Magische Nächte im Zauberwald
Vorläufiger Abschied mit Musik, Gemeinschaft und Liebe zum Detail: Das Forest Jump Festival vereint Vielfalt und DIY-Flair in einer einzigartigen Waldkulisse.

Salzwedel. Ende August gab es ein letztes Mal vor einer Pause eine besondere Kombination aus Bands, Location, Stimmung und Ambiente beim Forest Jump Festival in der Nähe von Salzwedel. Gegen Ende des Sommers wartet seit vielen Jahren ein Highlight auf die Besucher:innen: ein Festival, das nicht auf Masse, sondern auf Klasse setzt. In einem abgelegenen Waldstück südöstlich von Salzwedel entsteht für zwei Tage eine eigene Welt – ein Ort, an dem Alltag und Sorgen keinen Zutritt haben, an dem getanzt, gelacht, gefeiert und innegehalten wird. Seit 2012 ist das Forest Jump ein Rückzugsort für Freundschaft, Gemeinschaft und Musik, geprägt von viel ehrenamtlichem Engagement und einer Liebe zum Detail, die überall spürbar ist.
Wer das Gelände betritt, merkt sofort, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Schon der Eingang mit den großen, aus Paletten gebauten und nachts leuchtenden Buchstaben „F“ und „J“ markiert den Beginn einer kleinen Zauberwelt. Über den Köpfen funkelt eine Discokugel, umrahmt von Lichterketten, die den Wald wie einen geschlossenen Raum wirken lassen. Kurze Wege führen die wenigen Hundert Besucher:innen zu allen Ecken dieses Ortes, an dem überall kleine Überraschungen warten: ein Wohnzimmer mit plätschernder Wasserkonstruktion, ein Trampolin zwischen den Bäumen, eine Boulder-Ecke, eine Rutsche von einer kleinen Aussichtsplattform oder ein Hamsterrad. Dazu gesellen sich ein Tischkicker, eine Tischtennisplatte und ein Mini-Outdoor-Gym.
Seit 2012 bietet das ehrenamtlich organisierte Forest Jump Festival eine Mischung aus Musik, Kunst und Gemeinschaft inmitten der Natur. Mit einer weltoffenen Haltung setzt das Festival ein Statement für Vielfalt und Zusammenhalt inmitten einer atemberaubenden Waldkulisse, die mit Licht- und Kunstinstallationen gespickt ist. Alles wirkt einfach unglaublich entspannt, wie ein mystisches, einzigartiges Idyll. Das Team des DIY-Festivals besteht aus vielen ehrenamtlichen Mitglieder:innen, die sich jedes Jahr zusammensetzen und mit viel Herzblut für zwei Tage einen ganz besonderen Ort erschaffen, an dem gefeiert und getanzt wird, bis in der Ferne über den Feldern wieder die Sonne aufgeht. Es ist schön, solche nicht-kommerziellen DIY-Festivals zu erleben, wo die Liebe zur Sache und zum Detail für das engagierte Team im Vordergrund steht.
Die Dekoration ist verspielt und selbstgebaut, Holz bestimmt das Bild: von der Theke über die „Frittenbude“ als Verpflegungsmöglichkeit bis hin zu den liebevoll gestalteten Kunstobjekten. Eine drehende Litfaßsäule zeigt die Line-Ups vergangener Jahre, während zwischen den Bäumen gerahmte Bilder mit Festivalerinnerungen hängen. Hier eine Schaukel, dort ein großes Netz zum Chillen – der Wald wird zur Bühne einer Utopie. Gut besucht ist der Siebdruckstand und politische Aktionsstände runden das Gesamtbild ab. Die Mischung aus Rückzugsorten, Tanzfläche und Begegnungsplätzen sorgt für eine besondere Balance aus Euphorie und Ruhe. Das Forest Jump ist ein Safe Space, eine Oase, die Gemeinschaft spüren lässt.
Am Freitag eröffnen elektronische Sounds das Wochenende mit, ehe Bad Assumption den Wald ab 17 Uhr in eine laute, rockige Klanglandschaft verwandeln. Das Berliner Trio liefert eine dichte, energiegeladene Show. Danach tauchen „Das Beat“ die Bühne in Synths, Percussion und Gesang – eine elektronische, treibende Symbiose. Jassin aus Wittenberg in Sachsen-Anhalt bringt ehrliche Texte und eine Mischung aus Rap und Gesang, die mitten ins Herz trifft. Ein äußerst nahbarer, authentischer und sympathischer Künstler, der über harte Themen spricht. Mit Songs über Diskriminierung oder dem Rechtsruck schenkt er vielen eine Stimme und kommt bei den Besucher:innen richtig gut an. Mit Mia Morgan folgt eine Künstlerin, die mit rockiger Energie und feministischer Haltung die Bühne erobert. Spätestens jetzt springt und tanzt das Publikum ausgelassen. Haxan macht mit einer wilden Mischung aus Hip-Hop, Punk und Metal weiter, stürzt sich ins Publikum und sorgt für einen ekstatischen Höhepunkt, bevor elektronische Klänge die Nacht übernehmen.
Der Samstag beginnt mit Yous39, dessen energiegeladener Rap mit lokalen Referenzen früh für Fülle vor der Bühne sorgt. Grenzkontrolle bringen entspannten Post-Punk, während Nikra mit wütendem Punk ein kraftvolles Ausrufezeichen setzen. Danach sorgen Kapa Tult mit Indie-Vibes für tanzbare Leichtigkeit, bevor Jools zum zweiten Mal in Folge die Bühne betreten – ein Novum. Die sechsköpfige, britische Rockband hat im letzten Jahr ihren allerersten Auftritt in Deutschland überhaupt auf dem Forest Jump gespielt und eine Schneise der Begeisterung hinterlassen. Ihr brachialer Sound, gepaart mit tiefgehendem Songwriting, lässt den Platz beben. Jools sind ein Statement und können mit allumfassender Präsenz jede Person mitreißen. Ein explosives Live-Erlebnis mit wilden Sprüngen vor der Bühne. Dann folgt der Höhepunkt: Disarstar, einer der bekanntesten Künstler, die jemals beim Forest Jump waren. Der Hamburger Rapper schafft es, das Festival heute auszuverkaufen und alle vor die Bühne zu ziehen. Er verbindet Straßenrap mit klarer antifaschistischer Haltung. Seine Wortgewalt trifft ins Mark, die Energie ist grenzenlos, und die Menge schreit mit. Danach wird im Wald bis in die Morgenstunden gefeiert, bis über den Feldern wieder die Sonne aufgeht.
Mit einem Frühstück auf dem Campingplatz endet für viele am Sonntagmorgen das Festival nach einem wunderbaren Wochenende zum Entspannen, Feiern, Abschalten und Seele baumeln lassen. Zwei Tage voller Musik, Gemeinschaft und Magie liegen hinter den Besucher:innen. Das Forest Jump ist ein ganz persönliches Festival – es ist eine eigene kleine Welt, die zeigt, wie schön Vielfalt, Zusammenhalt und Detailverliebtheit sein können und in der unendlich viel Mühe, Arbeit und Liebe steckt. Auch wenn nun eine Pause folgt, bleibt die Hoffnung, dass der Zauberwald in einigen Jahren wieder seine Tore öffnet.
Seht euch hier unsere Festivalfotos an:
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