Heimspiel als Abschluss eines turbulenten Jahres 2023

Am 16.12. beenden RAUM27 ihre erste eigene Tour mit einem Heimspiel im Bremer Pier 2

Raum 27 // Foto: Freddy Hellbernd

Bremen. Mit einem Heimspiel im Bremer Pier 2 geht für die Bremer Hardcore-Pop-Band RAUM27 am 16. Dezember ein turbulentes Jahr 2023 zu Ende.

Debüt-Album, 71 Konzerte, erste eigene Tour und Heimspiel mit zwei Voracts im Bremer Pier 2

Hinter dem Bremer Duo RAUM27 liegt ein turbulentes Jahr: Release des Debüt-Albums im Mai und über das Jahr verteilt 71 Konzerte – davon 17 im Rahmen ihrer ersten eigenen Tour. Von den 17 Konzerten der aktuellen Tour waren 15 ausverkauft oder wurden hochverlegt. Hochverlegt wurde zum Beispiel das heutige Konzert im Pier 2, welches ursprünglich im Kulturzentrum Schlachthof stattfinden sollte. In Hamburg gab es sogar eine Zusatzshow. Das Finale der Tour findet allerdings im Rahmen eines Heimspiels in Bremen statt.

Wie auch auf vier vorangegangenen Konzerten dieser Tour ist heute Haller als Support-Act dabei. Der aufstrebende Pop-Musiker war gerade mal einen Monat zuvor im Rahmen seiner eigenen Tour bereits in Bremen im Kulturzentrum Lagerhaus zu Gast (wir berichteten). Mit Songs wie „Er oder Sie oder Du“ oder „Marlboro“ hat Haller in diesem Jahr bereits erste Aufmerksamkeit auf sich gezogen und es sogar in die „Wilde Herzen“-Playlist auf Spotify geschafft, die guten Gewissens als Maß für deutschsprachige Indie-, Pop- und Rap-Musik herangezogen werden darf.

Kurzfristig wurde außerdem Maiva als zusätzlicher Voract bekannt gegeben. Die Electro-Pop-Sängerin aus Mannheim war bereits bei den Auftritten in München und Stuttgart als Support dabei. Mit ihrem tanzbaren Sound erinnert die Sängerin phasenweise an Künstlerinnen wie Alice Merton. Begleitet wird sie von einem Bassisten und später auch Gitarristen sowie einem Drummer. Spätestens mit dem Cover von „LaLaLa“ (Naughty Boy und Sam Smith) gewinnt Maiva das Publikum für sich und es wird lautstark mitgesungen.

Mehr Personen = mehr Instrumente = bessere Musik?

Im Laufe des Abends nehmen die Personen auf der Bühne und damit auch die auf der Bühne entstehende Musik nach und nach zu. Haller bringt eine dreiköpfige Band mit (Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger und auch ein Keyboard kommt später noch zum Einsatz) und greift zum Abschluss seines Auftritts selber noch zur Gitarre. Die Pop-Musik mit leicht funkigen Einflüssen ist eingängig, insgesamt vielleicht aber etwas zu ruhig, um das zu bewirken, was man sich von einem Voract erhofft – dem Publikum kurz vor dem Hauptact noch einmal richtig einzuheizen.

Der Höhepunkt der Bühnenauslastung wird logischerweise mit dem Auftritt von RAUM27 erreicht. Sänger Tristan sowie Gitarrist und Pianist Mathis stehen in weißen Shirts gekleidet in erster Reihe, während der Rest der Band eher dunkel gekleidet auf einer leichten Erhöhung im Klinkerstein-Look im Hintergrund agieren. So wird die Hierarchie der Musikgruppe auch optisch schnell deutlich – denn RAUM27, das sind im Kern nur Tristan Stadtler und Mathis Schröder, die im Raum 27 der Carl-von-Ossietzky-Schule in Bremerhaven das gemeinsame Musizieren begannen. Mittlerweile wohnen die beiden allerdings seit Jahren in Bremen und werden live regelmäßig von einem festen Ensemble – bestehend aus den beiden Gitarristen Chris und Jakob, dem Bassisten Oskar und Schlagzeuger Onur – begleitet.

