Der große Unbekannte: James McMurtry in Bremen
Zwischen Folk, Blues und Southern Rock: James McMurtry beweist im Schlachthof, dass er zu den großen seiner Zunft gehört.

James McMurtry gilt als einer der größten Songwriter in Amerika. Für den ganz großen Durchbruch hat es nicht gereicht. Dass das in naher Zukunft noch passieren wird, ist ebenfalls eher unwahrscheinlich. An der Qualität der Songs und Alben liegt es jedenfalls nicht. Davon konnte sich das Bremer Publikum im Rahmen von Sparkasse in Concert, präsentiert von Radio Bremen 2 (was eh der beste Sender im Lande ist), überzeugen.
Vor über zehn Jahren war James McMurtry das letzte Mal mit Band in Europa. Noch länger ist es her, dass er in Bremen auftrat. Radio Bremen 2 war damals schon im Moments dabei. Nun stehen die Songs des letztjährigen Albums „The Black Dog & The Wandering Boy“, welches den Tod von James McMurtrys Vater thematisiert und einen Blick auf die heutigen Vereinigten Staaten wirft, im Mittelpunkt des Sets. Dabei können die Lieder selten als grundsätzlich politisch bezeichnet werden. McMurtry verarbeitet diese Themen in Geschichten über die kleinen Leute, die sogenannte Working Class.
Los geht es pünktlich um 20:00 Uhr mit einem elektrischen Blues. Die Band bedient lediglich vier Instrumente: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Es klingt allerdings voller und nach mehr. Als würde die doppelte Menge an Musikern und Instrumenten auf der Bühne stehen. Es liegt an der Präzision, die trotzdem in den richtigen Momenten dreckig klingt. Und daran, dass es fantastische Musiker sind. Nicht zuletzt ist McMurtry selbst ein verdammt guter Gitarrist. Nach zwei Songs wechselt der Sänger zum ersten Mal an die Akustische, ehe es mit einem zehnminütigen Southern Rocker in die Pause geht. Gesprochen wurde auf der Bühne bis dahin wenig. Das sollte sich im zweiten Set nach der Pause noch ändern.
Das zweite Set begann im Grunde wie das erste, mit einem elektrifizierten Southern Blues. Höhepunkt des Abends war dann wahrscheinlich das alleine und komplett unverstärkt, nur auf der Akustikgitarre gespielte „Blackberry Winter“. Anschließend kehrte die Band zurück und spielte eine weitere knappe Stunde eine wilde Mischung aus akustischem Folk und elektrisierendem Southern Rock.
Beim letzten Song fordert McMurtry das sitzende Publikum auf, vor die Bühne zu kommen. Einige wenige folgen dem Aufruf. Verdient hätte die Band ein paar mehr Tanzende vor der Bühne. Auch wenn es bei einem Radiokonzert üblich ist, den Saal zu bestuhlen, so muss es für eine Band schwer sein, sich wortwörtlich den Arsch abzuspielen und während der Stücke kaum eine Reaktion vom Publikum zu erhalten. Zumindest keine unmittelbare. Der Applaus nach jedem Song kann da vielleicht nur bedingt entschädigen.
Zur Zugabe kommt McMurtry noch einmal alleine mit seiner Gitarre raus. Nach ziemlich genau zwei Stunden traditioneller amerikanischer Rockmusik ist Schluss. An dieser Stelle gebührt der Dank Sparkasse in Concert und Radio Bremen 2, die gemeinsam regelmäßig Acts abseits des Mainstreams und häufig exklusiv (wie in diesem Fall) nach Bremen holen.
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