Besondere Clubshow zum Start in die neue Ära

Bilderbuch präsentieren in ihrer Heimatstadt Wien im intimen Rahmen eine energische Vorschau auf das kommende Album und die neue Besetzung.

Foto: Marcel Kloth

Wien. Bilderbuch starten in eine neue Ära. Vier Jahre nach dem letzten Studioalbum „Gelb ist das Feld“ und zwei Jahre nach der EP „Softpower“ hat sich bei der österreichischen Band personell etwas verändert. Nach 17 gemeinsamen Jahren ist Gitarrist Michael Krammer ausgestiegen, an seine Stelle tritt die Musikerin und Multiinstrumentalistin Uche Yara. Wie gut die neue Formation bereits funktioniert, zeigten Bilderbuch am 11. September beim dritten und letzten ihrer außergewöhnlichen Clubkonzerte im Wiener Flex.

Schon im Februar hat die Band mit „Irgendwo“ den ersten neuen Song veröffentlicht. Mit „Push Reality“ folgte im Juni schließlich die Ankündigung des achten Studioalbums „∞+1“, das am 9. Oktober erscheinen wird. Bevor Bilderbuch dafür ihre ersten regulären Konzerte bekanntgeben, kehren sie nach längerer Konzertabstinenz zunächst im bewusst kleinen Rahmen auf die Bühne zurück. Im Juli, August und September lud die Band zu jeweils einer „öffentlichen Probe“ ins Flex am Wiener Donaukanal.

Für eine Gruppe, die in Österreich längst auf Stadthallen-Niveau spielt, Festival-Headliner ist und seit Jahren zu den erfolgreichsten Popexporten des Landes zählt, ist ein Auftritt vor wenigen Hundert Menschen etwas ganz Besonderes. Entsprechend groß ist natürlich der Andrang. Die Tickets kamen nicht in den regulären Verkauf, unter dem Motto „Come as you are, pay as you wish“ konnte man sich 48 Stunden vor dem Konzert über die Bandhomepage anmelden, 24 Stunden später folgte im Zufallsprinzip die Zu- oder Absage.

Beim letzten der drei Termine herrscht schon am frühen Abend reger Betrieb am Donaukanal. Der angrenzende Merchandise-Bereich und die Bar öffnen auch für jene, die kein Ticket ergattern konnten. Um 23 Uhr geht es schließlich eine Tür weiter los. Ohne Vorband oder Aufwärmprogramm betreten Bilderbuch die Bühne. Im dicht gedrängten, schwitzigen Flex braucht Sänger Maurice Ernst kaum zusätzliche Animation, um das Publikum vom ersten Moment an in Bewegung zu versetzen.

Als Auftakt wählt die Band mit „Unterwasser“ gleich eine bislang unveröffentlichte Nummer des kommenden Albums. In blauen Nebel gehüllt, macht die neue Besetzung damit sofort klar, dass dieser Abend weniger Rückschau als Vorschau sein soll. Von den zehn Songs auf „∞+1“ finden sechs ihren Weg ins Set, vier davon sind noch unveröffentlicht. Dazu spielt die Band alle vier Stücke der EP „Softpower“ sowie ältere Publikumslieblinge wie „Bungalow“, „Maschin“, „Gigolo“ und „Checkpoint“.

Anfang September sind Bilderbuch bereits für zwei Shows nach Asien gereist. Laut Maurice Ernst nähert sich die Zahl der gemeinsamen Konzerte mit Uche Yara mittlerweile langsam jener der zuvor absolvierten Proben an. Ganz neu im Bilderbuch-Kosmos ist Uche Yara ohnehin nicht. Bereits 2022 spielte sie selber bei einigen Konzerten der „Gelb ist das Feld“-Tour im Vorprogramm. Wenig später stand sie mit Bilderbuch zweimal im Wiener Ernst-Happel-Stadion auf der Bühne: einmal vor den Rolling Stones, einmal im Rahmen eines Solidaritätskonzertabends für die Ukraine. Künftig übernimmt sie nun eine zentrale Rolle an der Seite von Maurice Ernst, Peter Horazdovsky und Philipp Scheibl.

Im Flex wird schnell deutlich, dass die großen Fußstapfen ihres Vorgängers die neue Gitarristin nicht hemmen. Uche Yara fügt sich mit eigener Präsenz in die Band ein und wird immer wieder lautstark gefeiert. Bilderbuch lassen an diesem Abend ohnehin bevorzugt die Musik für sich sprechen. „Bungalow“ wird um eine lange instrumentale Passage erweitert, zur Mitte des Sets nimmt sich die Band sogar mehr als zehn Minuten für ein Instrumental. Besonders euphorisch reagiert das Publikum, als sich Uche Yara und Maurice Ernst ausgiebig an den Gitarren duellierten. Die Band präsentiert sich kompakt, eingespielt, hungrig und energetisch. Bilderbuch wirken nach der personellen Veränderung erstaunlich geschlossen. Vor der Bühne wird praktisch durchgehend getanzt, gehüpft und geschwitzt.

Bilderbuch zeigen, dass sie auch nach rund zwei Jahrzehnten Songs schreiben können, die ihre unverkennbare Handschrift tragen, schnell zugänglich sind und zugleich genug Eigenwilligkeit besitzen. „Push Reality“ nimmt dabei eine besondere Stellung ein und taucht in der Zugabe sogar erneut auf. Uche Yara wird vom Publikum so enthusiastisch aufgenommen, dass sie sich schnell zu einem neuen Publikumsliebling entwickeln dürfte. Bei diesem aktuellen Hype wäre es kaum überraschend, wenn Bilderbuch spätestens im Herbst ihre ersten regulären Konzerte der neuen Ära mit dem dann veröffentlichten Album „∞+1“ ankündigen.

„∞+1“ erschient am 9. Oktober und kann hier auf Vinyl vorbestellt werden!

 


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