Der Freitag beim Hurricane Festival: Sommervibes und eine Headliner-Klammer
Drei starke und sehr unterschiedliche Headliner runden einen heißen Sommertag voller nationaler und internationaler Acts ab.

Scheeßel. Mit The Offspring spielen Punkrock-Urgesteine auf dem Hurricane, die schon in den Anfangsjahren dabei waren, Yungblud dagegen tritt erstmals auf dem Eichenring und begeistert mit einer grandiosen Show. Nicht fehlen zum 30. Hurricane-Geburtstag dürfen natürlich die Festival-Dauerbrenner Kraftklub. Die Besucher*innen des Hurricane Festivals hatten nach der Warm-Up-Party am Donnerstag gestern die Auswahl aus fast 25 Konzerten auf vier Bühnen. Wir waren bei einigen Auftritten dabei und haben viele Eindrücke aufgeschnappt. Texte von Malte Löhmann und Marcel Kloth.
15:00 Uhr: Zunächst eröffnet Elton das Hurricane ganz offiziell, der bei jeder der bisher 28 Ausgaben dabei war. Bei knackigen 30 Grad geht es los mit „30 Jahre Hurricane“ – standesgemäß und traditionell darf das #HurricaneSwimTeam das Hurricane Festival letztmalig offiziell eröffnen, auch wenn es angesichts der Wetteraussichten dieses Jahr wohl nicht viel zu schwimmen gibt. Fünf Mitarbeiter von Veranstalter FKP Scorpio inkl. Festivalchef Stephan Thanscheidt spielen 30 Minuten lang humorvolle Eigenkompositionen und umgedichtete Coverversionen. Für die im Regenjahr 2016 spontan zusammengestellte Crew ist der Auftritt zum zehnjährigen Bühnenjubiläum gleichzeitig das Abschiedskonzert, bei dem trotz der Hitze sogar die Flammenwerfer heißlaufen. Gitarrist Finn Opeldus steht an diesem Wochenende sogar doppelt auf der Bühne, am Samstag spielt er mit seiner Punkrock-Band Drei Meter Feldweg auf der Mountain Stage. Für den abschließenden Song „Am sichersten seid ihr im Auto“, mit dem 2016 alles anfing, wird das #HurricaneSwimTeam wie damals auf der Bühne von den Hansemädchen unterstützt.
16:00 Uhr: Die Mountain Stage des Hurricane Festivals ist bekannt für junge Künstler*innen insbesondere aus dem Indie-Pop und -Rap. An diesem Freitag allerdings eröffnet mit The Ataris eine der prägenden Bands des Pop-Punks der frühen 2000er-Jahre. Die eigentlich siebenköpfige Band ist zu viert aus den USA angereist und weiß die bereits zahlreichen Fans im ersten Pit mit ihren Hits insbesondere vom Erfolgsalbum „So Long, Astoria“ zu begeistern. Zum Abschluss empfiehlt Sänger Kris Roe der Menge, für die nachfolgende Band Basement vor der Mountain Stage zu verweilen.
16:30 Uhr: Was für eine Kombination aus Act und Setting! Rikas spielen in der strahlenden Nachmittagssonne lockere, leichte und entspannte Indie-Songs mit fluffigen Gitarren und treibendem Bass. Vor einem riesigen Trikot mit Bandnamen und Rückennummer 4 lässt das Quartett die Knie wippen und die Köpfe nicken. Da kann man nur gute Laune bekommen!
17:15 Uhr: Wir folgen der Empfehlung von The Ataris und hören in Basement rein. Die englische Rockband führt das heutige Konzept auf der kleinsten Freiluftbühne konsequent fort und entwickelt den Pop-Punk von The Ataris zu Alternative und Hardcore weiter, bevor es mit später mit President noch feinsten Metalcore gibt.
18:00 Uhr: Mit Royel Otis aus Australien spielt am frühen Abend eine der spannendsten Indie-Pop-Acts unserer Zeit auf der River Stage. Bei glühender Nachmittagssonne stehen Gitarrist Royel Maddell und Sänger Otis Pavlovic in erster Reihe und werden aus dem Hintergrund mit Drums, Keys und Synths unterstützt. Neben Hits wie „i hate this tune“ oder „moody“ werden auch die Cover-Versionen von „Murder On The Dancefloor“ und „Linger“ live performt. Mit Ansagen hält sich Pavlovic überwiegend zurück, auf der LED-Wand im Hintergrund der Bühne werden teils Lyric-Schnipsel, teils aber auch Aufrufe wie „Dance“ oder „Wave your hands“ angezeigt. Den Abschluss des Sets bildet der bisher erfolgreichste Song „Oysters In My Pocket“.
