Jule – Es ist nie zu spät für Frühstück, Zeitstrafe
„Es ist nie zu spät für Frühstück“ heißt das Debütalbum der Hamburger Künstlerin Jule

Eigentlich muss man diese Künstlerin live gesehen haben, um ihre Musik zu schätzen. Ihre Ausstrahlung, ihre Kraft, die Dichte und Eindringlichkeit geht dann besonders unter die Haut. Jetzt, wo ihr Debütalbum „Es ist nie zu spät für Frühstück“ draußen ist, kann es aber genauso gut heißen: Es funktioniert auch ohne Liveauftritt. Denn das Album kann was. Es sticht heraus. Wer trotzdem die Möglichkeit hat, Jule live zu sehen, der sollte das unbedingt tun.
Jule kommt aus Hamburg. Tauchte 2024 in der Musikszene auf und füllte den Platz zwischen Punk, Singer-Songwriter und Rap. Nach einigen Singles (zuletzt „An der Bar“, August 2025) und der Debüt-EP „Im Regio weinen“ (Sommer 2024), veröffentlicht die Mittzwanzigerin jetzt ihr erstes komplettes Album.
Darauf kämpft sie mit ihren Ängsten, ihrer Panik, ihrer Wut. Hinter all diesen Worten ist aber auch die Hoffnung, die Liebe und damit das Leben. Neben Müdigkeit, Alltag und Überforderung steht bei ihr immer auch die Hoffnung. Das Weitermachen. Oder wie heißt es im Pressetext: Es ist kein Optimismus-Album, eher eins für die Möglichkeit, um überhaupt wieder aufzustehen.
Hat Jule auf ihrer EP „Im Regio weinen“ noch die Gefühle und vor allem ihre Traurigkeit sortiert, darf jetzt die Wut raus. Das wirkt in einigen Songs befreiend. Raus, raus, raus mit dem Scheiß. Dann wird es punkig. Dann wird geschrien. Dann bricht auch mal die Stimme. Aber schief, rotzig und kraftvoll wechseln sich auch immer mit sanft, ruhig und harmonisch ab.
Symbolisch dafür könnte der Song „Anders gewollt“ stehen, der zart und ruhig beginnt, der Wutausbruch kommt ganz am Ende – stimmlich wie musikalisch.
Ruhig und zurückhaltend geht es bei „Irgendwas mit Wiederholung“ zu, ein Song, den Hannes Wittmer mit seiner Stimme bereichert: Jule und Hannes zusammen entwickeln eine sehr passende Harmonie. Ein weiteres Feature gibt es mit Tilman von Tigeryouth in dem Song „Wut“. Und das Stück knallt. Die Zeilen „Und ich will schreien, doch habe Angst vor Kontrollverlust. Und ich will weinen, doch es bleibt stecken in der Brust. Und ich will irgendwas kaputt hauen“ – rausgepresst, rausgeschrien von Jule und Tilman drücken sich eindringlich in die Gehörgänge. Ähnlich ist es dann auch bei „Meine Schuld / Deine Schuld“. Das ist nicht die ruhige Jule, das ist ein ganz anders Ding – Punkrock und zwar so richtig. Und das ist gut so.
„Es ist nie zu spät für frühstück“ erscheint am 12. Dezember 2025 als LP und digital bei Zeitstrafe.
Am 27. Dezember spielt Jule ihr Release-Konzert übrigens im Bremer Eisen (Infos hier).
Tracklist
01. anders gewollt
02. schwer
03. heute abend
04. irgendwas mit wiederholung / feat. Hannes Wittmer
05. meine schuld/deine schuld
06. du bleibst
07. unter meiner haut
08. an der bar
09. wut / feat. Tilman von Tigeryouth
10. zuhause
11. beruhig dich, du stirbst nicht
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