Internationales Rock-Flair
Mit Nothing But Thieves und The Snuts haben gleich zwei britische Nummer-Eins-Band eine von nur drei gemeinsamen Deutschland-Shows im ausverkauften Bremer Pier2 gespielt.

Bremen. Ganz im Zeichen internationaler Rockmusik stand am Mittwochabend das seit Wochen ausverkaufte Pier2. Die 2.800 Besucher*innen kamen in den seltenen Genuss, gleich zwei erfolgreiche Nummer-eins-Bands aus Großbritannien gemeinsam in Bremen zu erleben. Gekommen waren die Fans für die facettenreiche Rock-Performance von Nothing But Thieves, doch auch The Snuts wussten bei ihrem halbstündigen Support-Slot mit eingängigem Indie-Rock zu überzeugen.
Die vierköpfige Gruppe aus Schottland spielt in klassischer Besetzung mit lockerer Unbekümmertheit und post-jugendlichem Tatendrang leicht elektronisch angehauchte, tanzbare Gitarrenmusik. Sie witzeln über ihren schwer zu verstehenden Akzent – anstelle von Worten ist die Musik der einstigen Schülerband aber schnell greifbar, erfrischend und gut gelaunt. Dynamisch und hymnenartig spielen sie ein Set, in das man schnell hineinfindet, wenn man jungem und frischem Indie-Rock eine Chance gibt. Wir hatten die Band schon 2021 mit ihrer Debüt-LP „W.L.“ in unseren persönlichen Album-Jahrescharts in den Top Ten – umso schöner, dass einige Jahre später auch der Live-Eindruck so stimmig ist.
Nothing But Thieves eröffnen ihr Set mit dem Opener „Welcome To The DCC” ihres aktuellen Albums „Dead Club City”. Das Konzeptalbum mit seinen dystopischen Erzählungen beleuchtet die Schattenseiten der modernen Zivilisation – es geht u.a. um Konsum, Technologie und soziale Kälte. Im Pier2 dagegen verbreitet sich sofort ein Gemeinschaftsgefühl, als die fünfköpfige Band unter großem Jubel die Bühne betritt. Nicht nur Fans aus Bremen und dem Umland sind angereist – viel häufiger als sonst lassen sich vor allem englische Gesprächsfetzen aufschnappen. Da Nothing But Thieves in Großbritannien große Arenen füllen, wirkt das Konzert für die britischen Besucher*innen wie eine Clubshow.
Ein herausstechendes Merkmal der britischen Band ist der besondere Gesang von Frontmann Conor Mason. Seine einzigartige Stimme bedient mehrere Oktaven und musikalische Register – von Falsett-Pop bis hin zu röhrendem Rock. Damit schafft er ein Alleinstellungsmerkmal seiner Band und glänzt immer wieder mit beeindruckenden Momenten, besonders bei extrem hohen Tönen und der großen Bandbreite seines Organs. Die Kombination aus Stimme, vertrauten Indie-Sounds, glänzenden Synths, Rockklängen und elektronischen Einflüssen erinnert an Muse, ist in ihrer Ausprägung aber dennoch einzigartig.
Nothing But Thieves überzeugen ihre Fans mit großer Energie und Präsenz – von sanften, melancholischen Melodien bis hin zu kraftvollen, energiegeladenen Klängen. Auch das visuelle Spektakel bleibt in Erinnerung, denn stimmungsvolle Beleuchtung und eindrucksvolle Effekte verstärken die Intensität der Musik. In der Mitte ihres Sets bringt das britische Quintett eine ruhigere Phase mit Akustikgitarre und den Fan-Lieblingen „If I Get High“ und „Sorry“ ein, bevor eine instrumentale, plötzlich richtig wilde Rockshow umso kraftvoller wirkt. Als erste Zugabe spielen sie mit „Pop The Balloon“ den letzten Song des aktuellen Albums, bevor der größte Hit „Amsterdam“ und das poppige, rastlose und gleichzeitig fast rauschhaft nostalgische „Overcome” ein rundes und gerade zum Ende immer fesselnderes Konzert beenden.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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