Ein Inklusionskonzept feiert Premiere – Das Rocken am Brocken Festival 2025

Am vergangenen Wochenende fand in Elend bei Sorge das Rocken am Brocken Festival mit Headlinern wie Kate Nash, Frank Turner und Madsen statt. Mit ihrem Inklusionskonzept sind die Festivalveranstalter*innen Vorreiter*innen in Deutschland.

Madsen beim Rocken am Brocken 2025 (Foto: Jörg Kröger)

Elend/Bremen. Unter dem langjährigen Motto „Natur. Musik. Freundschaft.“ fand auch in diesem Jahr wieder das Rocken am Brocken Festival in Elend bei Sorge in direkter Nachbarschaft zum Harzer Nationalpark statt.

Womit wir direkt beim Punkt „Natur“ wären. In Sachen Location und Festivalgelände zählt das Rocken am Brocken zum einen wegen seiner Lage, vor allem aber auch durch sein jedes Jahr aufs Neue wunderschön gestaltetes Festivalgelände zu den schönsten Musikfestivals, die Deutschland zu bieten hat. Der jährliche Ausflug nach Elend gleicht dabei eher einer Kurz-Kur als einem anstrengenden Wochenende. Die Lage mitten in der Natur, die Nähe zur Kalten Bode, der erst am späteren Nachmittag startende Timetable und die zahlreichen Angebote an Aktivitäten neben dem Musikprogramm geben keinen Anlass, dass an diesem Wochenende Stress bei den Besuchenden aufkommt. Das Highlight des naturnahen Musikerlebnisses stellt natürlich wieder der Akustikpfad dar, bei dem Acts wie die Folk-Pop-Sängerin Nina Caroline die Naturwanderung der Teilnehmer*innen mit akustischer Musik untermalen.

Bevor wir uns endgültig dem musikalischen Schwerpunkt nähern, ziehen wir das Thema „Freundschaft“ vor. Denn trotz wachsender Bekannt- und vor allem auch Beliebtheit bleibt das Indie-Festival im Harz mit seinen maximal 6.000 täglichen Besuchenden intim, fast schon familiär – und das trotz namhafter, teils internationaler Headliner wie Kate Nash, Frank Turner und Madsen. Die Veranstalter*innen zeigen darüber hinaus mit ihrem Inklusionskonzept, das unter anderem Deaf Performances, eine barrierefreie Sanitätsversorgung sowie einen Hilfsmittelservice vorsieht, besonderes Fingerspitzengefühl. Das Rocken am Brocken ist damit das erste Open-Air-Musikfestival Deutschlands, welches Deaf Performerinnen einsetzt – eine vorbildliche Premiere. Diesem guten Beispiel an Rücksicht folgen auch die tausenden Besucher*innen. Insgesamt lässt sich nämlich konstatieren: Tolle Veranstalter*innen organisieren ein tolles Festival und ziehen damit ein tolles Publikum an. Es finden sich Besucher*innen aller Altersgruppen wieder, die insbesondere bei den Headlinern gemeinsam und vor allem rücksichtsvoll miteinander feiern.

Musikalisch startet das Festival am Donnerstag direkt hochkarätig: Raum27 aus Bremen übernehmen den 19-Uhr-Slot von Becks, die ihren Auftritt kurzfristig absagen musste, reißen das Publikum aber mit, als würden sie seit Monaten als Headliner feststehen. Das erste große (persönliche) Highlight des Wochenendes stellt dann der Auftritt von Apsilon dar, der neben seinen bekannten Songs auch ein paar neue dabei hat. In einem unreleasten Song thematisiert er die Ängste, mit denen sich Einwandererfamilien wie seine eigene aufgrund der Morde des NSU konfrontiert sahen, während das restliche Land das Sommermärchen 2006 gefeiert hat. Da bleibt kaum ein Auge im Publikum trocken. Politisch geht es auch weiter mit dem Auftritt von Tyna auf der zweiten Hauptbühne, bevor es zu Frank Turner & The Sleeping Souls zum ersten Mal so richtig voll wird. In der Klanggrube liegt der Fokus an diesem Abend auf Karaoke, während im Zauberwald bis zum frühen Morgen bei Nebel- und Feuereinlagen zu DJ-Musik getanzt wird.

Am Freitag spielt Siggi die zweite Show auf der Hauptbühne, nachdem er im vergangenen Jahr noch auf dem Akustikpfad performen durfte. Bei den Konzerten von Kapa Tult, Saló, Madsen und Blond können wir erstmals die Deaf Performerinnen Ilknur Warnecke und Susanne Kermer beobachten. Madsen ist eine dieser Festivalbands, die es schafft, alle Generationen vor der Bühne zu vereinen, und so wird es zum zweiten Mal an diesem Wochenende richtig voll vor der Brockenbühne. Selbst diejenigen, die sich für den Auftritt von Bibiza frühzeitig einen Platz in den vorderen Reihen vor der Sternwarte sichern, feiern noch aus der Ferne den Auftritt der Indie-Rock-Band, die heute ohne Gitarrist und Sänger Johannes auskommen muss. Bibiza bringt als einer der wenigen Acts, die auf der Sternwarte spielen, sein eigenes Bühnenbild mit. Der Wiener Rapper sollte bereits im letzten Jahr hier spielen, musste aber krankheitsbedingt absagen. Dafür performt er heute mit doppelter Energie und bringt das dichte gedrängte Publikum zum Feiern. An diese Party kann Serpentin als letzter Act auf der zweiten Hauptbühne leider nicht mehr anknüpfen, was aber keinesfalls dem Auftritt der Elektro-Pop-Sängerin geschuldet ist, sondern eher der späten Stunde, zu der dieser stattfindet.

Der erste Pflichttermin am Samstag ist der Auftritt der Tiny Wolves, dem Kinderchor, der in erster Linie deutsche Indie-Pop-Songs covert und seit mittlerweile drei Jahren zum Inventar des Festivals am Brocken gehört. Mit Paula Engels, Ritter Lean und Zartmann gibt es heute drei namhafte Acts der deutschen Indie-Szene zu bestaunen. Bei Zartmann will, wie schon beim vorherigen Auftritt von Kate Nash, der Funke nicht endgültig überspringen, weil die Brockenbühne am heutigen Tag aus irgendeinem Grund recht leise abgemischt ist. Dafür überzeugen Agatha is Dead! aus Berlin am frühen Abend in der Klanggrube und auch Hi! Spencer sind eine Band aus dem (weiteren) Bremer Umland, die zwar nur ersatzweise auf dem diesjährigen Rocken am Brocken spielen, dem Publikum aber ordentlich einzuheizen wissen. Mit Sachsen Trance Blame im Zauberwald und Laser Ludi in der Klanggrube geht das Rocken am Brocken 2025 dann am frühen Sonntagmorgen zu Ende.

Das Rocken am Brocken wusste auch in diesem Jahr wieder durch sein hochwertiges Line-Up, das angenehme, durchmischte Publikum und vor allem durch seine naturnahe Inszenierung zu begeistern. Die Besuchenden ließen sich ihre Laune auch durch das durchwachsene, aber zu keinem Zeitpunkt katastrophale Wetter nicht vermiesen – bei einem solch schönen Festival kann über ein bisschen Matsch auch gerne hinweggesehen werden. In Zeiten, in denen immer mehr Festivals aus finanziellen Gründen von der Karte verschwinden, ist es umso erfreulicher, dass die Veranstalter*innen direkt den Termin für 2026 bekannt gegeben haben: Vom 30. Juli bis zum 01. August 2026 findet die 20. Auflage des Rocken am Brocken Festivals statt.

 


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