Der Sonntag beim Deichbrand Festival: Stimmungsvoller Abschluss zwischen Indie, Rap und Rock

Der letzte Festivaltag bringt noch einmal jede Menge Energie, Emotionen und Festivalgefühl von lokalen Newcomern bis nationalen Headlinern mit.

Foto: Marcel Kloth

Cuxhaven/Nordholz. Der gestrige Sonntag zum Deichbrand-Abschluss ist der vierte Festivaltag mit Live-Musik, für viele Besucher*innen durch die beliebte und zu Zehntausenden genutzte Frühanreise am Mittwoch jedoch bereits der fünfte Tag auf dem Gelände. Nach den anfänglich noch hochsommerlichen Temperaturen sorgt die deutlich kühlere Witterung gemeinsam mit dem Regen in der Nacht für eine spürbare Veränderung. Schon am Vormittag beginnt auf den Campingplätzen langsam die Abreisewelle. Zelte werden abgebaut, Fahrzeuge beladen und erste Festivalgäste machen sich auf den Heimweg. Musikalisch hält der letzte Tag dennoch noch einmal zahlreiche Höhepunkte bereit.

Den Auftakt macht Cascada mit einem weiteren „Frühsport Spezial“. Bereits mit dem ersten Song „Evacuate The Dancefloor“ ist die Richtung klar: gute Laune und Party zum Start in den letzten Festivaltag. Auch wenn der Gesang stellenweise etwas dünn wirkt und vieles aus der Konserve kommt, sorgen die bekannten Eurodance- und EDM-Hits zuverlässig für Stimmung. Mit der neuen Single „Utopia“ zeigt Cascada außerdem, dass die Band nicht ausschließlich von ihren Klassikern lebt.

Anschließend übernimmt die Bremerin Alenna Rose mit ihrer vierköpfigen Live-Band die New Port Bühne. Vom Opener „Schön sein“ an überzeugt sie mit enormer Energie, viel Bewegung und persönlichen wie gesellschaftskritischen Texten. Immer wieder fordert sie das Publikum zum Mitmachen auf – spätestens, wenn sie auf die rote Leiter steigt, heißt das: mitklatschen! Nach 50 Minuten beendet sie ihren Auftritt mit „Die Stadt ist tot“ und hinterlässt einen frechen und gleichzeitig klar haltungsvollen Eindruck.

Mit The Rasmus folgt eine Band, die seit mehr als drei Jahrzehnten unterwegs ist und dennoch erstaunlich frisch wirkt. Die Finnen verbinden druckvolle Gitarren, düstere Atmosphäre und mitreißende Rockenergie zu einem intensiven Auftritt. Die Band blickt auf eine beeindruckende Karriere mit Nummer-Eins-Album in Deutschland zurück und veröffentlicht weiterhin regelmäßig neue Musik. Den Höhepunkt bildet der Hit „In The Shadows“, der den Auftritt stimmungsvoll abschließt.

Während der Regen erneut einsetzt, betritt Makko mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, Sonnenbrille und großer Kette die Bühne. Das aufwendig gestaltete Bühnenbild mit Bäumen, Podesten und einer griechischen Statue sorgt bereits optisch für Aufmerksamkeit. Musikalisch verbindet er Rap mit Gitarre, Keys und zwei Background-Sängerinnen. Seine Songs beschäftigen sich häufig mit persönlichen Struggles und mentalen Problemen, wirken jederzeit authentisch und ungekünstelt. Mit lässiger Skater-Ästhetik performt er ein Cover von „Deine Schuld“ von den Ärzten, dessen Hook er auch in einem eigenen neuen Song verwendet.

Vor der Fire Stage wird es anschließend besonders voll: Ikkimel zählt aktuell zu den gefragtesten Acts der deutschen Musikszene. Mit feministischem Rap auf kompromisslosen Techno-Beats verwandelt sie den Platz vor der Bühne in eine ausgelassene Party. Frech, provokant und feierwütig richtet sie ihre Texte klar gegen Macker und das Patriarchat. Die Energie überträgt sich sofort auf das Publikum, das die Show begeistert feiert.

Einer der emotionalen Höhepunkte des Tages folgt mit Giant Rooks. Die fünf Musiker beweisen einmal mehr, warum sie längst zu den spannendsten Indie-Bands Europas gehören. Bereits beim Opener „Want It Back“ springt Sänger Fred Rabe auf das Klavier und macht deutlich, wie viel Spielfreude in diesem Auftritt steckt. Zwischen atmosphärischem Indie-Pop und charismatischer Bühnenpräsenz entsteht eine besondere Mischung aus Intimität und Euphorie. Mit dem neuen Song „Slow Dance“, der bereits am Freitag erscheint, geben Giant Rooks zudem einen Ausblick auf ihre kommende Musik. Das wunderschöne „The Waves“, eine verlängerte Disco-Version von „Morning Blue“ sowie Freds Ausflug ins Publikum bei „Wild Stare“ sorgen für weitere besondere Momente. Die Band wirkt locker, frei und voller Energie – einer der schönsten Auftritte des gesamten Wochenendes.

Den Abschluss des Festivals übernimmt schließlich Headliner Sido. Eine Videoeinspielung zeichnet zunächst die wichtigsten Stationen seiner mittlerweile fast drei Jahrzehnte langen Karriere nach – von den Anfängen mit Maske und provokanten Punchlines bis zum erfolgreichen Künstler zwischen Rap und Pop. Mit „Hey Du“ betritt er die Bühne, bevor direkt „Bilder im Kopf“ folgt. Immer wieder setzt die Produktion auf große Pyroeffekte, besonders eindrucksvoll bei „Mein Testament“. Einige Songs enthalten eingespielte Hooks der jeweiligen Feature-Gäste, etwa bei „Mama hat gesagt“ mit Esther Graf oder „Monet“ mit Alligatoah. Gegen Ende sorgt ein Funkenregen bei „Astronaut“ für einen würdigen Abschluss eines abwechslungsreichen und stimmungsvollen Deichbrand Festivals.

 


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