Internationale Punk-Connection

Zebrahead, Itchy und Tim Vantol - drei befreundete Acts haben den Auftakt ihrer gemeinsamen Tour am Dienstag im Schlachthof gespielt.

Itchy

Bremen. Das Kulturzentrum Schlachthof stand am Dienstagabend ganz im Zeichen einer ausgelassenen, schweißtreibenden Punkrock-Party. Mit Itchy und Zebrahead touren zwei Bands gemeinsam, die sich schon Ewigkeiten kennen und musikalisch passend ergänzen. Dass es auch zwischenmenschlich bestens harmoniert, wird beim Konzert schnell klar, die gemeinsame Show wirkt wie ein Abend unter Freunden.

Dazu zählt auch Tim Vantol als eröffnender Act, der schon zu einer Zeit auf die Bühne geht, zu der bei anderen Konzerten noch nichtmal der Einlass gestartet ist. Gegen 19:15 Uhr legt der niederländische Singer-Songwriter los, ein knapp halbstündiges Set hat er mitgebracht. Vor einigen Monaten habe Sibbi von Itchy ihn in der Küche gefragt, ob er Support auf der Tour sein möchte, berichtet er. Da er auf der jetzigen Reise solo ohne Band unterwegs ist, wurde ihm das Publikum als lauteste Begleitband und Chor versprochen, sodass er reichlich Mitsing-Parts in sein Set einbaut. Mit seiner Gitarre, den akustischen Punkrock-Songs und rauer Stimme, erinnert er an Chuck Ragan oder Frank Turner – insgesamt liefert Tim Vantol einen gelungenen Auftakt in den Abend, bevor er nach 6-7 Songs wieder in den laut ihm mit knapp 25 Personen rappelvollen Backstage verschwindet.

Während des Umbaus wird anhand des Bühnenbildes schnell klar, dass die nächste Band schon Zebrahead sein wird – obwohl die meistens Anwesenden die Gruppe aus Orange County im Süden Kaliforniens wohl als letzten Act vermutet hätten. Aber klar, bei einer Co-Headline-Tour wechseln die Slots beinahe täglich, entschieden wird durch kleine, spielerische Duelle zwischen den Bands im Laufe des Tages, und so dürften die Herren mit ihrer Mischung aus Punk, Rap und Metal heute zuerst eine gute Stunde lang ran. Schon im Intro bilden sich der erste Circle Pit im engen Innenraum des Schlachthofs – kurz darauf wird es richtig wild: Rapper Ali Tabatabaee springt auf die Arme der Besucher*innen und unzählige Crowdsurfer*innen tun es ihm gleich. Etliche Menschen lassen sich auf Händen tragen, teilweise sind 4-5 Personen gleichzeitig unterwegs. Minutenlang geht das Spektakel, dem die Fans entweder beiwohnen oder es begeistert beobachten.

Für das Beastie Boys-Cover „Fight For Your Right” spielt Sibbi von Itchy schon an der Gitarre mit, mit 13 Songs aus neun Alben arbeiten sich die US-Amerikaner zusätzlich durch große Teile ihrer Diskographie. Seit fast 30 Jahren ist die fünfköpfige Band unterwegs und augenscheinlich kein bisschen müde. Durchgängig wird angeheizt, animiert, drei Personen in Skelett-Anzügen mischen hinter einer Bar rechts auf der Bühne frische Getränke, das detailreiche Bühnenbild wird zudem geprägt durch Skelette, Ufos und Aliens. Zum Ende des einstündigen Rauschs lässt sich einer der „Bühnen-Barkeeper“ auf einem Schlauchboot erst über die Köpfe des Innenraums auf und ab und anschließend die steilen Schlachthof-Ränge hoch zu FOH tragen. Dem Tour-Motto „It’s Friday Night… Every Fucking Night“ sind Zebrahead während ihrer einstündigen Show auf jeden Fall vollends gerecht geworden.

Es kommt eher selten vor, dass zwei Nightliner von dem Kulturzentrum Schlachthof parken, aber diesmal war es soweit. Nachdem Itchy die letzten vier Tage als Support-Act für die Donots unterwegs waren, startet jetzt direkt im Anschluss ihre eigene Co-Headliner-Tour. Es ist die erste von sieben gemeinsamen Shows mit Zebrahead und Tim Vantol – die lange Verbundenheit mit den US-Amerikanern und der Spaß, den sie offenbar an ihrer gemeinsam verbrachten Zeit haben, überträgt sich dabei auch auf die Bühne. Schon 1998 haben Itchy und Zebrahead zusammengespielt – und auch die heute gespielten Songs des Punkrock-Trio sind ein Querschnitt vergangener Jahre und Jahrzehnte: alt, neu, deutsch, englisch – Hauptsache schweißtreibend, unterhaltsam und eskalativ.

Der dritte Song „Dancing In The Sun” startet erst, als der Dezibel-Messer oben am Sound eine Marke geknackt hat und das Bühnenlicht grün wird. Besonders ist auch der crowdsurfende Bandfotograf, der während er Bilder knipst, noch mit der freien Hand die Richtung angibt. Itchy haben als sympathische, verlässliche Konstante im deutschen Punkrock schon mehrfach im Schlachthof gespielt und betonen den einzigartigen Club – heute stehen sie vor ihrem bisher größten Publikum in Bremen. Anhand von Handzeichen wird schnell klar, dass deutlich mehr Menschen wiederholt als erstmals dabei sind – und einige das Konzert sogar einem Besuch des zeitglichen Werder-Pokalspiels im Weserstadion vorgezogen haben. Stimmungsmäßig erreichen Itchy und Zebrahead ein Level – da Itchy mehr im Punk und Zebrahead mehr in Richtung Crossover ihre Schwerpunkte haben, ist es eine optimale Ergänzung und ein angenehm kurzweiliger Abend.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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