Still Talk – Year Of The Cat, Hithome 2025
Die Kölner Band Still Talk legt nach dem gefeierten Debüt „St. Banger“ das Nachfolgealbum „Year Of The Cat“ vor.

Mit Albumtitel-Referenzen haben es Still Talk. Beim letzten Album „St. Banger“ erinnerte der Titel natürlich an Metallica. Nun steht mit „Year Of The Cat“ der Nachfolger bereit und könnte sich in die Tierkreis-Reihe von Fucked Up einreihen. Und auch das Albumartwork erinnert etwas daran. Das Jahr der Katze gibt es tatsächlich – allerdings nur in Vietnam. (In China ist es das Jahr des Hasen.) Auf eine unerklärliche Weise passen die Titel perfekt zur Musik von Still Talk.
Irgendwann in den letzten Jahren hat Pop-Punk scheinbar seinen Schrecken verloren und wurde als Genre plötzlich ernst genommen. Das war nicht immer so. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde das Genre Pop-Punk eher belächelt. Vielleicht nennen Still Talk ihren Stil deswegen Emo-Pop. Und auch das passt wunderbar zur Musik der Kölner Gruppe rund um Sängerin Tanja Kührer.
Wie auch immer die Musik genannt werden soll: Still Talk heben das Genre-Niveau auf die nächsthöhere Stufe. Hier wird sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufgehalten und es werden auch keine halben Sachen gemacht. Jede Sekunde der 36-minütigen Spielzeit war genau so erdacht und ist genau so richtig. Entstanden ist „Year Of The Cat“ im selbstgebauten Studio der Band in Köln. Wieder mit an Bord: Produzent Domze Ehrl, mit dem sie bereits ihr Debüt realisierten.
Thematisch ist „Year Of The Cat“ breit aufgestellt: Der Titeltrack behandelt das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern – in der Gesellschaft wie in der Musikbranche. Der Song wechselt zwischen Perspektiven und lässt im Refrain und in der Bridge die Stimmen derjenigen zu Wort kommen, die ihre Privilegien skrupellos ausnutzen. In „Ghost“ geht es um das Absetzen der Pille und darum, was das mit Tanja (und Frauen allgemein) gemacht hat bzw. machen kann. Es gibt Lieder über emotionale Ausnahmesituationen und Familienauseinandersetzungen – wie es sich für eine Emoplatte gehört stets sehr persönlich und nachfühlbar.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die Musik von Still Talk nicht mögen kann. Das mag vielleicht für manche im ersten Moment nach anbiedernder Musik klingen. Ist es aber nicht. Im Gegenteil: Trotz ihrer Eingängigkeit, trotz der ganzen Hooks, trotz der sehr guten Stimme von Tanja (die wirklich singen kann – was vor allem bedeutet, in den richtigen Momenten ein Wegbrechen oder eine Unebenheit im Song zuzulassen, statt alles glattzubügeln), setzen Still Talk sich absichtlich zwischen alle Stühle und lassen sich so eben nicht einem Genre zuordnen. Sie hätten es sich leichter machen können. Aber dann wäre es wirklich beliebig. Mut wird belohnt. Denn „Year Of The Cat“ ist ein tolles Album!
Und am Ende gibt es auch noch eine Erklärung für den Albumtitel: Für Tanja steht „Year Of The Cat“ für „Veränderung, das Aufarbeiten alter, verborgener Themen und die großen Fragen: Was will ich von diesem Leben? Was macht mich glücklich? Was erfüllt mich? Wie finde ich meinen Platz in dieser Welt?“
Wäre das auch geklärt. „Year Of The Cat“ ist heute erschienen und auf allen gängigen Plattformen verfügbar. Prädikat: Unbedingt auschecken!
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