Hypocrisy – „Mass Hallucination“-Tour 2026

Die Melodic-Death-Heroen von Hypocrisy sind derzeit auf großer Europatour, dabei haben sie auch einen Stop im Hamburger Grünspan eingelegt. Mit im Gepäck hatten sie neben Black-Metal-Kultfigur Abbath auch die Death-Metal-Veteranen von Vomitory.

Hypocrisy

Hamburg. Leider konnte ich, bedingt durch den sehr früh gewählten Starttermin des Abends, nicht dem Opener Vreid beiwohnen. Somit war für mich die erste Band des Abends Vomitory. Die Veteranen des schwedischen Death-Metal feuerten sofort aus allen Kanonen. Leider schien der Sound während der ersten Songs nicht mit der Gewalt der vier Schweden mithalten zu können. Eher drucklos und matschig wurden so Songs aus der Frühphase der Band auf den gut gefüllten Club losgelassen. Nach ein paar Songs pegelte sich die Sache aber ein und Vomitory konnten druckvoll durch ihr Set prügeln. Besonders stachen die Songs vom diesjährigen Album „In Death Throes“ heraus. Diese gingen weitaus straighter zur Sache und erinnerten mich zeitweise an die Frühwerke Amon Amarths. Leider waren die die vier Herren nach knappen 25 Minuten schon am Ende ihres Sets angelangt, sodass es nun für mich erstmal gut durchgeföhnt an die Bar ging.

Nachdem Vomitory musikalisch die Brücke zwischen Schweden und dem warmen Florida geschlagen haben, ging es eisig kalt weiter. Mit Abbath stand nun der legitime Nachfolger der Black-Metal-Urgesteine Immortal auf der Bühne. Ohne große Worte ging es sogleich gnadenlos mit „To War!“ los. Tremolo-Picking und durchgängige Doublebass-Tiraden herrschten nun im bis zum Rand gefüllten Club. Eine kurze Verschnaufpause gab es erst, als das norwegische Quartett den Immortal-Klassiker „Tyrants“ anstimmte. Hier ging natürlich jedem Black-Metal-Enthusiasten das Herz auf. Nach diesem kurzen Ausflug in groovige Gefilde wurde gleich wieder das Gaspedal bis ans Bodenblech gedrückt. Dies sollte auch so bleiben, bis das Set nach knapp 35 Minuten mit „Winterbane“ sein Ende nahm.

Nach einer rasant schnellen Umbaupause stand nun der heutige Headliner in den Startlöchern. Hypocrisy machten ab der ersten Sekunde keine Gefangenen und bolzten, in dichten Nebel gehüllt, sofort mit „They Will Arrive“ vom letzten Output „Worship“ los. Nachdem die Sicht frei war, konnte man die Truppe um Mastermind Peter Tägtgren, sowie die aufwändige Bühnenproduktion, bestehend aus zahlreichen LED-Screens, vollends genießen. Kraftvoll drückte der HM-2 angehauchte Sound der Schweden aus den Lautsprechern und wurde unentwegt mit einem fiesen Teppich aus Synth-Elementen unterlegt. Da diese Tour keinem spezifischen Album-Release folgt, gab es heute eine Best-Of-Setlist, gespickt mit Hits aus allen Schaffensperioden der Band, geboten. Spätestens beim Doppelpack aus „Inferior Devoties“ und „Chemical Whore“ brachen alle Dämme. Von der Empore des Grünspans aus war nur noch ein Meer aus fliegenden Haaren und in die Luft gestreckten Händen zu erkennen. Tägtgren lieferte eine stimmlich beeindruckende Performance ab. Jeder Growl sowie jeder Scream saßen auf den Punkt und unterstrichen perfekt die dichte Atmosphäre, die die Band durchgängig aufbaute. Die Mitte des Sets läutete dann das großartig performte „End Of Disclosure“ ein. Für mich war es vor allem beeindruckend zu sehen, mit welcher Spielfreude die vier Schweden agierten. Jeder Applaus, jedes Jubeln wurde mit Herzensfreude aufgenommen und mit vielfacher Kraft an die Anwesenden zurückgegeben. Mit dem ikonischen Bass-Intro von „Eraser“ wurde der Endspurt des Sets eingeläutet. Ab diesen Zeitpunkt war das Publikum nur noch als wabernde Masse wahrzunehmen, welche unentwegt nach mehr verlangte. Nach einer kurzen Pause stand die Band natürlich wieder auf der Bühne und prügelte gnadenlos mit „Fractured Millennium“ und „Warpath“ in ihre Zugabe. Was ein Ritt! Zum Abschluss durfte „Roswell 47“ natürlich nicht fehlen! Die Bühne wurde in fließenden Nebel gehüllt und die Screens ließen vermuten, ein Raumschiff wäre gerade in Hamburg gelandet. Ein grandioses Ende einer beeindruckenden Show.

 


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