„Eine Mischung aus Vertrautheit und neuer Energie“ – Young Rebel Set im Interview

Bevor die britische Indie-Folk-Band morgen im Tower Musikclub auftritt, haben sie uns einige Fragen zu ihrer Rückkehr, ihrer Zukunft und weiteren Themen beantwortet.

Foto: Matthew Henderson-Newbury

Bremen. Gleich zu Beginn des Jahres kündigte sich ein ganz besonderes und emotionales Konzert an. Mit einer überraschenden Videobotschaft meldeten sich Young Rebel Set Mitte Januar bei den Besuchern des Beach Motel van Cleef Festivals in St. Peter-Ording. Die Band, die 2019 auf tragische Weise ihren Sänger Matty Chipchase verlor, kommt im September 2025 für zwölf Konzerte zurück nach Deutschland, um das Ende ihrer Geschichte neu zu schreiben. HB-People.de präsentiert das Konzert am 17. September im Tower Musikclub.

Young Rebel Set waren ein, und dafür gibt es kein besseres Wort, Phänomen. Sieben Freunde Anfang 20 gründen in Stockton-on-Tees, im Nordosten Englands, eine Band und schreiben ihren ersten Song, der heißt „If I Was“ – wenige Jahre später zählt die Gang zu den heißesten UK-Bands, das Oasis-Management nimmt sich der Band an, gerade in Deutschland hat die Band, die hier über Grand Hotel van Cleef veröffentlicht, ihre größte Fanbase. Bis 2015 sind sie pausenlos auf Tour. Eine geplante Tour 2019 konnte durch den Tod von Matty Chipchase nicht mehr stattfinden. Die drei Gründungsmitglieder Andy und Chris Parmley sowie Luke Evans schreiben die Geschichte der Band nun fort – Andy Bensley, früher bereits als Aushilfe und FOH-Techniker mit der Band auf Tour, übernimmt die zweite Gitarre, am Keyboard steht Danny Allinson, der bereits mit der Band in ihrem zweiten Album „Crocodile“ arbeitete. Die Leadvocals übernimmt der Liverpooler Sänger Tom Blackwell. Mit „Anchorage“ haben Young Rebel Set Mitte Juli ihren ersten neuen Song seit 2013 herausgebracht, am 5. September folgte die „Sun“-EP. Gerade ist die Band das erste Mal seit zehn Jahren wieder auf Tour in Deutschland.

Ihr macht nach vielen Jahren wieder zusammen Musik – wie ist die Idee entstanden, wieder gemeinsam auf die Bühne zu gehen?

Lange Zeit konnten wir nicht einmal daran denken. Nachdem Matty verstorben war, schien es uns unmöglich, unsere Instrumente wieder in die Hand zu nehmen oder die Songs anzuhören. Das Blatt wendete sich erst, als die Idee von einem Gedenkkonzert anlässlich Mattys 40. Geburtstag im September 2024 aufkam. An diesem Abend mit seinen Freunden und seiner Familie zu spielen, war unglaublich emotional. Es erinnerte uns an die Kraft der Songs und daran, wie viel sie uns noch immer bedeuten. Dieser Abend war der Keim, aus dem die Idee, wieder gemeinsam auf die Bühne zu gehen, zu wachsen begann.

Wie eng war euer Kontakt während der letzten sechs Jahre?

Andy, Chris und ich sind Brüder und standen uns schon immer sehr nahe. Wir haben dieselben Freunde, dieselben Interessen, und diese Nähe hat sich nie geändert. Musikalisch haben wir im Laufe der Jahre nur hier und da ein bisschen rumprobiert, nichts allzu Ernsthaftes. Meistens sind wir einfach wieder in unseren gewohnten Rhythmus zurückgefallen – z.B. Fußball schauen und Konzerte besuchen.

Was war der Auslöser zu sagen, wir veröffentlichen eine neue EP und gehen wieder auf Tour?

Die Gedenkfeier war ein Wendepunkt – nicht nur für uns als Bandmitglieder, sondern auch für das gesamte Team, das uns vor all den Jahren begleitet hatte. Innerhalb weniger Wochen erhielten wir ein Tourangebot vom Grand Hotel van Cleef und einen Vorschlag für einige Konzerte in unserer Heimatstadt. Nachdem wir dem zugestimmt hatten, beschlossen wir schnell, dass wir, wenn wir wieder eine Band sein wollten, alles geben würden – Konzerte spielen, Songs schreiben und neue Musik aufnehmen. Im März ergab sich die Gelegenheit, in den Abbey Road Studios aufzunehmen, und das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Als wir unser früheres Material durchgingen, stellten wir fest, dass es zwei oder drei Songs gab, die wir wieder zum Leben erwecken wollten. So entstand die neue „Sun“-EP.

