Der Freitag beim Hurricane Festival: Zwei-Generationen-Musik und der größte Headliner
Ed Sheeran überragt den ersten großen Hurricane-Tag, vorher gibt es Musik für verschiedenste Altersklassen und Zielgruppen.

Scheeßel. Rockmusik in verschiedensten Ausprägungen, Hip-Hop-Acts sowie ein Solokünstler, der ganz alleine mit Loop Station und Akustik-Gitarre Zehntausende begeistert. Die Besucher*innen des Hurricane Festivals hatten nach der Warm-Up-Party am Donnerstag gestern die Auswahl aus fast 25 Konzerten auf vier Bühnen. Wir waren bei einigen Auftritten dabei und haben viele Eindrücke aufgeschnappt.
15:00 Uhr: #HurricaneSwimTeam auf der Forest Stage: Standesgemäß und inzwischen auch traditionell darf das SwimTeam das Hurricane Festival offiziell eröffnen. Fünf Mitarbeiter von Veranstalter FKP Scorpio inkl. Festivalchef Stephan Thanscheidt spielen 30 Minuten lang humorvolle Eigenkompositionen, die im Regenjahr 2016 spontan zusammengestellte Crew hat inzwischen sogar einige über die Jahre zu kleinen Klassikern gereifte Songs im Gepäck. Fun Fact: Finn Opeldus, Mitarbeiter im Bookingteam von FKP und Gitarrist des SwimTeams, stand gestern Abend schon mit seiner eigenen Band Drei Meter Feldweg in der Wild Coast Stage auf der Bühne.
15:30 Uhr: The Reytons auf der River Stage: Rockmusik zum Auftakt der internationalen Bandriege. Die Indie- und Alternative-Gruppe The Reytons aus dem Norden Großbritanniens startet mit 30 Minuten Gitarrenfeuer. Ihr Album „What’s Rock and Roll?“ erreichte letztes Jahr die Spitze der britischen Albumcharts – und nach dem halbstündigen Auftakt auf der River Stage können die bereits jetzt anwesenden Besucher*innen diese Frage stilsicher beantworten.
16:00 Uhr: Boston Manor auf der Mountain Stage: Noch etwas melodischer und mit der Power von drei Gitarren auf den Punkt krachend sind Boston Manor als erster Act auf der Mountain Stage. Sehr energiereich, schlagen sie zwischendurch auch härtere Töne an und kündigen nebenbei ihr neues Album und eine Tour im November an. Erste Moshpits und Circle Pits lassen nicht lange auf sich warten.
16:30 Uhr: Ski Aggu auf der River Stage: Partystimmung bei Aggu! Hände in der Luft, Nebelmaschinen feuern, eine riesige Wall of Death entsteht. Der erste Hip-Hop-Act am heutigen Tag kommt gerade bei jüngerem Publikum gut an, der Platz ist brechend voll. So ist für verschiedene Geschmäcker etwas dabei an diesem Wochenende. Für den kürzlich veröffentlichten Song „Wie du manchmal fehlst“ holt er sogar Feature-Gast Zartmann auf die Bühne. „Party Sahne“ und „Friesenjung“ zum Abschluss lassen den Platz endgültig explodieren.
17:15 Uhr: The Gaslight Anthem auf der Forest Stage: Liebhaber-Musik für die zehn Jahre älteren: The Gaslight Anthem ziehen zwar weitaus weniger Publikum, aber bringen etwas US-Punkflair auf die größte Bühne. Brian Fallon sieht aus, als wäre seit Monaten Lockdown und alle Barber-Shops hätten geschlossen. Ist der Rasierer jetzt kaputt oder was? Gefühlvoll singt er trotzdem. Und im Publikum viele, die kannten das auch mal. Und wünschen Glück. Ein Liebhaber-Konzert. Auf die Masse springt der Funke beim Großteil der Songs aber nicht über. Dafür braucht es das Billie Eilish-Cover „Ocean Eyes“ und die beliebten „Great Expectations“ und „The 59 Sound“ zum Abschluss – hier kommt Stimmung auf, dann ist allerdings zehn Minuten früher als geplant Schluss.
