Musik für Angezählte

Captain Planet eröffneten am Donnerstag das Konzertjahr 2024 in Bremen.

Captain Planet im Tower. Foto: pfa

Bremen. 2024 ist gerade einmal vier Tage alt, als das erste Konzert des Jahres ansteht. Captain Planet aus Hamburg, so sagt es die Band selbst, obwohl auf der Bühne später rauskommt, dass Sänger Arne in der Nähe von Bremen wohnt, haben sich angekündigt. Im Gepäck das noch immer recht neue Album „Come On, Cat“ aus dem September, welches auf diversen Jahresbesten-Listen auch bei HB-People auftauchte. Vielleicht ein Album zur Lage von Menschen, die zwischen Corona, Job, Familie und Hobby nicht mehr so richtig wissen, wo sie hingehören und sich immer öfter leer und ausgebrannt fühlen. Da sind Konzerte von Bands wie Captain Planet genau das richtige Gegenmittel, um aus dem Trott rauszukommen.

Schon vor Konzertbeginn herrscht beste Stimmung bei dem doch eher Ü30-Publikum der Band. Scheint, als erreichen Captain Planet trotz respektablem Charteinstieg auf Platz elf nicht mehr die ganz junge Zielgruppe. Dafür sind die alten Fans mit der Band gewachsen und noch immer an Bord. Loyalität ist ein schöner Zustand. Aber zurück zum Geschehen. Draußen ist es kalt, dunkel und auch ein wenig nass. Menschen umarmen und wünschen sich ein frohes neues Jahr. Es wird miteinander angestoßen. Draußen vorm Tower wird Bier ausgeschenkt. Der erste Indikator, es wird voll da drin. Und tatsächlich ist das Konzert ausverkauft. Das ist schön für die Band, aber Pech für die Draußenrumsteher, die sich noch in einem vollen Tower quetschen wollen. Es ist halt wie immer, während vorne noch Platz ist, staut es sich in den hinteren Reihen.

Surreal Fatal lassen sich davon auf der Bühne nicht beeindrucken und präsentieren 30 Minuten deutschsprachigen Emo-/Hardcore-Punk, welcher eigentlich nur in Schleswig-Holstein oder Hamburg entstehen kann. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Es handelte sich um den ersten Auftritt der Band, die sich vorher Oma Oklahoma nannte. Ein Debütalbum soll später im Jahr folgen. Eindringlicher Gesang, gute Stimme, gute Mischung aus politischen und persönlichen Texten, das kann spannend werden.

Nach dem Auftritt dann Tetris, die eine Hälfte will raus zum Rauchen, pinkeln, Bier holen und schnacken, die andere Hälfte drängt nach vorne. Innerhalb von knappen zwanzig Minuten hat sich alles zurecht gerüttelt. Orchestermusik schallt dezent aus den Boxen, aber das Licht ist noch an. Hätte im Dunkeln wahrscheinlich anders gewirkt. Captain Planet kommen auf die Bühne und legen mit Neujahr los. Der tolle Start ins neue Album, also auch ins Konzert und sowieso passend für diesen Tag. Doch der Funke springt nicht sofort über – zu leise schallt die Musik aus den Boxen, als dass sofort Euphorie aufkommen kann. Vor allem Gitarrist Benni versucht zwar etwas Bewegung auf die Bühne zu bringen, aber das verpufft die ersten zwei, drei Songs. Erst als Arne sich mitten im Stück Am Wald die Gitarre umhängt, wird die Musik lauter und drängender. Langsam steigt auch die Temperatur im Tower an und mit der aufkommenden Wärme steigt auch die Stimmung beim Publikum. Vorne wird etwas getanzt, hier und da mal das Glas der Band entgegengestreckt. Was aber auffällt, niemals entsteht eine große gemeinsame Aktion. Es scheint, als ob die eine Hälfte des Publikums wegen der alten Songs da ist und die andere Hälfte sich eher über neuere Songs freut. Singt die eine Person bei einem Song lauthals mit, ist sie beim nächsten Moment eher ruhig.

Nach einer Stunde und Songs aus allen Phasen der Band ist pünktlich um zehn Uhr Schluss. Merchstand, Bar, rauchen, reden. Denn zu reden gab es anscheinend einiges: Der Sound war das große Thema und die Bühnenperformance. Da gingen die Meinungen des Publikums dann doch weit auseinander. Von „das war gar nichts, über, der Sound war vorne schlecht, ne hinten, an der Seite war der okay, in der Mitte auch“, waren alle Meinungen vertreten. Ich persönlich fand den Einstieg schwierig, aber die Band kämpfte sich rein und es war dann auch sehr unterhaltsam und kurzweilig. Da ich „Come On, Cat“ dann doch sehr schätze, gefielen mir die neuen Songs am besten und es hätte gerne noch den einen oder anderen mehr geben können, aber glücklich bin ich trotzdem ins Bett gefallen.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:


Mehr Beiträge aus" Musik" zur Startseite

Musik für Angezählte teilen auf: