Be Wild hat erneut bewiesen, dass es ein besonderes Festival ist – ein Ort, an dem Karrieren beginnen, an dem Gemeinschaft gelebt wird und an dem Musik in all ihrer Vielfalt gefeiert wird. Wir freuen uns jetzt schon, die Entwicklung der diesjährigen Acts weiter zu verfolgen – und mindestens genauso auf das nächste Horn To Be Wild 2026.

Seht euch hier unsere Festivalfotos an:

 


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