Schwitzige Clubshow mit großen Emotionen
Provinz haben auf ihrer Clubtour am Mittwoch ein besonderes Konzert im ausverkauften Modernes gespielt.

Bremen. Es war der bislang heißeste Tag des Jahres, als Provinz am vergangenen Mittwoch im Rahmen ihrer exklusiven „Pazifik“-Clubtour das ausverkaufte Modernes in Bremen bespielten. Benannt nach ihrem dritten Studioalbum und bereits vor gut zehn Monaten angekündigt, war die Tour innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft. Nur neun Shows an kleinen, ausgewählten Orten – ein Kontrastprogramm zu den riesigen Open-Air-Konzerten (u.a. Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg und Parkbühne Wuhlheide in Berlin), die Provinz in den nächsten Wochen bevorstehen. Dass die Band sich davor noch einmal in intime Clubs zurückzieht, ist ein Geschenk an ihre Fans – und eine Verneigung vor den Anfängen.
Denn im Modernes sind Provinz keine Unbekannten: 2019 standen sie hier bereits als Support-Act von Fil Bo Riva auf der Bühne, 2021 dann zum ersten Mal als Hauptact. Seitdem ist viel passiert. Provinz haben sich zu einer der relevantesten deutschsprachigen Bands ihrer Generation entwickelt. Letzten Sommer traten sie sogar als einer der Headliner beim Deichbrand Festival auf – nun feiern sie mit dieser Tour ihre Rückkehr zu den Wurzeln.
Schon vor Konzertbeginn ist die Luft im Club stickig, die Hitze drückend. Das Dach bleibt geschlossen – draußen tobt inzwischen ein Sommergewitter. Pünktlich um 20 Uhr betreten Provinz die Bühne. Ohne Vorband, aber mit einem cineastischen Intro: „Nightcall“ von Kavinsky wummert durch den Saal, bevor mit „Kein Tag ohne dich“ der Opener des neuen Albums den Abend eröffnet. Nahtlos geht es weiter mit „Großstadt“, dessen Titelzeile „Ich will nicht in die Großstadt“ inzwischen eine neue Farbe bekommen hat, wenn man weiß, dass die Band 2023 aus dem schwäbischen Vogt gemeinsam nach Hamburg gezogen ist. Anders als im Song befürchtet, scheinen sie sich glücklicherweise aber längst noch nicht verloren zu haben.
Sänger Vincent sitzt wenige Minuten später auf der Bühnenkante – überwältigt vom lauten Chor bei „Reicht dir das“. Die Energie im Raum ist von Anfang an spürbar. Bei „Tanz für mich“ springt die erste Reihe geschlossen, „Unsere Bank“ wird zum Fanliebling, bei dem Keyboarder Robin den gesanglichen Part von Danger Dan übernimmt. „Zimmer“ erhält eine gesangsintensive Extrarunde, und bei „Indigo“ wird es melancholisch. Der Song blickt mit leiser Wehmut auf das Ende der Jugend zurück – ein Thema, das Provinz wie kaum eine andere Band authentisch verarbeitet.
Die vier Musiker – Vincent, Robin, Moritz (alle drei Cousins) und Leon am Schlagzeug – verstehen es, Emotionen greifbar zu machen. Ihre Songs handeln von Liebe und Einsamkeit, von Zukunftsangst und zarter Hoffnung. Damit fangen sie das Lebensgefühl einer Generation ein, die zwischen Provinz und Großstadt, zwischen Selbstfindung und Unsicherheit pendelt. Und manchmal werden sie auch politisch: „Draußen ist Krieg“ ist ein Statement für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt – ein temporeicher Song, umso deutlicher in seiner Botschaft.
Nach etwa einer Stunde verlässt die Band kurz die Bühne, der zweite Teil des Konzerts beginnt ganz ruhig. Ein Keyboard wird in die Mitte der Bühne getragen, Vincent nimmt Platz, die anderen drei gruppieren sich um ein Mikrofon – „1000 Nächte“ erklingt fast kammermusikalisch. Es folgen „Zorn & Liebe“ als eindringliche Klavierballade und schließlich „Alaska“, bei dem Robin erstmals ganz allein im Rampenlicht steht.
Mit „Wenn die Party vorbei ist“ kehren Provinz zum treibenden Indie-Sound zurück. „Was uns high macht“ und der Mitsing-Hit „Walzer“ sorgen für kollektives Singen und Tanzen – trotz schweißnasser Luft. Gerade weil es sich um eine Clubshow handelt, ist das Publikum besonders engagiert: Hier stehen eingefleischte Fans, die jede Zeile kennen. Provinz haben nicht „den einen Hit“ geschrieben, auf den alle am Ende warten – und gerade das macht sie so interessant. Ihre Stärke liegt im Gesamtwerk, in der emotionalen Bandbreite und im ehrlichen Sound.
Zum letzten regulären Song „Spring“ springt dann auch das gesamte Modernes – ein kraftvoller Abschluss, bevor die Band sich ein letztes Mal verabschiedet. Als einzige Zugabe folgt – etwas überraschend – ein zweites Mal „Tanz für mich“. Was bleibt, ist das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben: Ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern auch emotional berührte. Provinz haben bewiesen, dass sie sowohl die großen Festivalbühnen als auch die schwitzige Clubintimität meistern.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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