Rob Sheffield – Heartbreak Is The National Anthem, Penguin Verlag 2025

Rob Sheffield, langjähriger Musikjournalist beim amerikanischen Rolling Stone und Autor mehrerer Bücher – unter anderem über David Bowie – widmet sich in seinem neuesten Werk einer der einflussreichsten Popfiguren unserer Zeit: Taylor Swift.

„Heartbreak Is The National Anthem“ ist keine klassische Biografie über den Popstar. Vielmehr versucht Sheffield aus der Perspektive eines Fans, das Phänomen Taylor Swift zu verstehen. Der Aufbau des Buches ist nicht chronologisch, sondern springt in Zeiten und Themen. Die einzelnen Kapitel stehen in der Regel für sich und weisen nur selten eine Verbindung auf. Die autobiografischen Eckdaten der Sängerin werden noch vor dem ersten Kapitel knapp abgehandelt – sie dürften der Öffentlichkeit mittlerweile wohlbekannt sein. In den letzten zehn Jahren führte schließlich kaum ein Weg an Taylor Swift vorbei. Statt einer Biografie hat der Autor mit „Heartbreak Is The National Anthem“ eine Liebeserklärung an Taylor Swifts Musik geschaffen. Ihr Werk steht im Mittelpunkt – nicht die Person Taylor Swift. Trotz persönlicher Anekdoten, die teilweise zu den stärksten Passagen des Buches zählen, verliert der Text nie die professionelle Distanz. Ein Ansatz, den bisher nur wenige gewählt haben – und der sich gerade deshalb von anderen Büchern abhebt.

Ein Schwerpunkt von „Heartbreak Is The National Anthem“ liegt auf dem Versuch, die Vorbilder von Taylor Swift herauszuarbeiten. Sheffield beginnt bei weiblichen Country-Stars der 1990er-Jahre, verfolgt Swifts musikalische Spuren über ihre Lieblingslieder – die sie im Laufe der Jahre gecovert oder in Interviews und Reden erwähnt hat – und landet immer wieder bei Stevie Nicks. Gleich an mehreren Stellen hebt er die Vorreiter- und Vorbildrolle der Fleetwood Mac-Sängerin hervor. Dabei geht es sowohl um das missglückte Duett bei der ersten Begegnung der beiden Künstlerinnen auf einer Award-Show, als auch um spätere Treffen und die gegenseitige Bewunderung. Sheffield findet stets die richtige Balance zwischen bekannten, prägenden Stationen von Swifts Karriere und einem Nerdtum, der Swifts Schaffen so interessant macht. So wird ein ganzes Kapitel dem unscheinbaren Wort „nice“ gewidmet, eines von Swifts Lieblingswörtern. Ein anderes Kapitel wiederum handelt von den versteckten Hinweisen in Songs, Booklets oder Musikvideos – den sogenannten „Easter Eggs“.

Weitere Kapitel widmen sich Swifts Alben – jedoch ohne sich in Rezensionen zu verlieren, wie es sicherlich der einfachere Weg für ein Buch über Swift gewesen wäre. Stattdessen analysiert Sheffield die Entstehungsgeschichten der Alben und der darauf enthaltenen Songs. Er versucht, die Inspiration dahinter zu verstehen und zu beschreiben. Neben den Alben greift der Autor zusätzlich einzelne Songs aus Swifts Werk heraus – und verzichtet in diesen Kapiteln bewusst auf journalistische Distanz. Vielmehr verwebt er persönliche Erlebnisse mit der Musik. So berichtet er etwa im Kapitel über das Lied „The Archer“ vom Tod seiner Mutter – und von einem Wochenende, an dem am Freitag die Beerdigung stattfand und er am Samstag zur Hochzeit eines befreundeten Paares eingeladen war. Diese sehr persönlichen Passagen hätte Sheffield gern weiter ausbauen dürfen. Denn gerade sie zeigen, welche Verbindungen Menschen zur Musik von Taylor Swift aufbauen können.

„Heartbreak Is The National Anthem“ kann durchaus als die erste musikalische Biografie von Taylor Swift gelten. Alle wichtigen Karrierepunkte von Taylor Swift finden in dem Buch Einzug, ohne jemals urteilend oder voyeuristisch zu werden. Vielmehr arbeitet Rob Sheffield heraus, welche musikalischen und textlichen Ergebnisse von einzelnen Ereignissen beeinflusst waren. Somit ist „Heartbreak Is The National Anthem“ sicherlich gleichermaßen für Fans von Taylor Swifts Musik interessant, als auch für Menschen, die die Faszination für den Popstar verstehen wollen.

 


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