Eine Ehrenrunde mit zwei Live-Premieren

Betterov ist am Donnerstag zum Auftakt seiner „Olympia Ehrenrunde“ im Bremer Modernes aufgetreten.

Foto: Malte Löhmann

Bremen. Bereits sein drittes Konzert in 1,5 Jahren hat Newcomer Betterov vergangene Woche in Bremen gespielt. Nachdem er im April 2022 die Pusdorf Studios und im Februar 2023 den Schlachthof ausverkaufte, war das Modernes nicht ganz bis auf den letzten Platz ausgebucht. Das mag vor allem daran liegen, dass nach EP und Debütalbum kein vollständig neues Werk des 29-jährigen erschienen ist. Im letzten Jahr landete das großartige Album „Olympia“ in den Herzen und Ohren vieler Menschen, vor wenigen Wochen erschien die „Ehrenrunde“ dazu mit drei neuen Songs, Klavier-Versionen und hochkarätigen Features.

Zum Auftakt seiner Live-Konzerte hat sich der gebürtige Thüringer das Modernes ausgesucht, wo er wie auf der gesamten ersten Tourhälfte das Duo Pano als Support dabei hat. Mit Gitarren und gelegentlichen Piano-Elementen spielen sie recht ruhigen, englischsprachigen Indie-Pop. Handgemachte, ehrliche Klänge, vorgetragen von einer warmen Stimme in einer melancholischen Stimmung. Leider gehen sie im großen Raum etwas unter und sind nicht leicht greifbar, wenn man sie zuvor nicht kennt. Ein paar neue Fans werden Pano aber sicher gewonnen haben.

Betterov startet mit dem älteren, wenig kraftvollen „Irrenanstalt“ überraschend ruhig in den Abend, diese Stimmung trägt sich auch beim folgenden, recht neuen Stück „Jil Sander Sun“ weiter. Es dauert einen Augenblick, bis der Abend in Fahrt kommt, die druckvolle Clubatmosphäre der Musik zwischen Indie-Rock und Post-Punk überträgt sich nur schleppend auf die größere Location. Rein subjektiv erscheinen die Songs nicht ideal abgemischt, sodass die volle Dynamik sich nicht durch den ganzen Laden erstreckt.

Nach einer guten halben Stunde setzt sich Manuel Bittorf, wie Betterov mit bürgerlichem Namen heißt, ans Klavier und trägt drei Stücke ganz alleine vor. Seine markante, raue und an manchen Stellen angenehm brüchige Stimme und die große emotionale Intensität seiner Songs kommen in diesem Rahmen viel besser zur Geltung. Die Stimmen der Besucher*innen sind klar zu hören und Betterov steht sichtlich ergriffen auf, applaudiert seinen Fans – dies seien genau die Momente, für die er auf der Bühne steht.

Das neue Stück „Chemtrails“ feiert seine Live-Premiere und baut sich immer weiter auf – während es noch am Piano beginnt, setzt im Laufe des Songs die ganze, insgesamt vierköpfige Band ein. Es wirkt, als hätte sich durch das gemeinschaftliche Gefühl des ruhigen Teils etwas gelöst, denn die Stimmung vor der Bühne ist anschließend eine ganz andere. Zu „Dynamit“ wird die Kondition getestet, auch „Angst“ kann hier fast jede*r mitsingen.

Die zweite Live-Premiere des Abends gibt es mit „Mein Leben ist monoton“ – im Original mit Provinz, kommt heute in der ersten Zugabe die Sängerin von Pano als Feature-Gast zurück auf die Bühne. Den bekanntesten Song „Dussmann“ bekommen die Fans nach vorangegangener Piano-Version noch in voller Band-Besetzung zu hören, bevor der Abend mit „Platz am Fenster“ nach gut 90 Minuten endet. Als Fazit lässt sich festhalten, dass Betterov mit seinen feinfühligen Beobachtungen und seinem bemerkenswerten Talent für Harmonien im Modernes ein durchaus erlebenswertes Konzert gespielt hat. Im Laufe des Abends hat sich der Auftritt immer weiter gesteigert, um im „Olympia“-Bild zu bleiben, war nur der Anlauf vor dem Absprung zu lang gewählt. Grundsätzlich sollten Betterov und seine Band vor der nächsten Tour die eigene Weiterentwicklung im Blick behalten, um in der unbeständigen Musikwelt weiterhin gefragt und relevant zu bleiben.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:


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