Wiener Grunge
Leftovers haben letzte Woche mit Support von Jeanny im Kulturzentrum Lagerhaus gespielt.

Bremen. Hatten Revolverheld etwa recht? „Der Grunge kommt sicher mal wieder und Oasis sind nicht tot“, sang die Pop-Rock-Gruppe 2013 im Song „Bands deiner Jugend“. Oasis sind bekanntlich zurück… und der Grunge auch! Fernab von Radio und Mainstream ist das junge Wiener Quartett Leftovers mit Punk, Grunge und düsteren, emotionalen Texten auf dem Weg, die Lebensrealität einer ganzen jungen Szene abzubilden.
Als Support darf zunächst die ebenfalls aus Wien stammende Band Jeanny ran. Die fünfköpfige Gruppe mit dem pophistorisch bedeutungsschwangeren Namen operiert zwischen Indie, Post-Punk und Post-Hardcore. Neben dem Sänger verleihen gleich drei zweite Stimmen den Songs einen besonderen Variantenreichtum und eine Trompete setzt Akzente an den passenden Stellen. Die Songs ihres Debütalbums handeln oft von Therapie und Aufarbeitung, es sind harte Themen rund um Krankheit, Tod und Alkoholismus zu finden. Düstere, nachdenkliche Inhalte und eine radikale Ehrlichkeit. Die persönlichen Texte und der kompromisslose, schonungslose Sound, das rifflastige Gitarrenspiel und der kontrollierte Ausbruch lassen durchaus Parallelen zu den Leftovers zu.
Leftovers aus der österreichischen Hauptstadt sind ebenfalls das erste Mal in Bremen und schaffen es auf Anhieb, das Lagerhaus sehr gut zu füllen. Es ist Freitagabend und ein sofort erkennbar, überwiegend junges Szene-Publikum hat sich auf den Weg ins Kulturzentrum gemacht. Die junge Rock- und Punkszene ist hier versammelt und feiert zu den lauten Gitarren und ehrlichen Texten der authentischen Punkband aus Wien. Unter Gleichgesinnten fühlt man sich eben doch ganz anders wahrgenommen und verstanden.
Die vier Wiener:innen von Leftovers mischen seit einigen Jahren die österreichische Musikszene auf. Leonid (Gesang), Anna (Bass), Alexander (Gitarre) und Leon (Schlagzeug) zeigen, dass Punk längst nicht tot ist. Aus der lokalen Underground-Szene über Ländergrenzen hinweg – mit bereits drei Studioalben in deutscher Sprache innerhalb von drei Jahren, legt das Quartett einen beeindruckenden Output vor. Aus Songs dieser drei Alben setzt sich auch die Setliste zusammen, wobei die aktuelle LP „Es kann sein, dass alles endet“ klar den Schwerpunkt bildet. Das Grauzone-Cover „Marmelade und Himbeereis“ darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Drei Songs des aktuellen Albums sind in Berlin mit Sven Regener entstanden, so auch das kurze, prägnante „Berlin/Berlin“. Obwohl sie größtenteils die Generation Z ansprechen, ziehen Leftovers ihre Inspiration durchaus auch von älteren Größen wie Element Of Crime. Die vier haben es damit geschafft, ihren eigenen unverkennbaren Stil zu entwickeln. Das eingangs kurz als Teaser angespielte „Mensch am Mond“ bildet als zweite und letzte Zugabe in der regulären Version den Schlusspunkt eines starken ersten Konzerts in Bremen.
Mehr Beiträge aus" Musik" zur Startseite



