Laut, politisch, relevant
26 Jahre nach ihrem letzten Konzert in der Stadt, haben Skunk Anansie am Dienstag mit ihrem neuen Album im Pier2 gespielt.

Bremen. 26 Jahre mussten die Fans in Bremen auf diesen Moment warten: Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 standen Skunk Anansie wieder in der Hansestadt auf der Bühne. Im Rahmen ihrer aktuellen Tournee machte die britische Band für eines von lediglich vier Deutschland-Konzerten im Pier2 Halt. Der Oberrang der Halle blieb zwar geschlossen, die Stehplätze im Unterrang waren jedoch bestens gefüllt.
Den Auftakt des Abends übernimmt die Berliner Riot-Punk-Band Lady Lazarus. Die vier Musiker*innen positionieren sich zunächst in einem Halbkreis vor dem Schlagzeug, bevor ein lauter Schrei den Startschuss für ein energiegeladenes Set gibt. Die Choreografie rund um das Drumkit zieht sich als wiederkehrendes Element durch den gesamten Auftritt. Schon im ersten Song werfen sich die Bandmitglieder*innen auf den Boden und machen unmissverständlich klar, wohin die Reise geht: kompromisslos nach vorne. Obwohl die Band mit ihrer rohen Punk-Energie viel Einsatz zeigt, bleiben die Reaktionen im Publikum zunächst eher verhalten. Mehr als vereinzelte Kopfnicker sind selten zu sehen. Dabei präsentieren sich Lady Lazarus als kraftvolle Liveband mit viel Potenzial. Ihr in zwei Wochen erscheinendes Debütalbum dürfte dennoch bei einigen Konzertbesucher*innen auf der Merkliste landen.
Skunk Anansie eröffnen ihren Auftritt nach der Umbaupause furios mit „This Means War“. Unterstützt von einer starken Lichtshow mit halbkreisförmig angeordneten Scheinwerfern und markanten stachelartigen Bühnenelementen um sowie hinter der Band entsteht sofort eine beeindruckende Atmosphäre. Von der ersten Minute an zeigt sich, warum sich Skunk Anansie über Jahrzehnte hinweg einen so starken Ruf aufgebaut haben. Sängerin Skin dominiert die Bühne mit ihrem gewaltigen Stimmorgan und einer Performance, die keine Sekunde Stillstand kennt. Während die gesamte Band nahezu permanent in Bewegung ist, wirbelt Skin von einer Bühnenseite zur anderen, sucht immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum und vermittelt das Gefühl, jede einzelne Person im Raum persönlich anzusprechen.
Musikalisch setzt die Band auf eine Mischung aus heftigen Rockbrettern, Klassikern und neueren Songs. Das 2025 erschienene Album „The Painful Truth“, das erste Studioalbum der Band seit acht Jahren, steht dabei keineswegs dominant im Vordergrund. Stattdessen fügen sich die neuen Stücke ausgewogen in die Setliste ein. Bemerkenswert ist, wie schnell die Band die anfangs so zurückhaltende Menge für sich gewinnt. Wo beim Support noch überwiegend genickt wurde, wird nun getanzt, gesprungen und lautstark mitgeklatscht. Die pure Live-Energie, die Skunk Anansie auch nach über drei Jahrzehnten Bandgeschichte ausstrahlen, ist greifbar.
Doch Skunk Anansie sind schon immer mehr als reine Unterhaltung, ihre Verbindung aus Rock, Punk und politischen Botschaften ist heute aktueller denn je. Entsprechend deutlich fallen auch die Statements des Abends aus. Vor dem Song „Shame“ spricht Skin beispielsweise über Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder anderer persönlicher Merkmale von ihren Familien verstoßen werden. Die Botschaft des Zusammenhalts zieht sich klar durch den Abend. Auch das erschreckend aktuelle „Yes It’s Fucking Political“ stellt einen Meilenstein im Set dar.
Für die emotionalsten Momente sorgt jedoch die Nähe zum Publikum. Bei „Weak“ holt Skin einen Fan aus der ersten Reihe auf der Bühne, die gesanglich sofort überzeugt und komplett abliefert. Wenig später verlässt Skin die Bühne, läuft mitten durch die Menge und bleibt während eines kompletten Songs im Publikum. Anschließend klettert sie auf den FOH und lässt sich per Crowdsurfing zurück zur Bühne tragen.
Bei „Hedonism“ übernimmt das Publikum in der Zugabe die erste Hook nahezu alleine und verwandelt das Pier2 in einen großen Chor. Zum Abschluss stellt Skin ihre Bandmitglieder zu den Riffs von „Highway To Hell“ vor, steigt selbst gesanglich ein und sorgt für einen letzten großen Mitsingmoment. „Lost And Found“ vom neuen Album markiert schließlich den Schlusspunkt des Abends.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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