17:15 Uhr: Me First And The Gimme Gimmes auf der Mountain Stage: Musik von Culture Club, ABBA oder Gloria Gaynor gibt es auf der Mountain Stage zu hören – und zwar in Form von Punkrock-Covers, gespielt von der US-amerikanischen Supergroup Me First and the Gimme Gimmes. Sänger Spike Slawson hat einige Sätze Deutsch gelernt, vor allem Schimpfwörter, mit denen er auf ironische Weise das Image eines echten Punkrockers aufrechterhält. In seinem weißen Anzug erinnert er hierbei stark an Klaus Kinski. Auch die patzige Art der restlichen Live-Band – rund um Bassist C. J. Ramones – gegenüber der Stage-Crew darf als gespielt interpretiert werden. Das Konzept der Cover-Band geht voll auf. Hits wie „Take Me Home, Country Roads“, „Jolene“ oder „Somewhere Over The Rainbow“ sind allseits bekannt und werden entsprechend lautstark mitgesungen. Vor der Mountain Stage wird bereits am frühen Abend ausgelassen getanzt.
18:45 Uhr: Silverstein auf der Mountain Stage: Die fünfköpfige, kanadische Gruppe überzeugt bei ihrem ersten Hurricane-Auftritt mit hoch energischer und treibender Musik zwischen Rock und Post-Hardcore mit Metal-Einflüssen. Bis zu dreistimmiger Gesang zieht die Fans schnell in den Bann. So abwechslungsreich wie die musikalischen Einflüsse der Band ist auch das Wetter während des einstündigen Auftritts. Nachdem nachmittags schon ein paar Tropfen vom Himmel gekommen sind, fängt es nun richtig an zu schütten. Die meisten lassen sich davon nicht unterkriegen, haben Regencapes und Gummistiefel dabei und trotz des Niederschlags eine gute Zeit. Neben eigenen Songs aus fast 25-jähriger Bandgeschichte, covern Silverstein „One Step Closer“ von Linkin Park – „Bad Habits“ dagegen ist trotz des gleichen Namens kein Cover des heutigen Headliners Ed Sheeran.
19:30 Uhr: The Kooks auf der River Stage: Der Starkregen hält einige Zeit an, leider kommt die River Stage nicht unbeschadet davon. Aufgrund des Starkregens ist die Bühne zwischenzeitlich nicht bespielbar und der Auftritt von The Kooks kann nicht stattfinden.
20:45 Uhr: The National auf der Forest Stage: Auf den Videoleinwänden ist zu sehen, wie Ed Sheeran die Band aus New York backstage begrüßt. Sänger Matt Berninger betritt im Anzug die Bühne, die Gruppe um den Frontmann und zwei Brüderpaare an den Instrumenten, ist eine der exklusivsten und hochwertigsten Bands des Festivals. Ein ganz besonderer Act auf einem Mainstream-Festival dieser Größe. Zwischen ruhigen und melancholischen Momenten, dunklen und nachdenklichen Texten – und gleichzeitig die expressive, inbrünstige, ganz und gar außergewöhnliche Performance von Berninger. 75 Minuten in Perfektion. Augen schließen und genießen.
23:00 Uhr: Ed Sheeran auf der Forest Stage: Der Mega-Star ist da – und alle wollen ihn sehen. Nach zehn Jahren ist der britische Singer-Songwriter zurück in Scheeßel – damals noch am frühen Abend, inzwischen der prominenteste Gast der letzten Jahre. Ganz alleine mit Akustik-Gitarre und Loop Station steht er frisch, motiviert und gut gelaunt auf einer Erhöhung vor seinem Publikum. Mit „Castle On The Hill“ und „Shivers“ spielt er zwei beliebte Stücke direkt zu Beginn, auch die Fontänen an der vorderen Bühnenkante werden früh getestet. Der Solokünstler und begnadete Gitarrist verbindet emotionale Balladen und mitreißende Songs in einem Stil, der Pop und Folk geschickt kombiniert. Mit ganz viel Charisma und vor allem mit spielerischer Leichtigkeit unterhält und bewegt er seine Fans, die nach 90 Minuten die beiden wohl größten Hits „Shape Of You“ und „Bad Habits“ textsicher mitsingen können.
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