19:30 Uhr: Mit Bosse spielt einer der sympathischsten und beliebtesten deutschsprachigen Acts bereits zum achten Mal auf dem Hurricane. Vor der Bühne hängt ein großes Banner, Bosse tritt zu Beginn seines Auftritts davor und trägt zunächst solo ein Lied gegen digitale Gewalt im Netz vor, später steigen die Hansemädchen ein. Verbunden ist dieser Auftakt mit einem klaren Statement gegen Rassismus und für Menschenrechte. Als das Banner fällt, steht Bosse mit seiner großen Band in schwarz gekleidet vor einem silbernen Vorhang und legt mit „Frankfurt (Oder)“ los. Der Niedersachse ist permament in Bewegung, sehr dankbar, ein Gute-Laune-Flummi mit Haltung. Für eine sehr verspielte Version von „Alter Strand“ bauen sie auf der Bühne einen Halbkreis auf, „Ein Traum“ dagegen spielt Bosse mitten im Publikum und ab der Hälfte mit basslastigem Elektrofundament und erneut mit den Hansemädchen. Beliebte Klassiker wie „So oder so“ und „Schönste Zeit“ dürfen im einstündigen Set natürlich nicht fehlen.
20:30 Uhr: Bei untergehender Sommersonne stehen mit The Offspring der erste Headliner des diesjährigen Hurricane Festivals auf der Hauptbühne. Man könnte meinen, dass eine Band über 40 Jahre nach Gründung Probleme hätte, sich auf eine Setlist für einen 75-minütigen Auftritt zu verständigen. Nicht so The Offspring. Die Band um Sänger Dexter und Gitarrist Noodles findet sogar Platz für ein Cover des Taylor Swift Songs „Love Story“. Die größten Hits sparen aber auch sie sich für die letzte Viertelstunde ihres Auftritts auf.
21:45 Uhr: Rechtzeitig für die Feuer-Show des englischen Rockstars Yungblud geht die Sonne hinter dem Festivalgelände endgültig unter. Genau wie sein zuletzt erschienenes Album „Idols“ startet auch dieser Auftritt mit dem Song „Hello Heaven, Hello“, der durch drei Parts mit unterschiedlichen Tempi eigentlich auch als drei Songs gelten könnte. Es folgt ein buntes Potpourri aus jüngsten Veröffentlichungen und beliebten Songs wie „The Funeral“ oder „Fleabag“, bei dem sogar ein Fan aus dem Publikum für eine Gitarren-Performance auf die Bühne geholt wird. Mit einem Knall verabschiedet sich Yungblud von der Bühne – und zwar mit dem aktuell erfolgreichsten Song „Zombie“. Nachdem schon den ganzen Auftritt über Feuerfontänen vor der Bühne erstrahlt sind, schießen zum Abschluss dieses Konzertes Feuerwerkskörper in den Nachthimmel.
23:00 Uhr: Fette Geburtstagsparty mit Kraftklub! Schon den ganzen Tag hängt ein riesiger „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Schriftzug an einem Kran und mit Countdown versehen neben der Hauptbühne, der in luftiger Höhe später Teil der Lichtshow ist und sogar Nebel ausstößt. Die Gruppe aus Chemnitz startet mit „Marlboro Mann“ von neuen Album, das eindeutig im Fokus des Auftritts steht und knapp die Hälfte der heutigen Setliste ausmacht. Kraftklub sind einer der Festival-Dauerbrenner, absolute Publikumslieblinge, es dauert nicht lange, bis der ganze Platz mit Zehntausenden Besucher*innen springt und feiert. Schon bei ihrem ersten Hurricane-Besuch im Jahr 2012 haben Kraftklub „Randale“ gespielt und sorgen damit heute für nicht weniger Begeisterung. Die Gruppe um Felix Kummer ist bei aller Energie dankbar und demütig für den obersten Headliner-Slot am heutigen Tag – gerade beim Gedanken daran, dass sie als Schülerband angefangen und The Offspring gecovert haben und jetzt nach ihnen auf der Hauptbühne stehen. Verglichen mit dem Headliner-Slot in 2023, fehlen vielleicht ein paar besondere Ideen, stellenweise wirkt es ein wenig uninspiriert. „Schief in jedem Chor“ spielen Kraftklub dann vollständig inmitten des Publikums und werden dabei lautstark unterstützt, zum großen Finale „Songs für Liam“ springt Felix selber in einen der zahlreichen Moshpits.
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