Alben des Jahres 2023 – von Florian

Der Staffelstab, die Alben des Jahres der HB-People-Redaktion vorzustellen wird weitergereicht. Ein paar Überraschungen dabei. Musik, die ganz plötzlich am Horizont erscheint und den Blick auf sich behält, wie tanzende Flammen eines stetig knisternden Lagerfeuers.

Frank Turner, Foto: pfa

Für mich persönlich neigt sich ein turbulentes Jahr 2023 dem Ende. Noch einmal schlafen, dann steht schon 2024 vor der Tür. Vieles, was mich bewegt und begleitet hat, spiegelt sich irgendwie auch in der gehörten Musik diesen Jahres wieder. Insgesamt kann ich sagen, dass sich vor allem meine Top 10 Alben 2023 unter den Themen: Liebe, mentale Gesundheit und Verarbeitung grob beschreiben lassen. Wobei es auch nicht verwundert. Denn gerade das Thema psychische & mentale Gesundheit hat im Laufe 2023 zurecht mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen und dass es wichtig ist darüber zu sprechen.
Viel Spaß beim Hören und guten Rutsch ins neue Jahr!

Platz 10. Honey Revenge – Retrovision

Immer auf der Suche nach neuer Musik, durchstöberte ich die Musikstreamingdienste und stolperte im Juni über das Pop-Rock Duo aus Los Angeles. Ihr Debütalbum „Retrovision“ versprüht diesen Avril Lavigne-Punk-Rock-Vibe und ist in gleicher Weise tanzbar und zum Mitspringen geeignet.
Sängerin Devin Papadol und Donavan Lloyd (Gitarre) haben sich bei der Produktion mit verschiedenen Produzenten zusammengetan. Unter anderem Josh Strock (z.B.: Ice Nine Kills) und Zach Jones (z.B: Nova Twins). Honey Revenge haben ihren Sound gefunden und können auch textlich überzeugen, sodass ich ihr Album mir immer wieder auf die Ohren packte.

Platz 9. TALK – Lord of the Flies & Birds & Bees

Wie schon bei Platz 10 ist auch „Lord of the Flies & Birds & Bees“ ein Debütalbum. Es erzählt eine Geschichte über eine missverstandende Person, die ihren Platz im Universum sucht, dem Wunsch nach Anerkennung und dem Weg zur Selbstakteptanz. Bereits 2022 landete TALKs Song „Run Away to Mars“ mehrfach in meinen Playlists. Durch die Pandemie zog es TALK in den Keller seiner Eltern zurück und dort schrieb er besagten Song, nachdem er den Film „Interstellar“ gesehen hat. Eine Debütsingle, die auf noch mehr Potential schließen ließ.

Nicholas Durocher ist eine Gewalt von Person mit einer wuchtigen Stimme. Die Percussions und Gitarren wirken zum Teil etwas trocken. Das sorgt aber dafür, dass mit dem Hall auf der Stimme, diese noch mehr zur Geltung kommt und sich vollends entfaltet.

Platz 8. Shred Kelly – Blurry Vision

Diese Band aus Kanada tauchte im November ’22 auf meinem Radar auf, als ich über sie als Vorband von The Dead South schreiben durfte. Seitdem habe ich sie auf dem Schirm behalten.
Den Einfluss ihrer Heimat kann man auf ihrem neuen Album nicht leugnen, er lässt sich gut raushören. Die schroffe Welt der Rocky Mountains durch Buntglas betrachten, während es draußen stürmt und laut ist oder die Sonne scheint und es ruhig und friedlich ist. Beides Gelegenheiten zu ergründen, was in einem vorgeht. Gut differenzierter Folk-Rock für unterwegs auf Reisen oder entspannte Sonntage, die nicht zu entspannt sein sollen.

Platz 7. SPARKLING – We Are Here To Make You Feel

Im letzten Quartal des Jahres erschien „We Are Here To Make You Feel“. Mit Song Nr.1 auf der Platte macht die Kölner Band direkt eine klare Ansage, warum sie in deinen Ohren zu hören sind: „We are here to make you feel good, we are here to make you feel bad, …make you feel loved, …feel sad, …feel brave, …feel rage, ….“

Was einen auf der Platte erwartet lässt sich als freakigen, flippigen Pop beschreiben. Irgendwas zwischen Editors und Joy Division.
Musik, die dich bewusst mal die Kontrolle abgeben lässt.

