Burning Q Festival – Mehr als nur ein Geheimtipp
Das Burning Q Festival in Freißenbüttel liefert seit 2011 wahre Perlen des Metal-Underground ab. Dieses Jahr waren unter anderen Acts wie The Haunted, Grave Digger und Atlantean Kodex am Start. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, für euch den Samstag dabei zu sein.

Freißenbüttel. Das kleine, aber feine Burning Q Festival in Freißenbüttel hat sich seit 15 Jahren dem Metal-Underground verschrieben und kann mittlerweile auf eine beeindruckende Historie zurückblicken. Nicht das erste Mal konnte sich das Festival dieses Jahr mit einem „Sold Out“ schmücken und gilt bei vielen somit nicht mehr nur als Geheimtipp. So pilgerten knapp 1000 Besucher auf das Gelände des ortsansässigen Fußballvereins, um sich an mittlerweile drei Tagen die angesagtesten Perlen der Underground-Metalszene um die Ohren schlagen zu lassen.
Den Startschuss des Tages gaben für mich Knife aus Marburg. Die Black/Speedmetaller traten ab der ersten Sekunde das Gaspedal aufs Bodenblech und konnten auch schon zur frühen Nachmittagsstunde eine beachtliche Meute vor die Mainstage locken. Sofort war der erste Moshpit gestartet, während einem die Truppe um Sänger Vince ein Highspeed-Riff nach dem anderen um die Ohren schlug. An dem Tag durfte leider auch kein Tribute für den kürzlich verstorbenen Sick Of It All-Sänger Lou Koller fehlen. Bei diesem drehten die vier Herren noch einmal richtig auf und konnten damit auch dem letzten Anwesenden die vorherigen Festivaltage aus den Knochen schütteln. Besonders gut gingen die Songs des letzten Full-Lengh „Heaven Into Dust“ in die Ohren. Leider war hier schon nach nur 30 Minuten Schluss. Diese haben die vier Herren vollends ausgenutzt und jeden Moment zählen lassen.
Nun hieß es schnell rüber zur Tentstage, denn dort stand schon die Black/Crust-Walze von Rană in den Startlöchern. Nach dem schnellen, treibenden Speedmetal der Vorgänger wurde es nun langsamer, aber nicht minder intensiv. Nach einem ausgedehnten, sphärischen Intro preschten die Vier gnadenlos auf das kleine Zelt ein. Atmosphärische Blackmetal-Parts wurden hier gekonnt mit rumpeligen, crustigen Passagen durchmischt und schafften damit eine ganz eigene Dynamik. Zeitweilig ging es leidend, im nächsten Moment hasserfüllt, rasend zur Sache. Jedem sei diese Band und ihr 2023er-Output „Richtfeuer“ ans Herz gelegt. Diese emotionale Achterbahnfahrt der Braunschweiger muss man erlebt haben.
Wieder an der Mainstage angekommen, ging es gleich mit Nailed To Obscurity weiter. Die Ostfriesen konnten auf jeden Fall zu Beginn mit dem beeindruckendsten Bühnenaufbau des Tages aufwarten. Trotz 30°C im nicht vorhandenen Schatten, schafften es die fünf Herren ihren eiskalten Melodic-Death/Doom gekonnt rüberzubringen. Mich haben die Herren auf jeden Fall ab der ersten Sekunde mit ihrer Mischung, irgendwo aus Dark Tranquillity und Opeth, überzeugt. Epischer Klargesang traf hier auf tiefe Growls und die meistens im unteren Tempo beheimateten Riffs schlugen einem tonnenschwer in die Ohren. Leider fanden sich nur wenige Besucher direkt vor der Bühne ein, schade! Denn die Friesen haben einen der besten Auftritte des Tages auf die Bretter gelegt. Bei mir wanderte auf jeden Fall der letzte Output „Generation Of The Void“ direkt in den Warenkorb.
Der nächste Act, welcher auf meinem Zettel stand, war dann Atlantean Kodex, welche sich ebenfalls die Ehre auf der Mainstage gaben. Der Epic-Doom der fünf Bayern ging erstaunlich leicht ins Ohr, trotz der ausschweifenden Länge einiger Songs. Auf jeden Fall stellten die vier Herren um Gitarristin Coralie einen gewaltigen Kontrastpunkt im heutigen Line-Up dar. Aber die kurze Verschnaufpause, inklusive Geschichtsstunde, schien dem Publikum sichtlich zu gefallen – auch, wenn ich bei einem Co-Headliner mehr Andrang vor der Bühne erwartet hätte. Nichtsdestotrotz zogen Atlantean Kodex gekonnt ihren Stiefel durch. Beinahe jeder der Refrains wurde von den Anwesenden lauthalts mitgesungen – Hände in die Luft gestreckt und sich der epischen Mythologie vollends hingeben. Hier war eher Faustballen und gemütliches Schunkeln angesagt, als Highspeed-Moshpits. Auch wenn die fünf Bayern durchgängig im unteren Tempo unterwegs waren, kam keine Sekunde Langeweile auf. Die 60 Minuten Spielzeit vergingen wie im Flug, bis zum letzten, selbstbetitelten Song, gerufen wurde.
Nun ging es auch schon an den Headliner des Tages. The Haunted legten direkt mit dem Doppelpack „Warhead“ und „In Fire Reborn“ vom aktuellen Album „Songs Of Last Resort“ los. Wer zu diesem Zeitpunkt noch stillstand, wurde gleich mit dem nächsten Brecher „99“ unweigerlich zur Bewegung gezwungen. Der gesamte Bereich vor der Bühne wurde zu einer kompakten Masse zusammengedrängt. Sichtlich angetan von dem Spektakel war Sänger Marco Aro, welcher die Besucher gnadenlos weiter anpeitschte. Vielleicht lag die herausragende Stimmung auch an dem Faktor, dass an diesem Tag aushilfsweise Gründungsmitglied Anders Björler mit auf der Bühne stand. Somit waren 3/5tel der legendären At The Gates auf dem kleinen Feld nahe OHZ versammelt. Kompromisslos und durchgängig am oberen Tempolimit, prügelten die fünf Schweden ihren melodischen Death/Thrash auf die Anwesenden ein. Die Herren um Ola Englund, welcher mittlerweile eines der bekanntesten Gesichter im Metal sein sollte, schienen in Topform zu sein und schoben einen weiteren Kracher nach dem anderen heraus. „Death To The Crown“, „Hollow Ground“ und das ebenfalls Lou Koller gewidmete „In Vein“ wurden fanatisch abgefeiert und mit durchgängigen Moshpits belohnt. Schnelle Riffs wurden von noch schnelleren Solos abgelöst, mit jedem weiteren Song stieg die Intensität der Show. Ohne Verschnaufpause ging es in den Endspurt. „Bury Your Dead“ und „Hate Song“ wurden gnadenlos präzise auf die Besucher losgelassen und trafen genau den Nerv der Anwesenden. Den Abschluss der knapp 75 Minuten langen Show bildete das Doppelpack aus „All Against All“ und „Bullet Hole“, wo alle Anwesenden noch einmal alle verbleibenden Energiereserven aus sich herausquetschten. Kurz und schmerzlos verabschiedete sich dann Sänger Marco mit den Worten „Ik bin alter Mann. Ik muss schlafen.“ von dem noch immer nach einer Zugabe rufenden Publikum. Dies nahm ich mir dann auch zu Herzen und es ging zurück auf die Landstraße, Richtung heimisches Bett.
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