Wie ist es für euch und Tom, gemeinsam als Young Rebel Set auf der Bühne zu stehen. Seine Rolle birgt ja eine extrem hohe Verantwortung.

Tom ist großartig – wir schätzen uns sehr glücklich, ihn an Bord zu haben. Es ist eine große Verantwortung, aber niemand ist besser dafür geeignet als er. Er war ein enger Freund von Matty, was die Sache noch besonderer macht. Tom ist einzigartig und als begabter Künstler füllt er die Rolle ganz eigen aus. Das verleiht diesem nächsten Kapitel eine ganz andere Atmosphäre – wir spielen nicht mehr jeden Song genauso wie zuvor. Stattdessen hat Tom dem Set eine neue Note und neue Energie verliehen, was der Musik und uns neues Leben eingehaucht hat.

Hattet ihr kurz die Sorge, es könnte den Fans möglicherweise nicht gefallen und wie seid ihr damit umgegangen?

Nein, wir machen uns keine Sorgen – wenn wir Zweifel an uns selbst oder an der Musik hätten, würden wir es einfach nicht tun. Seit Jahren werden wir gebeten, Konzerte zu geben, aber bis jetzt war der Zeitpunkt nie der richtige. Das scheint uns derzeit der beste Weg für die Band zu sein. Wir wissen, dass wir es nicht allen recht machen können, und das ist auch nicht unser Anliegen. Wir hoffen, dass diejenigen, die uns in diesem nächsten Kapitel unterstützen, „Teil zwei von Young Rebel Set” genießen und schätzen werden.

Die Skizzen der vier neuen Songs sind noch aus eurer aktiven Zeit in den 2010ern. Warum habt ihr euch für diese vier Stücke entschieden?

Wir hatten einige Songs, die wir damals als unvollendet empfanden, aber jetzt wirken sie ganz anders auf uns. Als wir Songs wie „Anchorage” mit neuen Ohren hörten, stellten wir fest, dass sie die richtige Mischung aus Vertrautheit und neuer Energie hatten. Diese Sammlung von Songs auf der „Sun“-EP schlägt eine Brücke zwischen dem, was wir damals waren, und dem, was wir heute sind.

Eure Musik veröffentlicht ihr über das Grand Hotel van Cleef – wie ist diese Zusammenarbeit einst entstanden und wie war der Kontakt über die letzten Jahre?

Grand Hotel van Cleef war für uns immer mehr als nur ein Label – es war wie eine Familie. Selbst in den Jahren, in denen wir keine neue Musik veröffentlichten, blieb die Verbindung bestehen. Als die Idee einer Rückkehr konkret wurde, war es daher nur natürlich, wieder mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wenn ich an die Anfänge zurückdenke, kam Thees tatsächlich nach Großbritannien, um uns unter Vertrag zu nehmen – und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Wir hatten eine unglaubliche Zeit mit GHvC in den 2010er-Jahren: Wir tourten mit ihren Künstlern, spielten auf Festivals und schlossen Freundschaften, die wirklich ein Leben lang halten.

Eure Tour führt euch ab 15. September nach Deutschland, wo ihr immer viele Fans hattet. Was ist das Besondere hier?

Deutschland war für uns schon immer wie eine zweite Heimat. Das Publikum ist leidenschaftlich, treu und hat eine tiefe Verbindung zur Musik. Wir haben uns immer willkommen gefühlt – Young Rebel Set liebt Deutschland wirklich.

Wie geht es mit Young Rebel Set nach der Tour weiter?

Im Moment konzentrieren wir uns darauf, den Fans in den kommenden Wochen die bestmöglichen Shows zu bieten. Danach werden wir uns wieder dem Schreiben und Proben widmen, aber wir setzen uns selbst nicht unter Druck, was Deadlines angeht – es gibt zwar schon einen groben Plan für ein drittes Album und weitere Tourneen, aber das wird alles zu gegebener Zeit bekannt gegeben.

Am 17. September treten Young Rebel Set in Bremen im Tower Musikclub auf. Tickets für das Konzert gibt es noch im Vorverkauf!

 


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