Platz 6. Brooke Combe – Black Is The New Gold

Diese Künstlerin hat sich erst Anfang Dezember in mein Hirn und Herz gespielt. Und man ahnt es vielleicht schon: ebenfalls ein Debütalbum.
Mit ihrer souligen Stimme, dem bouncenden Bass, wie beim Song „Miss Me Now“, hat sie bei mir einen Nerv getroffen. Hip-Hop-Einflüsse, dazu weitere Einflüsse aus Gospel und Soul. Damit hat sich die Künstlerin aus Edinburgh und ihr Rythm & Blues Album als richtige Überraschung erwiesen. Ich möchte hinzufügen, dass ihre Musik ein weiterer Beweis ist, dass Genres fließend ineinander übergehen und über ihren Stempel hinaus existieren und ihre Berechtigung haben.

Platz 5. Color Theory – Underneath These Dying Stars

Die verspielten Synthie-Klänge dieses Künstlers geben mir immer genau das, was ich gerade brauche. Unter Beweis stellen konnte er es auch mit seinem 16. Studioalbum. Dieses Album schreit förmlich „Synthesizer!“. Synth-Beats, Synth-Bässe, Synth-Melodien. Dieses Album ist zugleich positiv verträumt und sehnsüchtig, wie auch düster und schattenhaft. Ein abstraktes Spiel zwischen zwischen Licht und Schatten. Gerne spricht man über ihn auch mal als eine verlorene B-Seite einer Depeche Mode-Platte. Wer auf Synthie-Musik und Depeche Mode steht, wird mit Underneath These Dying Stars seine Freude finden.

Platz 4. Electric Enemy – Electric Enemy

Deutlich energiegeladener ist Electric Enemy mit dem gleichnamigen Album. Nach nun mehreren veröffentlichten EPs das erste Album. Electric Enemy ist ein Alternative Rock-Projekt des Londoner Multi-Instrumentalisten Jim Lawton. Er schreibt und produziert selbst und nimmt sämtliche Instrumente auch selbst auf.
Wenn Electric Enemy eine Batterie wäre, so wäre diese über ihre Kapazität geladen. Eine Energiezelle, die nur darauf wartet ihre Power rauszulassen. Auch die vermeintlich ruhigeren Songs täuschen über diese Tatsache nicht hinweg.

Platz 3. The Beaches – Blame My Ex

Ebenfalls eines meiner Highlights dieser Liste sind The Beaches.
Gefühlt gibt es viel zu wenige Bands, die sich nur aus Frauen zusammensetzen und auch Erfolg haben. Umso mehr freue ich mich, dass die Band um die Geschwister Jordan Miller (Leadvocals, Bass) und Kylie Miller (Gitarre) es geschafft haben innerhalb kürzester Zeit ihre Tour auszuverkaufen und auch international durchzustarten. „Blame My Ex“ hat den Frauen aus Toronto ermöglicht, näher an der Musik zu sein, die sich für sie gut anfühlt. Mich holen sie mit ihrem sonnigen Indie-Rock total ab. Mit ihren Texten sind sie am Zahn der Zeit. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich dieses Album jetzt schon gehört habe – unzählige Male.
Fast hätte dieses Album meinen Platz 2 knacken können.

Platz 2. Palaye Royale – Sextape

Die Art-Rocker aus Las Vegas haben ihre EP „Sextape“ erst vor ein paar Wochen veröffentlicht und mich haben sie damit einfach umgehauen, ja gar dahingeschmettert! So schön dreckig, so schön verrucht, so schön geladen. Ein gefallener Engel, der jetzt tut, was er tun muss, um zu überleben. So würde ich diese EP beschreiben, wie es sich anfühlt sie zu hören.
Auf dem Hurricane dieses Jahr waren sie definitiv eines meiner Highlights. Fürs Deichbrand Festival 2024 sind sie schon bestätigt. Ihr Stil ist aus meiner Sicht unvergleichlich. Zumindest habe ich noch nichts Vergleichbares gehört.

Platz 1. GogoPenguin – Everything Is Going To Be OK

Ende 2022 und Anfang 2023 releaste das Jazz-Trio aus Manchester bereits ein paar Singles aus diesem Album. Mitte April kam dann das Album. Eine Woche später schrieb ich eine kleine Rezension zu diesem Album. Es berührte mich so sehr. Es war eine Offenbarung für mich.
Inzwischen konnte ich GogoPenguin zum vierten Mal live erleben und bin nur noch mehr von ihrer Musik überzeugt. Ich will gar nicht zu viele Worte verlieren, weil ich das Meiste schon in meiner Albumrezension gesagt habe. Fakt ist aber, dass mich Everything Is Going To Be OK das ganze Jahr über begleitet hat. Vier von fünf meiner meistgehörten Songs überhaupt dieses Jahr sind von diesem Album.
Mit jedem Mal bin ich aufs Neue fasziniert, was Musik bei Menschen auslösen kann, wenn ich mich mit anderen Personen darüber unterhalte.

Nicht in die Liste geschafft haben es :

in absteigender Reihenfolge

„Show love to everyone you meet, because you don’t know what they’re going through or where they’ve come from. – TALK

 


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