Amenra – Die vertonte Verzweiflung

Die belgischen Post-Metaller von Amenra machten bei einer von nur drei deutschen Shows ihrer aktuellen Tour im Schlachthof Halt. Als Support hatten Sie den Künstler Youniss mit im Gepäck. Unsere Eindrücke des Abends!

Foto: Jörg Kröger

Bremen. Kalt, grau und regnerisch war es am vergangenen Montag, als wir uns auf den Weg zum Schlachthof machten. Die perfekte Szenerie für die belgischen Post-Metaller, welche sich an diesem Tag die erneute Ehre gaben, ihre packende Show in der Kesselhalle darzubieten. Als wir die gut gefüllte Location betraten, stand schon der Support-Act in den Startlöchern.

Mit Youniss gab es direkt zu Beginn ein Kontrastprogramm zum Main-Act. Der ebenfalls aus Belgien stammende Solokünstler feuerte, nur mit einer Gitarre und einem Sample Pad bewaffnet, eine wilde Mischung aus Hip-Hop, Noise und Electronic in die Menge. Sichtlich verwundert nahm das Publikum die eher an einen musikalisch unterlegten Poetry-Slam erinnernde Show auf. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase tauten die Anwesenden allerdings auf, sodass spätestens beim David Bowie-Cover von „The Man Who Sold The World“ Beifall herrschte. Nach knappen 30 Minuten war die eigenwillige Show vorbei und es ging an den Main-Act des Abends.

Nach einer schnellen Umbaupause standen nun Amenra auf der in dichten Nebel gehüllten Bühne, während das dronige Intro von „Boden“ durch den Schlachthof waberte. Als der Song nach knappen drei Minuten seine volle Kraft entfaltete, brachen alle Dämme. Sänger Colin brüllte sich durch die gewaltige Soundwand seiner Kollegen, während er zu Beginn kaum erkennbar mit Regenjacke und Kapuze, wie gewohnt mit dem Rücken zum Publikum stand. Auch gab es ein neues Gesicht in der Band zu vernehmen – nachdem Bassist Tim De Gieter Anfang des Jahres die Band verließ, schwang nun Amy Tung Barrysmith den Viersaiter. Wie vergangenes Mal, wurde die Band wieder von ausgefallenen Visuals begleitet, welche perfekt die Stimmung der jeweiligen Songs einfingen. Schöne Landschaften in ruhigen Passagen, abstrakte Formen oder verzerrte Personen zu brachialen Riffs. Allgemein verschmolz die Musik mit den Bildern, sodass man mit jedem Takt tiefer und tiefer in die Performance gezogen wurde. Auch wurden die Songs ohne Ansagen und Unterbrechungen dargeboten. Die Ausnahme sollte eine kurze Atempause vor dem Intro von „A Solitary Reign“ darstellen, das nach einer guten Stunde unter lautem Jubel angestimmt wurde. Dicht gedrängt standen die Anwesenden vor der Bühne und von den Rängen aus war mit anzusehen, wie jeder einzelne mit den Belgiern vibte. Dieses sehr immersive Ereignis sollte sich noch weitere 30 Minuten fortsetzen, bis das belgische Kollektiv schließlich wortlos nach dem Song „Diaken“ die Bühne verließ und damit die Show beendete. 

Jedem sei empfohlen, dieses schwer in Worte zu fassende Erlebnis einmal selbst zu erfahren und es ist zu hoffen, dass die Band sich wieder in unsere Region verirrt. Für uns ging es anschließend wieder raus in die kalte Nacht und auf die Heimreise.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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