Bob Dylan: Alles verschwimmt zu einem Klangkosmos

Bob Dylan macht es seinem Publikum in der Bremer Stadthalle nicht unbedingt leicht. Zwischen Blues, Country, Folk und Jazz verschwimmen alte Klassiker und jüngere Songs zu einem einzigen Klangkosmos. Auf „Like a Rolling Stone“ muss das Publikum verzichten. Am Ende bleibt trotzdem das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.

Bild: Bob Dylan | Pressefoto: Live Nation

Auf die Minute genau um 20 Uhr beginnt die vierköpfige Band mit einem rollenden, aber doch recht leisen Groove. Wenige Augenblicke später schlurft Dylan, in einen schwarzen Parker gehüllt und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, auf die Bühne und stellt sich hinter sein Klavier. Dort wird er die nächsten 100 Minuten verweilen. Hin und wieder wird er sich setzen oder einen Schluck trinken. Das Publikum wird nicht begrüßt. Stattdessen beginnt Dylan zu singen. Vielleicht ist es auch ein Sprechen. Oder eine Mischung aus beidem. Jedenfalls war er schon schlechter bei Stimme als an diesem Abend. Vielleicht ist deswegen auch die Musik seiner Band nicht so laut, wie sie für eine Country-Folk-Rock-Band sein könnte. Auch die Tatsache, dass das Licht im Saal zwar gedimmt, aber eben nicht vollständig ausgeschaltet ist, irritiert etwas und drückt auf die Stimmung.

Die Band blues-groovt, country-swingt, folk-rockt und driftet hin und wieder ins Jazzige ab. Das ist alles ganz toll. Das Set besteht fast zur Hälfte aus Stücken des letzten regulären Studioalbums „Rough and Rowdy Ways“, das auch schon wieder sechs Jahre alt ist, sowie aus Songs des 1997 erschienenen Albums „Time Out of Mind“. Darauf befindet sich auch das früh im Set auftauchende „Love Sick“. Vielleicht eine kleine Erinnerung des Meisters daran, dass er bereits 1998 in der Bremer Stadthalle auftrat, wenige Monate nachdem „Time Out of Mind“ erschienen war. Auch zwei Stücke aus dem vorletzten Studioalbum „Tempest“ werden gespielt. Damit liegt der Schwerpunkt eher auf den letzten 30 Jahren als auf den ersten 30 Jahren seines Schaffens. Einzig aus dem mariachi-inspirierten „Together Through Life“ wird keines der Stücke gespielt.

Natürlich finden sich auch einige ältere Songs im Set, allen voran das Anti-Liebeslied „It Ain’t Me, Babe“. Aber auch „Tangled Up in Blue“ und „When I Paint My Masterpiece“ finden ihren Weg ins Programm. Es lässt sich durchaus sagen, dass gerade diese Songs aus den 1960er- und frühen 1970er-Jahren den größeren Beifall und hier und da sogar Zwischenapplaus erhalten.

Die Band und Dylan selbst machen dabei keinen Unterschied und präsentieren die neuen wie die alten Songs im gleichen Stil. Das hat allerdings auch zur Folge, dass sich kein Stück so richtig abhebt. Alles verschwimmt zu einem einzigen Klangkosmos.

Auffällig bleibt, dass Dylan auf dieser Tour vollständig auf Songs des vielleicht bekanntesten Albums „Highway 61 Revisited“ verzichtet. Das bedeutet: kein „Desolation Row“, aber auch kein „Like a Rolling Stone“. Und das Wundersame ist, dass niemand diese Songs nach dem Abschlusstitel – dem wunderschönen „I Shall Be Released“ – zu vermissen scheint.

Am Ende stellt sich Dylan zusammen mit seiner Band in einer Reihe auf, winkt kurz und schlurft nach rechts davon. Die Band verschwindet auf der linken Bühnenseite. Im Vorbeigehen sagt eine Frau zu ihrem Freund oder Mann: „Das war so schön.“

Und das war es tatsächlich.

Eine Besonderheit gab es übrigens noch: Während des Konzertes war das Publikum angehalten, auf die Nutzung (und damit auch auf Fotoaufnahmen) zu verzichten. Daran hielten sich die Gäste. Ein Handy- und Fotosfreies Konzert hat es lange nicht mehr gegeben und auch an dieser Stelle kann gesagt werden, es wurde nichts vermisst. Deswegen gibt es an dieser Stelle auch kein Konzertfoto wie sonst auf unserer Seite.

Wer nicht dabei war und sich trotzdem dafür interessiert, wie es so gewesen ist, kann mit uns in die Vergangenheit reisen. Das Bob Dylan Konzert aus dem Jahr 1998 ist hier bei You Tube zu finden.


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