Emotionale Rückkehr von Young Rebel Set
Zwischen Verlust, Aufbruch und Leidenschaft: Die britische Folk- und Indie-Rock-Band hat ein besonderes Konzert im Tower Musikclub gespielt.

Bremen. Sechs Jahre nach dem Tod ihres Sängers Matthew „Matty“ Chipchase, haben Young Rebel Set gestern Abend im Tower Musikclub eine bewegende Bandgeschichte um ein Kapitel erweitert. Es war das dritte Konzert ihrer Rückkehr-Tour und es sollte ein Abend voller Emotionen, Erinnerungen und mitreißender Indie-Rock-Leidenschaft werden.
Nach Mattys frühem Tod 2019 mit nur 35 Jahren war es still um die Band aus dem Nordosten Englands geworden. „Nachdem Matty verstorben war, schien es uns unmöglich, unsere Instrumente wieder in die Hand zu nehmen oder die Songs anzuhören“, erzählten die verbliebenen Mitglieder kürzlich im Interview mit uns. Erst die Idee eines Gedenkkonzerts zu Mattys 40. Geburtstag im September 2024 habe die Wende gebracht – und nun schreiben sie das Ende ihrer Geschichte neu.
Die Bühne des Towers wurde pünktlich um 20 Uhr mit einem intimen Auftakt eröffnet: Tom Blackwell, einer der engsten Freunde Mattys und nun neuer Sänger von Young Rebel Set, trat zunächst solo auf. Nur mit Akustik-Gitarre und Mundharmonika schuf er einen warmen, gefühlvollen Beginn des Abends. Seine weiche, variantenreiche Stimme, mal sanft, mal energisch, ließ sofort erahnen, weshalb er die schwierige Rolle als Frontmann übernehmen kann. Zum Auftakt spielte er gut 20 Minuten lang eigene Stücke seiner Soloalben.
Es folgte Sönke Torpus, einst Kopf von Torpus & The Art Directors, heute mit seinem neuen Projekt Low Key Orchestra unterwegs. Im Tower stand er allein auf der Bühne, ausgerüstet mit Gitarre und einem Dia-Projektor seines Vaters, der ein paar Bilder auf die Leinwand warf. Humorvoll und nahbar präsentierte er u.a. seine erst drei veröffentlichten Songs, kündigte das Debütalbum „Before The Reverb“ für den 13. März an und überraschte mit einer Coverversion von Didos „White Flag“ – ein Song, den wohl fast jeder im Publikum kennt. Dass er mit Young Rebel Set im Tourbus reist, verlieh seinem Auftritt noch mehr familiären Charakter.
Dann war es soweit: Young Rebel Set betraten zu sechst die Bühne – die Gründungsmitglieder Andy und Chris Parmley sowie Drummer Luke Evans, ergänzt durch Andy Bensley (Gitarre), Danny Allinson (Keyboard) und Tom Blackwell am Mikrofon. Sie eröffneten ihr Set mit „Anchorage“ von der aktuellen „Sun“-EP, deren Songs noch zu Mattys Zeiten mit ihm geschrieben wurden und erst jetzt aufgenommen mit Tom veröffentlicht wurden. Es war eine perfekte Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Nahtlos ging es weiter mit „Lion’s Mouth“, dem Opener ihres gefeierten Debütalbums von 2011, und anschließend „Walk On“. Das Publikum feierte jede Nummer, während die Band ihre Energie, ihre Liebe zur Musik und ihre Geschichte in den Raum trug. Die Mischung aus Indie-Folk und Rock-Flair, getrieben von gleich vier Gitarren und getragen von den Keys, entfaltete eine dichte, emotionale Atmosphäre.
Ein Höhepunkt des Abends war „Precious Days“ mit hoher Dynamik und treibenden Keys. Später wurde es noch intimer: In der ersten Zugabe spielten Luke Evans, Tom Blackwell und Chris Parmley „Unforgiven“ als Trio – eine bewegende Widmung an Matty, bei der Drummer Luke am Gesang besonders glänzte. Schließlich vereinte die gesamte Band noch einmal all ihre Kraft und Emotionen in „Bagatelle“ – ebenfalls Matty gewidmet.
Nochmal richtig stimmungsvoll wurde es, als Sönke Torpus für die letzten beiden Zugaben zurückkehrte. Gemeinsam performten sie den Publikumsliebling „If I Was“ mit nun insgesamt sieben Musikern auf der Bühne. Auch beim finalen „Measure Of A Man“ blieb er dabei – ein Abschluss, der die Verbundenheit der Musiker noch einmal spürbar machte.
Tom Blackwell machte den gesamten Abend über kaum Ansagen, stellte sich selbst bewusst in den Hintergrund. Er weiß um die Last seiner Rolle – und meistert sie, indem er den Blick stets auf die Band als Ganzes richtet. Die Besucher*innen im Tower erlebten so nicht nur ein Konzert, sondern ein Wiederauferstehen, das mit viel Gefühl, Leidenschaft und Demut gefeiert wurde. Ein Abend, der deutlich machte: Young Rebel Set sind zurück – und sie schreiben ihre Geschichte weiter.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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