Die Besten des Jahres 2025 – Gast-Beitrag von Olaf
Die musikalische Rückschau auf die Album-Releases von 2025, ein Gastbeitrag (eingefordert in einem Facebook-Kommentar Anfang des Jahres) von Olaf

Warum maße ich mir an, hier meine persönliche Liste veröffentlichen zu dürfen? Weil ich den ganzen Bumms hier mal erfunden hab. Vor ca. einem Vierteljahrhundert. Damals noch nebenan in Rotenburg als ROW-People.de. 2013 wurde mein Source-Code durch diesen neumodischen Kram ersetzt, der jetzt die Webseite am Leben erhält und ich bin altersweise mit damals 40 Jahren ausgeschieden. Aber Musik höre ich immer noch. Vielleicht nicht ganz so am Puls der Zeit wie Pascal, Claas, Marcel und der ganze Rest. Deswegen hier die Ü50-Oldie-Liste meiner subjektiv besten Alben des vergangenen Jahres 2025.
10. WISP – If Not Winter
Neue Musik entdecke ich entweder, weil Pascal mir davon erzählt, ich sie hier auf der Seite finde (z.B. Scheitern.Dreitausend) oder sie mir auf dem Roskilde Festival begegnet. Meine Jahresdosis an geballter Konzertdusche der angesagten Musik hole ich mir dort ab. In diesem Jahr hab ich auch WISP gesehen. Live konnten sie mich zwar nicht packen, aber ihre Platte ist doch genau aus den Zutaten, die ich mag. Ne Menge Gitarren. Oft verzerrt. Und alles etwas sphärischer, als man es sonst so glattbügelt.
9. Fischer-Z – Punkt!
Fischer-Z begleiten mich seit Ende der 80er. Aber anders als andere, habe ich nach den ersten drei Alben nicht aufgehört, sie zu verfolgen. Das, was John Watts in den letzten Jahren so rausgebracht hat, war mir oft eine Spur übers Ziel hinausgeschossen. U.a. weil er auch gerne die Grenzen des Mediums Musik zu sprengen versucht. Die neue Platte finde ich wieder rein musikalisch frisch und packend. Die Stimme transportiert sowieso alles mögliche, und hier passen auch die Melodien und Strukturen.
8. Der Weg Einer Freiheit – Innern
Okay, nicht nur Pascal erzählt mir von neuer Musik. Auch mein Festival-Buddy Jonas. Und da sein Musikgeschmack sehr breit aufgestellt ist, und er mich u.a. gerne zu Amenra- oder Pertubator-Konzerten schleppt, hat er mir euphorisiert vom neuen Album von Der Weg Einer Freiheit erzählt. Und ja. Das ist Post-Metal (so bezeichne ich das mal), wie ich ihn mag. Fläche. Sphäre. Mit Geballer. Toll!
7. Marcus & Martinus – The Room
Und dann ist da auch noch meine Tochter. Trotz Familien-Spotify-Account übernimmt sie auch sehr oft die Gewalt über meine Playlisten und setzt (gerade im Auto) gerne ihre Musik durch. Und irgendwann hört man soviel norwegischen Teenie-Pop, das er einem selber gefällt. Meine Hitlisten sind voll von Marcus & Martinus, und ja… das neue Album kann man sogar hören. Jedenfalls, wenn man sich da so intensiv reinhört, wie ich es zuletzt musste.
6. Die Zähne – Endlich / Alles Muss. Nichts Kann
Darf man hier auch EPs aufzählen? Naja, in diesem Fall sind es zwei und damit ja schon fast ein Album. Außerdem hat Arne, der Bassist von „Die Zähne“ damals ROW-People mit erfunden. Und das hier ist richtig geiler deutscher Alternative-Post-Grunge-Punkrock. Die drei sind eigentlich ne Reeperbahn-Coverband, die auf Zuruf einfach alles spielen kann, während sie gleichzeitig mehr saufen, als das Publikum. Aber sie können noch so viel mehr, deswegen auch mal eigene Songs geschrieben und aufgenommen. Geil!
