Kissenschlacht im Kulturzentrum

Zwischen Herz und Chaos: Olli Schulz & Band begeistern mit Musik, Geschichten - und einer Kissenschlacht.

Foto: Jörg Kröger

Bremen. Wenn Olli Schulz zum Konzert lädt, dann gibt es nie nur Musik. Es gibt Geschichten, Spontanität, Gags, Rührendes – und manchmal sogar eine Kissenschlacht. Vergangenen Mittwoch kehrte der Hamburger Musiker und Entertainer im Rahmen einer kurzen Clubtour in den Bremer Schlachthof zurück. Vier intime Konzerte zwischen Festivalauftritten – unter anderem eine Woche später bei Rock am Ring – sollten es sein, und das in möglichst kleinen Clubs. In Bremen war das Konzert innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Kein Wunder, Schulz ist hier gerne, hat den Schlachthof spürbar ins Herz geschlossen. Viel zu selten sei er in der Gegend, bemerkt er auf der Bühne. Dabei hat sein Booker Philipp Styra, der ihn seit 20 Jahren begleitet, hier sogar das Licht der Welt erblickt.

Den Auftakt des Abends macht Morea. Die junge Singer-Songwriterin, die bereits im vergangenen Winter einige Shows von Schulz begleitet hatte, steht mit Gitarre und weicher Stimme auf der Bühne. Anfangs sei sie noch sehr aufgeregt, berichtet sie – so sehr, dass sie ihr Mikro nicht selbst auf die passende Höhe einstellt. Ihr Vater, der ihr später noch Gesellschaft auf der Bühne leisten wird, hilft aus. Stimmlich ist von Nervosität jedoch nichts zu spüren: Morea singt gefühlvoll, mit klarer Intonation und melancholischer Tiefe. Schon beim dritten Song löst sie das Rätsel mit ihrem Vater auf: Heute ist ohne Band unterwegs, dafür begleitet ihr Vater sie bei mehreren Stücken auf der Akustikgitarre – so, wie sie es schon seit ihrem vierten Lebensjahr gemeinsam tun. Ein eingespieltes Duo, das mit Loop-Station und Backing Tracks kreativ arbeitet und dem Publikum einen warmen, persönlichen Einstieg in den Abend bietet.

Nach einer kurzen Umbaupause fällt der Blick auf eine skurril-bunte Szenerie auf dem Banner: eine überdimensionale Zirkuskanone, aus der ein Hund lugt, bunte Glühbirnenlichter ringsum – dann betritt Olli Schulz mit seiner vierköpfigen Band die Bühne. Er beginnt mit dem festen Vorsatz: „Heute geht’s mal nur um die Musik.“ Ein frommer Wunsch. Schon nach zwei Songs quasselt er sich mit gewohntem Tempo und Witz in seine erste Anekdote. Schulz ist ein Geschichtenerzähler. Einer, der zwischen zwei Liedern mehr über seine Vergangenheit und das Leben im Allgemeinen erzählt, als andere in einem ganzen Podcast.

Apropos Podcast: Auch sein langjähriger Podcast-Kompagnon Jan Böhmermann ist natürlich kurz Thema an diesem Abend – wie sollte es in Bremen auch anders sein. Überhaupt wimmelt es nur so vor Bremer Verbindungen: Max Schröder, musikalischer Bandpartner auf der Bühne, habe hier gelebt, erzählt Schulz, und natürlich kennt er einige Gesichter im Publikum noch u.a. vom letzten Gig im Pier2 im März 2024 und aus anderen Tourstädten.

Der Abend ist ein unterhaltsames Spektakel, das zwischen Chaos, Charme und Chanson schwankt. Olli Schulz ist musikalisch voll da, liefert mit seiner Band – an Schlagzeug, Bass, Klavier und Gitarre – ein leidenschaftliches, energiegeladenes Set ab, das Songs aus verschiedenen Schaffensphasen vereint: „Wenn es gut ist“, „Dann schlägt dein Herz“, „Einfach so“, „Hamse nich“ – sie alle treffen den Nerv des Publikums irgendwo zwischen Indie-Folk, Pop und dem ewigen Schulz’schen Selbstzweifel mit Augenzwinkern.

Einer der Höhepunkte ist der Song „Stadtfest in Bonn“, im Original mit Ina Müller aufgenommen. Für deren Part sucht Schulz eine Mitsängerin aus dem Publikum – und wird in Salia fündig, die die Aufgabe souverän meistert. Ebenso überraschend wie charmant ist ein kurzer Gastauftritt von Lampe, seinem Backliner, der nicht nur die Gitarren überreicht, sondern beim Song „Phase“ auch selbst kurz mitsingt – beim letzten Konzert im Pier2 hatte er noch im Vorprogramm gespielt. Für diesen Moment gibt’s Szenenapplaus.

Olli Schulz zeigt sich an diesem Abend als das, was er eben ist: ein chaotischer, aber liebenswerter Künstler, der mit Herz, Witz und Talent zwischen Konzert, Stand-Up und Live-Podcast navigiert. Er erzählt vom ersten Bremen-Konzert im Tower im Jahr 2002 – damals vor 56 zahlenden Gästen – und blickt auf bald 25 Jahre auf der Bühne zurück. Dass er sich seinen Spaß bewahrt hat, ist in jeder Sekunde spürbar. Und der überträgt sich auf den ganzen Schlachthof.

Die größte Überraschung kommt zum Schluss: Während der ersten Zugabe, einem augenzwinkernden Country-Stück, gipfelt das Konzert in einer riesigen Kissenschlacht – es passt jedenfalls perfekt zu diesem Abend, der zwischen tiefer Emotion und ausgelassener Albernheit pendelt. Nach rund 100 Minuten verabschiedet sich Olli Schulz mit einem Versprechen: Er komme nächstes Jahr auf Solotour wieder. Die Bremer:innen dürfen sich freuen – auf einen Künstler, der immer ein bisschen mehr als nur Musik liefert. Und der genau deshalb so sehr gefeiert wird.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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