Bodenständig und umarmend

Auf Akustik-Tour hat das internationale Trio Mighty Oaks aus Berlin ein gefühlvolles Konzert im ausverkauften Kulturzentrum Schlachthof gespielt.

Mighty Oaks

Bremen. Die international verwurzelten und in Berlin lebenden Mighty Oaks sind zurück aus einer zweijährigen Pause – und das mit beeindruckendem Pensum im Rahmen einer besonderen Tour. Akustisch spielen sie 23 Konzerte in einem Monat durch besondere Konzerthäuser wie Philharmonien, Theater und Kirchen – und natürlich im Bremer Kulturzentrum Schlachthof. Diesen hat das Folk-Trio seit Wochen ausverkauft, die lange Schlange vor Einlassbeginn zieht sich bis zum nebenan stattfindenden Freimarkt. Pünktlich zur früh einsetzenden Dunkelheit am Tag der Zeitumstellung wird es in den Gemäuern eng und kuschelig – also müssen alle Besucher*innen aufstehen, damit jede*r die Chance auf einen Platz mit Bühnenblick hat.

Dort sehen die 950 Fans zunächst Joya Marleen als Support-Act solo mit Akustik-Gitarre. Die junge Singer-Songwriterin aus der Schweiz steht zum ersten Mal in Bremen auf der Bühne und beeindruckt das Publikum sofort mit einer sympathischen, aufgeweckten Präsenz. Mit Humor und Selbstbewusstsein überzeugt sie die Zuschauer*innen, erntet sowohl Applaus als auch Lacher. Erzählfreudig teilt sie Einblicke in ihr Leben und die Entstehung ihrer Songs. Sie berichtet, dass sie bereits zu Schulzeiten in Bars und Restaurants aufgetreten ist und kürzlich bei der Schweizer Edition von „Sing meinen Song“ mitgemacht hat. Das Publikum lauscht aufmerksam, beinahe andächtig – sehr respektvoll gegenüber der Solokünstlerin. Die Musikerin wechselt mühelos zwischen Gitarre und Keyboard und überzeugt mit einer starken Stimme und einer erfrischenden Art. Ein Highlight ihres Auftritts ist ihre Interpretation von „Big in Japan“ – ein Stück, das sie durch ihre Eltern geprägt hat – erst kürzlich entdeckte sie, dass die Interpreten Alphaville aus Deutschland stammen. Nach ihrem halbstündigen Set verlässt sie die Bühne unter großem, verdientem Applaus.

Die Mighty Oaks – ein Trio aus einem Amerikaner, einem Engländer und einem Italiener, die sich einst in Berlin fanden – stehen heute Abend zu dritt auf der Bühne. Seit 2014 haben sie bereits fünf Studioalben veröffentlicht, das jüngste „High Times“ erst im September. Die neuen Songs schlagen eine ruhigere, akustische Stimmung an und dieses Gefühl transportieren die drei auch live. Keine weitere Begleitband, kein Schlagzeug, dafür drei gleich hohe Podeste auf der Bühne, auf denen jeder Musiker abwechselnd unterschiedliche Instrumente wie Gitarre, Banjo, Klavier oder Bass spielt. Mighty Oaks eröffnen ihr Konzert mit einem beeindruckenden, dreistimmigen Gesang, der sich mal harmonisch, mal leicht versetzt durch den Saal zieht. Ian Hopper, mit Cowboyhut, Akustik-Gitarre und einer Bassdrum zu seinen Füßen, gibt den Takt vor und lässt die Fans in seine gefühlvollen Melodien eintauchen.

Die Kesselhalle ist voll, das Publikum lauscht ruhig und respektvoll, als wollten sie keinen Ton verpassen – doch der Applaus zwischen den Songs ist frenetisch. Begleitet von einer atmosphärischen, stimmungsvoll in Szene setzenden Lichtshow, spielen Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders bodenständige, einnehmende, umarmende Musik. Es ist das 21. von 23 Tourkonzerten innerhalb eines Monats, doch dieses Pensum ist ihnen nicht anzumerken, sie wirken frisch und erholt. Ian Hopper redet in seinen Ansagen englisch, bis er mit einem charmanten „Is‘ ganz schön voll, wa?“ das Eis bricht und ab dem Song „Runaway Train“ immer mehr auf Deutsch spricht.

Mit einer ganz atmosphärischen Performance erreichen Mighty Oaks alle im Raum – Fans der ersten Stunde wie neue Hörer*innen. Reduziert auf den Kern ihrer Band verspüren sie eine große Dankbarkeit ihrem Publikum gegenüber, das wird ganz authentisch spürbar. Nach „Heavy“ über einen Roadtrip von Ian und seinem Vater, kommt ihr Support-Act Joya Marleen zurück auf die Bühne. Zusammen singen sie „Kids In Love“ vom aktuellen Album, auch im Original ein Feature der beiden. Zum abschließenden „Mexico“ erstrahlen sogar die drei Podeste kurz in den drei Farben der mexikanischen Flagge – solche kleinen, liebevollen Details machen den Abend auch aus.

Zur Zugabe stehen die drei Musiker im Halbkreis vorne an der Bühnenkante, spielen „Endless Summer“ und „All Things Go“ akustisch mit Gitarren und Banjo, bevor sie für ihre zweite Zugabe noch einmal zurückkehren. Der finale Song „Brother“ lässt das Publikum zum Abschluss noch einmal laut jubeln und mitsingen und schließt einen besonderen Konzertabend ab.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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