Der Freitag beim Deichbrand Festival: Staubige Tanzmusik, feurige Headliner

60.000 Menschen feiern am zweiten Festivaltag zwischen Pop-Nostalgie, politischen Botschaften, energiegeladenem Punkrock und spektakulärer Headliner-Show.

Foto: Marcel Kloth

Cuxhaven/Nordholz. Der zweite Festivaltag beim Deichbrand Festival steht ganz im Zeichen von Staub, Sonnenschein und ausgelassener Festivalstimmung. 60.000 Besucher*innen feiern bei bestem Wetter auf dem ausverkauften Event und erleben einen abwechslungsreichen Freitag zwischen Pop-Nostalgie, politischen Botschaften, energiegeladenem Punkrock und spektakulärer Headliner-Show.

Den Auftakt auf der Water Stage übernehmen die No Angels. Die Pop-Girlgroup ist eher selten auf Festivals zu Gast und so ist ihr Auftritt ein besonderer Start in den Festivaltag. Unterstützt von einer vierköpfigen Band überzeugen sie mit stimmigen Choreografien und großer Spielfreude. Spätestens beim abschließenden „Daylight In Your Eyes“ macht sich die ehrliche Freude über diesen besonderen Festivalauftritt bemerkbar. Nostalgie, Unterhaltung und gute Laune verschmelzen zu einem gelungenen Auftakt.

Anschließend übernehmen Le Fly das Kommando. Die Hamburger gehören seit Jahren fest zum Deichbrand-Inventar und liefern mit ihrer „St. Pauli Tanzmusik“ den passenden Soundtrack für die Nachmittagssonne. Rock, Rap und Reggae werden zu einer mitreißenden Mischung, während vor der Bühne ausgelassen getanzt und gesprungen wird. Mit jeder Minute wirbeln die Fans mehr Staub auf und verwandeln das Infield früh in eine riesige Tanzfläche.

11 Musiker sollt ihr sein – direkt im Anschluss setzen Querbeat noch einen drauf. Die Brass-Pop-Band liefert eine abwechslungsreiche, spektakuläre Show, bei der ständig irgendwo etwas passiert. Zwischen Bläsern, Tuba-Solo, einer eigens erfundenen Wasserpistolen-Posaune und einem Crowdsurfing-Rennen auf riesigen Flamingos bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Mit Soffie feiert die Band außerdem die Live-Premiere ihres kommenden, gemeinsamen Songs, der gleichzeitig für ein Live-Musikvideo aufgezeichnet wird. Bei „Kein Kölsch für Nazis“ werden zahlreiche Fahnen geschwenkt, bei „Randale & Hurra“ schafft Pyrotechnik Atmosphäre. Ein Auftritt wie ein Wimmelbild, voller Energie, Lebensfreude und klarer Haltung.

Feine Sahne Fischfilet knüpfen nahtlos daran an. Mit „Wir kommen in Frieden“ eröffnen sie ihr Set, bevor Sänger Monchi bereits im zweiten Song „Alles auf Rausch“ per Crowdsurfing mitten durchs Publikum getragen wird. Die Band verbindet politische Statements mit persönlichen Geschichten und schafft eine intensive Stunde voller Zusammenhalt, Engagement und Emotionen. Besonders bewegend ist der ruhigere Song „Haut an Haut“, den Monchi seiner Tochter widmet. Gleichzeitig verwandelt auch hier viel Bewegung den Bereich vor der Bühne in einer riesige Staubwüste.

Nicht weniger eindrucksvoll präsentiert sich Marlo Grosshardt auf der New Port Bühne. Mit klar antifaschistischen Botschaften und dem Aufruf, Banden zu bilden, setzt er starke politische Akzente. Seine tiefgehenden Texte verbinden rauen Pop mit nostalgischen Melodien und tanzbaren Rhythmen. Zum Abschluss startet er mit Posaune einen Circle Pit, ein passender Schlusspunkt, der in Erinnerung bleibt.

Während es langsam Richtung Sonnenuntergang geht, übernehmen die Beatsteaks die Fire Stage. Seit Jahrzehnten zählen sie zu den beliebtesten Live-Bands Deutschlands und beweisen einmal mehr ihre außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Die Mischung aus unbändiger Energie, großer Spielfreude und spürbarer Nähe zum Publikum funktioniert auch an diesem Abend hervorragend. Zwischendurch übernimmt Gitarrist Peter solo den Song „Hey Du“ und setzt so einen ruhigen, persönlichen Akzent innerhalb des kraftvollen Punkrock-Sets.

Im Anschluss zieht Tjark auf New Port viele Besucher*innen in seinen Bann. Gemeinsam mit seinem Gitarristen Manu und seinem Schlagzeuger Finn eröffnet er mit „Das Größte, was es gibt“, bevor mit „Kalt“ der nächste Titel seines im März erschienenen Debütalbums folgt. Seine ehrlichen Texte zwischen Indie-Pop, Folk und modernen Sounds erzählen von Sehnsucht, Unsicherheit und Aufbruch und treffen damit das Lebensgefühl vieler junger Menschen. Der junge Musiker ist mit authentischer Bühnenpräsenz gelegentlich am Klavier oder an der Akustik-Gitarre zu sehen, seine Geschichten gehen direkt ins Herz. Das euphorische Finale mit „Lauf“ bildet den emotionalen Abschluss seines Auftritts.

Den Schlusspunkt des Freitags auf der Fire Stage setzen schließlich Electric Callboy als Headliner. Schon zu Beginn sorgen Pyrotechnik und Konfetti für Begeisterung, während das aufwendige Bühnenbild und mehrere Kostümwechsel den Showcharakter unterstreichen. Die Band verbindet brachiale Metalcore-Härte mit elektronischer Festival-Euphorie und liefert genau den explosiven Mix, der sie aktuell weltweit erfolgreich macht. Eine kurze Anspielung von „Everytime We Touch“ entwickelt sich wenig später zur bandtypischen Trancecore-Version, das Original folgt dann am Sonntag von Cascada. Electric Callboy vollbringen das Kunststück, dass bei ihnen gleichzeitig geravet und gemosht werden kann.

 


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