Heaven Shall Burn – „Heimat“ im hohen Norden

Die deutsche Metalcore-Institution Heaven Shall Burn lud zu ihrem Gastspiel in die Hamburger Inselpark Arena. Mit dabei waren nicht nur wir, sondern auch The Black Dahlia Murder, The Halo Effect und Frozen Soul.

Heaven Shall Burn

Bremen. Nachdem ich wieder einmal im hanseatischen Verkehrschaos versunken war, betrat ich leider erst passend zum letzten Song von Frozen Soul die Inselpark Arena. Daher kann ich euch leider nichts über die Deathmetal-Walze aus Dallas/Texas berichten. Sehr schade, ich hätte mir die Newcomer aus den USA mit ihrem sumpfigen Deathmetal gerne länger angeschaut.

Kommen wir also nun zum ersten Highlight des Abends! The Black Dahlia Murder traten nach einer schnellen Umbaupause von nicht einmal 15 Minuten mit „What A Horrible Night To Have A Curse“ direkt durch den Tisch. Gewohnt souverän wurde der melodische Deathmetal der Detroiter in die schon gut gefüllte Arena geballert. Leider schmerzt, besonders bei alten Songs wie „A Vulgar Picture“, die Lücke die Trevor Strnad (RIP) hinterlassen hat, ohne dabei die stimmliche Leistung des aktuellen Sängers und ehemaligen Gitarristen Brain Eschbach in den Schatten stellen zu wollen. Auch machte nach Ausscheiden von Brandon Ellis Ende letzten Jahres, der neue Mann an der Gitarre eine gute Figur. Kein Wunder, Wes Hauch hielt unter anderen bei der Kultband „The Faceless“ die Axt und ist ein würdevoller Ersatz. Weiter ging der wilde Ritt der fünf Herren über Brecher wie „Aftermath“ und „Nightbringers“. Hier konnte man die ersten Bewegungen seitens des Publikums bewundern, zeitweise brach ein ganz ansehnlicher Pit aus. Leider hatten TBDM zwischenzeitlich mit extremen Soundproblemen zu kämpfen, welche das druckvolle Geballer in höhenlastiges Kreischen verwandelten – sehr schade! Aber da war die Zielgerade schon in Sicht. Highlight des letztes Abschnittes war auf jeden Fall „Everything Went Black“ vom Hitalbum „Nocturnal“. Nach 35 Minuten waren die Herren so schnell wieder von der Bühne, wie sie darauf erschienen sind.

Ebenso flott wie bei ihren Vorgängern, arbeitete die Crew von The Halo Effect. Das Intro der fünf Schweden dröhnte ebenfalls bereits 15 Minuten später durch die Halle. Die ehemaligen In Flames-Mitglieder legten fulminant mit dem Doppelpack „March Of The Unheard“ und „Feel What I Believe“ los. Die Bühne stilgerecht mit grünen LED-Skulpturen dekoriert und anfangs mit einem klasse Sound, konnten die fünf Herren ab der ersten Sekunde überzeugen. Ab dem dritten Song aber leider das gleiche Problem, wie bei ihren Vorgängern. Schade! Aber das sollte der grandiosen Show keine Steine in den Weg legen und es ging souverän mit den Hit „Detonate“ weiter, bei welchem die Anwesenden gekonnt von Sänger Mikael angeheizt wurden. Mit dem Livedebüt von „Our Channel To The Darkness“ wurde leider schon das Ende des Sets eingeläutet, das mit dem modernen Göteburg-Klassiker „Shadowminds“ seinen Abschluss fand.

Kommen wir nun zum unangefochtenen Platzhirschen des Abends. Heaven Shall Burn starteten episch mit „War Is The Father Of All“ von aktuellen Album „Heimat“ in ihr Set. Sofort wurde die Stimmung dichter, intensiver und die Temperatur in der Halle stieg um gefühlt 20°C. Wer die Thüringer schon einmal erleben durfte, weiß wovon ich spreche! Ohne Pause wurde direkt in das grandiose „Voice Of The Voiceless“ übergeleitet. Sekunden später flogen die ersten Crowdsurfer über die Absperrung. Unerbittlich und untermalt von einer beeindruckenden Lightshow prügelten die Fünf weiter. Nach dem Abriss zu „Counterweight“ wurde es kurz ruhig – aber die Ruhe war nur Anschein, denn mit „Awoken“ wurde das Intro zu „Endzeit“ abgefeuert. Ab nun gab es wirklich kein Halten mehr! Wall Of Death, Moshpits und Crowdsurfer soweit das Auge blicken konnte. Aber das Spektakel sollte kein Ende nehmen, denn plötzlich stand Britta Görtz von Hiraes mit auf der Bühne. Einigen sollte sie ein Begriff sein, da Britta im Sommer letzten Jahres für den verletzten Molle am Mikro eingesprungen ist. Leider musste zugunsten eines Sani-Einsatzes „Übermacht“ abgebrochen werden, aber zum darauf folgenden Edge Of Sanity-Cover „Black Tears“ wurde das Gaspedal wieder Richtung Bodenblech gedrückt und die Gastsängerin blieb ebenfalls zu diesen Song. Anschließend ging es in die Schlussgeraden, bis das Set mit „Thoughts And Prayers“ sein Ende nahm. Nach einer kurzen Verschnaufpause und unter massiven HSB-Rufen, wurde dann die Zugabe mit dem Oberbrecher „The Weapon They Fear“ eingeleitet. Sehr beeindruckend, dass die Anwesenden zu diesem Zeitpunkt noch so viel Energie aufbringen konnten. Nach dem obligatorischen Blind Guardian-Cover war dann wirklich Schluss und alle Anwesenden konnten sich nun in die laue Frühlingsnacht verabschieden.

 


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