Der Samstag beim Deichbrand Festival: Emotionales Heimspiel und internationale Gitarrenmusik

Große Premieren, vertraute Gesichter und intensive Konzerte machen den Samstag zu einem der vielseitigsten Festivaltage.

Foto: Marcel Kloth

Cuxhaven/Nordholz. Der Samstag beim Deichbrand Festival zeigt sich als Tag der Kontraste. Nach der sommerlichen Hitze vom Vortag kühlt das Wetter spürbar ab, kühler Wind weht über das Festivalgelände. Musikalisch reicht die Bandbreite von Party-Acts am Mittag über emotionale Heimspiele bis hin zu internationalem Punkrock. Die beiden Hauptbühnen Fire Stage und Water Stage wechseln sich wie gewohnt ab, gleichzeitig werden New Port und ElecTrees bespielt. Die Mittagsstunden stehen zunächst ganz im Zeichen von Party und Schlager. Alexander Marcus lädt im heutigen „Frühsport Spezial“ zum Mitmachen ein, während Mia Julia die Partystimmung später weiter anheizt.

Für Raum27 ist ihr vierter Deichbrand-Auftritt ein besonderes Heimspiel. Tristan und Mathis sind in der Region um Bremerhaven aufgewachsen, waren einst selber als Besucher auf dem Deichbrand und spielten dort auf dem Campingplatz, bevor sie sich über Hafenbar und Palastzelt bis auf die Hauptbühne hochgearbeitet haben. Entsprechend emotional fällt der Auftritt aus. Mit einer vierköpfigen Live-Band eröffnen sie mit „Warum tun die 20er so weh“ und „Frida“. Das gefühlvolle „Ich hab Angst“ schließen sie zu zweit auf der Bühnenkante sitzend ab, ebenso spielen sie das Intro von „Vermiss dich“ nur mit Gesang und Piano, bevor die Band wieder dazukommt und der Song richtig ausbricht. Das neue Stück „Cherie“ feiert seine Live-Premiere und deutet kommende Veröffentlichungen an. Raum27 verbinden persönliche Offenheit mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffen damit eine besonders nahbare und authentische Festivalstunde.

Auf der New Port liefern Welshly Arms internationale Rockmusik mit viel Soul. Die sechsköpfige Band überzeugt mit kraftvollen Vocals, treibenden Gitarren und zwei Backgroundsänger*innen, die sogar verheiratet sind. Obwohl der Platz voller sein könnte, beweisen die US-Amerikaner mit ihrem handgemachten Sound und ihren bekannten Radiohits eindrucksvoll ihre Live-Qualitäten.

Nico Santos feiert anschließend seine Deichbrand-Premiere und tritt mit starker, sechsköpfiger Band auf. Der druckvolle Bass, ein zusätzlicher Percussionist und die aufwendige Produktion sorgen für einen mächtigen Livesound. Bereits beim zweiten Song „Rooftop“ springt der gebürtige Bremer in den Bühnengraben und sucht die Nähe zum Publikum. Für den neuen, ruhigen Song „Optimist“ wird eigens ein Klavier auf die Bühne geschoben, bevor mit Hits wie „Play With Fire“ inklusive Pyroeffekten wieder Tempo aufkommt. Was zunächst wie ein ungewöhnliches Booking wirkt, entpuppt sich als hitgeladene Stunde voller Energie, Präsenz und guter Laune.

Mit den Dropkick Murphys folgt einer der wenigen internationalen Rock-Acts des Festivals. Die Band aus Boston bringt ihren Mix aus Folk und Punk auf die Bühne und sorgt mit Banjo, Dudelsack und Gitarren für ausgelassene Stimmung. Das Gemeinschaftsgefühl steht im Mittelpunkt und zeigt, wie gut internationale Gitarrenmusik ins ansonsten überwiegend nationale Line-Up passt.

Nura verbindet Rap mit Haltung und Humor. Gleich zu Beginn kündigt sie an, dass es SXTN-Songs nur bei ausreichend Stimmung gebe – andernfalls spiele sie dreimal „Wuppertal“, den sie selber ihren „schlechtesten Song“ nennt. In ihren Texten spricht sie über Rassismus, Sexismus, mentale Gesundheit und Selbstermächtigung, ohne belehrend zu wirken. Den SXTN-Klassiker „Bongzimmer“ performt sie später gemeinsam mit Fan Tessa – die Stimmung scheint ihr also gepasst zu haben. Eine Stunde voller Punchlines und politischer Botschaften.

Während Zartmann auf der Water Stage als einer der gefragtesten Acts des Jahres riesige Menschenmengen anzieht, wartet auf der New Port das Kontrastprogramm. Annisokay liefern eine audiovisuell beeindruckende Show mit brachialer Energie. Die ostdeutsche Post-Hardcore- und Metalcore-Band verbindet wuchtige Breakdowns mit elektronischen Elementen und großen Refrains. Ein gewaltiges Bassfundament macht den Auftritt zu einem der intensivsten des Tages.

Den Abschluss auf der Fire Stage übernehmen Rise Against bei ihrer Deichbrand-Premiere. Gleichzeitig bildet das Konzert den Schlusspunkt ihrer Europa-Tour. Die Band aus Chicago präsentiert eine geradlinige, energiegeladene Punkrock-Show mit klarer Haltung. Bei „Satellite“ greift Sänger Tim McIlrath zum Megafon, „Hero Of War“ spielen er und Gitarrist Zach Blair zunächst nur zu zweit, bevor „Swing Life Away“ sogar komplett solo erklingt. Mit „Savior“ endet das Set kraftvoll, auch wenn die Band ihren Auftritt rund zehn Minuten früher als im Timetable vorgesehen beendet. Trotzdem spielen Rise Against mit ihrer Mischung aus gesellschaftskritischen Texten und mitreißenden Melodien ein starkes Headliner-Konzert an einem abwechslungsreichen Festivaltag.

 


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