Dramatist – Wasting Words
So klingt das neue Album der Bremer Postcore- und Alternative-Band Dramatist, welches über DevilDuck Records/Indigo am 23. Januar 2026 erscheint

Wiederkehrend. Typisch. Charakteristisch. Die Musik von Dramatist hat einen eindringlichen, markanten Aufbau. Er ist nie gleich, immer abwechslungsreich und doch vergleichbar und übereinstimmend.
Die Architektur der Musik hat etwas von Wellen, die gegen die Felsen der britischen Küste peitschen. Es gibt die Parts, die zuerst noch nicht sichtbar, noch ruhig, fast träge sind. Doch dann fängt etwas an, zu drücken. Aus einem Streichen wird ein Reißen. Dann beginnt das Drama. Hartnäckig baut sich die Musik auf. Wie eine sich auftürmende Soundwelle, mit Schaum an der Kante. Schlag auf Schlag. Sie wächst, spannt sich, wird steiler. Dann kommt die Küste: die Energie springt über, explodiert fast. Die Kraft breitet sich aus und bekommt viel Tiefe. Es gibt in fast jedem Song diesen Moment, in dem die aufgestaute Energie ihr Gleichgewicht verliert.
Zu kryptisch? Mag sein. Passt aber. Einfacher ausgedrückt: Es ist Postcore, vielleicht Alternative. Es ist intensive, schwere und gewaltige Musik. Drei Gitarren bauen mit teils verzerrten Klängen aufeinander auf. Das ist stets klanggewaltig, mal atmosphärisch und laut. Die Lyrics sind immer wieder redundant, fast Mantra-artig. Der Gesang kompromisslos, hymnisch und auch aggressiv. Sänger Marco wütet, randaliert teilweise intensiv durch die Songs. Und die Songtexte: sozialkritisch, aufrüttelnd und mit gesellschaftlicher Haltung versehen. Schonkost ist das alles nicht. Es ist deftig, dicht und durchdringend.
Ist es noch der Sound der Vorgängerband Stun? Nein, es ist nicht Stun, auch wenn die musikalischen Wurzeln unverkennbar sind. Das ist neu. Einziger Wermutstropfen: Leider singt das neuste Bandmitglied Oskar Brozek auf dem Album noch nicht mit. Das ist nur live zu erleben.
Mit dem wütenden, schimpfenden Song „Fat White Families“ (worüber sollte klar sein) und dem brachialen Stück „Glasgow Nights“, das die brutale Welt thematisiert, sind zwei Songs bereits 2025 erschienen. Jetzt fallen auf dem Album vor allem der Opener „Black Hole“ und der Song „Unknown Hero“ auf. Darin heißt es: „Fearing the future keeps us going. And when we fail, we dust ourselves off and try again.“ Und „The League“ fordert dann Frauenrechte ein, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Das Album endet mit dem 6:24-Minuten-Song „Go“. Toll.
Für den Sound verantwortlich sind Gregor Hennig aus dem Studio Nord (u.a. Muff Potter, Die Sterne) und Kurt Ebelhäuser (u.a. Blackmail, Donots, Pascow). In Bremen hat Drummer Moritz übrigens das komplette Schlagzeug eingespielt. Das Cover-Artwork zum Album liefert Wayne Horse Willehead Eilers, ein Künstler, der aus Bremens Graffiti-Szene stammt und mit seinen gesellschaftskritischen Malereien in Amsterdams Kunstszene bekannt ist.
Dramatist sind Marco Van Gete, Oskar Brozek, Moritz Vandreier, Roman Pelz und Johann Dallmeyer.
Und was da noch wäre? Kein Song veröffentlicht. Breminale, Wacken, Reeperbahn Festival. Ohne Cover die Musik an die Lieblingslabels verschickt. Überseefestival. Stun als Vorgängerband. Der Einstieg des dritten Gitarristen Oskar Brozek – es gibt noch einige Storys zu Dramatist zu erzählen. Findet ihr alle hier auf der Seite. Gute Geschichten.
Tracklist
01 Black Hole
02 Fat White Families
03 Disappointed
04 The League
05 Glasgow Nights
06 Unknown Hero
07 Loathing
08 Go
Mehr Beiträge aus" Musik" zur Startseite