Der Vorteil einer solch großen Live-Band wird schnell deutlich. Sie ermöglicht es, Songs scheinbar spontan geringfügig zu verändern, wenn es die Situation erfordert. Einzelne Lieder werden atmosphärisch in die Länge gezogen oder es wird ein weiterer Refrain am Ende eines Songs hinzugefügt, wenn die Band merkt, dass das Publikum gerade gut gelaunt ist und gerne noch einen weiteren Moshpit starten würde (so geschehen bei „Plattenbaum“ als letzter Song vor der Zugabe). Ein weiterer, großer Gewinn für die Band ist Bassist Oskar, der mit seinem Solo-Projekt She danced slowly ebenfalls Musik veröffentlicht. Dem Track „Hymnen vom Schlauchboot“ wird live ein Outro hinzugefügt, bei dem Oskar den Gesang (fast schon Shouts) übernimmt. Bei dem RAUM27-internen Lieblingssong „Vermiss dich“ unterstützt Oskar im Refrain ebenfalls mit seinem Gesang. Drummer Onur darf sich bei selbigem Song ordentlich am Schlagzeug austoben, während Gitarrist Chris bei „Sommerregen“ ein Outro auf seinen Bongos beisteuert.

Trotz technischer Probleme: Besondere Atmosphäre bei „Bremen“

Aber einen Schritt zurück. Eröffnet wird der Auftritt passenderweise mit „Anfangen Anzufangen“ – dem Titelsong des in diesem Jahr erschienenen Debüt-Albums. Mit „Sommerregen“ folgt ein Top-Hit, zu dem zum ersten Mal an diesem Abend die Konfetti-Kanonen gezündet werden. Es regnet goldenes Konfetti auf das Bremer Publikum. Der bereits erwähnte Song „Hymnen vom Schlauchboot“ ist der erste Song des Abends, der nicht vom Album stammt. „Seifenblase“, „Traurig aber ist so“ und „Oft gefragt“ reihen sich hier ein.

Im Gegensatz zu den beiden Shows im vergangenen Jahr im Tower, ist Rapper Conny an diesem Abend nicht mit von der Partie, sodass Sänger Tristan beim Feature-Track „Seifenblase“ seine Rap-Fähigkeiten unter Beweis stellen muss. Eine Gemeinsamkeit zum zweiten der beiden Tower-Konzerte in 2022 gibt es allerdings: bei der Performance der Hymne „Bremen“ hält das Publikum kleine Papier-Herzen hoch, auf denen „Wir sind so stolz auf euch“ steht. Diesen besonderen Song möchten Tristan und Mathis gemeinsam mit dem Cellisten Jan auf einer kleinen Bühne am Front of House mitten im Publikum performen. Allerdings kommt es hier beim Piano immer wieder zu technischen Ausfällen, sodass Mathis von der Hauptbühne aus spielen muss.

Der Top-Hit schlechthin „Oft gefragt“ ist der letzte Song der Zugabe. Es werden ein zweites und letztes Mal die Konfetti-Kanonen gezündet und Tristan lässt es sich nehmen, noch einmal ins Publikum zu springen. Zum Abschluss tanzt und feiert die Band noch kurz zu „Narcotic“ auf der Bühne und dann geht nicht nur ein für die Band besonderer Abend, sondern zugleich die erste eigene Tour zu Ende. Doch die nächsten Touren stehen bereits an.

Zweite „Anfangen Anzufangen“-Tour und Homecoming in 2024

Im Pier 2 hingen schon den gesamten Abend über Plakate von der für 2024 geplanten „Homecoming“-Tour, entsprechende Flyer waren ebenfalls im Umlauf. Über QR-Codes war es den Besuchenden bereits möglich, Tickets für drei Club-Konzerte in Bremen im Dezember 2024 zu erwerben: zunächst im Tower Musikclub, anschließend im Kulturzentrum Schlachthof und abschließend im Modernes. So kommen jene, die sich über die Hochverlegung ins Pier 2 eventuell nicht gefreut haben, doch noch in den Genuss eines intimen Konzertes im Schlachthof. Tickets für alle drei Konzerte gibt es hier.

Erst im Anschluss an das Konzert wurde die „Homecoming“-Tour dann auch über den „vibing ducks channel“ auf Instagram, der während der zurückliegenden Tour hauptsächlich als Ticket-Börse diente, bekannt gegeben und nochmals später dann erst offiziell. Darüber hinaus wurde eine zweite Tour im Frühjahr 2024 angekündigt – unter anderem mit Konzerten am 6. April in Bremerhaven sowie am 12. April in Osnabrück.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:


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