5. Sofia Isella – I’m Camera
Wieder ne EP. Aber hier geht es mir hauptsächlich um den Artist. Leider kein Ticket mehr für ihre einzigen DE-Shows in Köln und Berlin bekommen, aber dafür geh ich 2026 nach Hamburg. Sofia Isella macht wirklich aufregende Musik, krasse Performances und thematisch geht es hier alles um „Women’s Empowerment“, was nicht nur in der Musikszene immer noch dringend nötig ist. Sie hat es damit für eine Show zum Support-Act von Taylor Swift geschafft, was sie selber als ultimativen Ritterschlag empfunden hat.
4. Deftones – Private Music
Als die Deftones beim Hurricane gespielt haben, habe ich sie meinem Bekanntenkreis mit den Worten „Wenn ihr wissen wollt, was mein Musikgeschmack ist, geht zu Deftones“ empfohlen. Und erst beim Konzert vor der Bühne hab ich realisiert, wie recht ich damit hatte. Man sind die (immer noch?!) geil in dem was sie tun. In Roskilde war das Konzert dann nochmal größer und intensiver. Und das Album steht dem einfach in nichts nach. Sie haben nichts verlernt und langweilen nicht. Wirklich ein Highlight. Immer noch geiler Alternative-Metal.
3. Lola Young – I’m Only Fucking Myself
Meine Top-Entdeckung dieses Jahr vom Roskilde Festival (Nach Julie Christmas im letzten Jahr). Lola Young hat so ein unglaublich gutes Konzert gespielt, und sich dabei sehr süß für ihren Top-Hit „Messy“ entschuldigt. Der wäre ihr einfach so passiert. Ihr Output ist generell grandios, auch das neue, aktuelle Album. Thematisch alles sehr schön dreckig und das Album hat einfach zu jedem Song ein Video spendiert bekommen. Wer unperfekten Pop mit einer sehr präsenten Frontfrau mag – here it is.
2. Dirkschneider – Balls To The Walls
Darf man hier auch Re-Recordings benennen? Ach, wie schon erwähnt, ich hab den Bumms erfunden, dann nehm ich mir das auch raus. Hier handelt es sich eigentlich um das 40 Jahre alte „Balls To The Walls“ von Accept. Da die Band, die aktuell unter dem Namen Accept tourt, aber nur noch ein Original-Mitglied hat, hat Udo Dirkschneider mit seiner Formation mittlerweile drei Original-Accept-Member auf dieser Scheibe (Dirkschneider, Baltes und Kaufmann). Und etwas Lokalkolorit scheint auch durch, da die Stimme von Feuerengel/Der Bote (Boris Delic) auch drauf zu hören ist. Es sind einfach wirklich gute, klassische Metal-Songs aus der Hochphase der Band, die hier nochmal mit ganz vielen Gästen (Kreator bis Doro) neu aufgenommen wurden. Ich habe derzeit zwei CDs in meinem Auto, die ich abwechselnd höre. Diese ist eine davon. (Die andere ist auf Platz eins gelandet.)
1. Tocotronic – Golden Years
Ja, ich gebe es zu. Ich wollte diese Liste nur machen, um dieses Album aufzuführen. Und Anfang des Jahres kannte ich noch nicht einen Track davon. Aber nach dem für mich etwas schwierigeren Vorgängeralbum, hat mich „Golden Years“ vom ersten Hören (Showcase in Berlin) einfach absolut abgeholt und begeistert. Witzig, dass hier der Name des ersten Labels „L’age d’or“ eine neue Bedeutung bekommen hat. Ansonsten bin ich natürlich befangen. Tocotronic ist meine Lieblingsband seit Jahren. 78 Konzerte habe ich gesehen und mein Konzertjahr 2026 fängt erst mit ihrem Ex-Roadie (Thees Uhlmann) an, bevor ich sie in Osnabrück sehe. Das Album hat von „Der Seher“ bis „Bye, Bye Berlin“ Songs die auch Tocotronic-ungeübte Ohren überzeugen können, und wecken aber auch Toco-satte Geister. Meine Anspieltipps wären „Niedrig“ und der Titeltrack. Sie gehören zu den wenigen Bands, die von Album zu Album anders, besser und relevanter werden. Hab schon geluschert. Selbst Claas hört sie auch immer noch. Und auf ihren Bremen-Konzerten tummeln sich immer so einige Musiker der hiesigen Szene…
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