Hits, Hits, Hits – Kettcar im Schlachthof

Gestern spielten Kettcar im ausverkauften Schlachthof ihr bisher (vielleicht) bestes Bremen-Konzert - und das war so....

Kettcar

Was war es doch für eine schöne Überraschung, als vor ein paar Monaten das Konzert von Kettcar im Schlachthof angekündigt wurde. Kurzfristig kam es zwar zu einer kleinen Verwirrung rund um den Termin, doch als die Show endgültig bestätigt war, stand der Vorfreude nichts mehr im Wege.

Ich weiß nicht, ob der Band bei der Ankündigung des Konzerts bereits bewusst war, dass die Handvoll Auftritte dieser kleinen Tour die letzten Shows von Keyboarder Lars Wiebusch sein würden. Der Musiker gab kürzlich bekannt, nach knapp 25 Jahren die Band zu verlassen. Entsprechend emotional war der Abschied in Bremen – auf, aber auch vor der Bühne.

Den Auftakt machten Schluma aus Hamburg. Die Band, die jüngst einen Vertrag beim Kettcar-Label Grand Hotel van Cleef unterschrieben hat, spielte ihre von der Hamburger Schule inspirierten Lieder über Biertrinken, Mensakaffee, Nebenjobs und Zweisamkeit. Das kam vor allem auf den Rängen gut an.

Solche Konzerte zwischen zwei Alben sind für Fans oft die schönsten. Es gibt kein neues Werk, das beworben werden muss, und die Setlist entwickelt sich meist zu einem Best-Of mit einigen Deep Cuts und gelegentlich sogar dem ein oder anderen neuen Song. Letzterer blieb im Schlachthof zwar aus, den Rest erfüllte die Band jedoch zur vollsten Zufriedenheit des Publikums.

Konzerte sind häufig ein Heraufbeschwören von Erinnerungen. Die eigene Jugend, der erste Kuss, ein Umzug oder die Geburt des ersten Kindes – all diese Ereignisse werden oft von Musik begleitet. Und genau an die Gefühle, die mit diesen Momenten verbunden sind, möchten viele bei einem Konzert erinnert werden. Kettcar haben dabei den Vorteil, dass ihr Publikum über ein Vierteljahrhundert hinweg nicht nur größer, sondern auch älter geworden ist. Mit jedem Album kamen neue Fans hinzu. Entsprechend verbinden viele Menschen auch etwas mit dem jüngeren Werk und nicht ausschließlich mit den alten Hits.

Die Stimmung im ausverkauften Schlachthof ist von Beginn an hervorragend. Relativ früh im Set folgt der „Politikblock“ mit den Stücken „München“, das Alltagsrassismus thematisiert, und „Sommer ’89“. Gemeinhin heißt es, das Kettcar-Fanlager teile sich in zwei Gruppen: Die einen mögen die politischen Songs lieber, die anderen bevorzugen die Liebeslieder. (Nur um das festzuhalten: Ich mag beide, und genau dieser Kontrast – Rio Reiser nicht unähnlich – macht Kettcar für mich aus.) Die „Lovesong-Fraktion“ kam mit „Balu“, „48 Stunden“ und auch „Rettung“ voll auf ihre Kosten. Schade nur, dass die Band auf das großartige, etwas jüngere Stück „Zurück“ verzichtete, das an diesem Abend hervorragend gepasst hätte.

Danach gab es kein Halten mehr. Kettcar spielten sich knapp zwei Stunden lang durch ein Best-Of ihres Schaffens. Aber auch kleinere Raritäten wie „Einer“ vom zweiten Album fanden ihren Weg ins Set, ebenso wie ganz am Ende der Bonustrack des Debüts: „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt“. Im Fußball würde wohl gesagt werden, die Intensität auf dem Platz habe gestimmt. Die Intensität auf und vor der Bühne stimmte an diesem Abend definitiv ebenfalls. Der Band waren sowohl die Spielfreude als auch die Emotionen rund um den Abschied von Lars Wiebusch deutlich anzumerken. Das Publikum bedankte sich mit ausgelassener Stimmung.

So entließ eine der besten und beeindruckendsten Bands des Landes ihre Fans in eine laue Sommernacht, die perfekt zur Atmosphäre dieses Abends passte.

 


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