All Shall Perish – Genre-Vorreiter oder altes Eisen?

Zum Jahresabschluss gab es eine der brutalsten Touren des Jahres. Die Deathcore-Heroen von All Shall Perish gaben sich mit dem Support von Peeling Flesh, Vulvodynia und Necrotted die Ehre. Wir waren für euch beim Konzert in Hannover dabei.

All Shall Perish

Hannover. Nach einer kleinen Odyssee endlich am Musikzentrum Hannover angekommen, ballerten bereits die Opener von Necrotted ihren erbarmungslosen, modernen Deathmetal in die gut gefüllte Location. Besonders beachtlich, da die Uhr zu dem Zeitpunkt gerade einmal 19:10 Uhr anzeigte. Das schien die fünf Herren aus Baden-Württemberg aber nicht zu interessieren, denn Necrotted zogen gekonnt ihren Stiefel durch und haben überwiegend mit Material von ihrem aktuellen Output „Imperium“ die ersten Bewegungen im Publikum hervorgerufen. Leider waren die Spielzeiten an diesem Abend bei allen Bands sehr knapp bemessen, sodass Necrotted nach 25 Minuten schon wieder die Bühne verließen. Merkt euch aber diesen Namen, von dieser Truppe wird man garantiert noch einiges hören.

Nach einer Umbaupause von rasanten 15 Minuten waren Vulvodynia aus Südafrika an der Reihe. Für die Art von slamigem Deathmetal, den die fünf Jungs auf die Bühne legten, kam dieser erfrischend eingängig und teilweise mit progressiven Elementen gemischt daher. Besonders muss man dieser Stelle Sänger Lwandile herausheben, dieser lieferte stimmlich ein totales Brett an unterschiedlichsten Gesangsstilen, seien es Pig-Squeals, Growls, oder Screams. Leider war die Band mit einem wirklich miserablen Sound gestraft, sodass das wirklich kurze Set von 20 Minuten in einem drucklosen Matsch versank. Echt schade!

Nun ging es an das in Slam-Death gepresste Tik-Tok-Meme. Peeling Flesh aus Oklahoma verbinden brutalen Slam-Deathmetal mit Gangster-Rap, sowie einer Vielzahl an eingespielten Skits, Interludes, oder einfach nur merkwürdigen Tönen. Immer wieder wurden die extremen Songs vom Zirpen der „Ghetto Cricket“ unterbrochen, was den vier Herren natürlich eine Vielzahl an Lachern bescherte. Allein das war schon ein seltsamer Anblick, aber während der harten Passagen wurden im Moshpit, welcher sich durch den ganzen Laden zog, keine Gefangenen gemacht und es ging wirklich brutal zu. Was neben dem hohen Spaßfaktor dieser Band sehr beachtlich ist, ist der enorm hohe Output, welchen die Amerikaner in den letzten beiden Jahren haben. Ganze vier EPs wurden auf den Markt geschmissen. Leider konnten Peeling Flesh, welche sich auf ihrer ersten Europa-Tour befanden, hier ebenfalls nicht aus den Vollen schöpfen, denn das Set war wieder nach knappen 30 Minuten beendet.

Nun war der Headliner des Abends an der Reihe. All Shall Perish sollten jedem ein Begriff sein, der sich in den frühen 00er-Jahren durch unzählige Metal- und Deathcore-Myspace-Pages geklickt hat und ständig nach neuem Input des noch in den Kinderschuhen steckenden Genres gesucht hat. Mit bombastischem Sound und einer Menge Energie wurden gleich Kracher wie „Eradication“ und „Black Gold Reign“ rausgehauen. Sofort hingen die Anwesenden am Haken von Sänger Eddie, welcher seit 2013 auch bei Suicide Silence das Mikro schwingt. Der Pit bestand ab der ersten Sekunde – wenn auch ein wenig gediegener als bei ihren Vorgängern, aber dennoch sehr beachtlich. Die vier Kalifornier hatten sichtlich Freude an der gesamten Szenerie. Vielleicht auch, da diese Tour die erste in Europa seit 13 Jahren darstellte. Weiter ging es mit Krachern wie „Never… Again“, „Wage Slaves“ und bei „The Day Of Justice“ sogar mit einen Gastbeitrag vom Vulvodynia-Sänger an der Gitarre. Leider wurde dann mit „Laid To Rest“ schon der Endspurt der Show eingeläutet. Hier gaben alle Anwesenden noch einmal Vollgas und die vier Amerikaner verließen unter ohrenbetäubendem Applaus die Bühne, um nur wenig später allen noch einmal den Brecher „There Is Nothing Left“ vor die Füße zu werfen, welcher fanatisch abgefeiert wurde. Dann war aber wirklich Schluss und die Band beendete nach 45 Minuten ihre Show und alle Anwesenden konnten gut gelaunt in den noch jungen Abend entschwinden.

 


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