Sommerlich leichter Festivalurlaub

Natur, Musik und Freundschaft - so war das Rocken am Brocken Festival vergangenes Wochenende im Harz.

Foto: Jörg Kröger

Elend. „Willkommen in Elend“, begrüßt die Ortseingangstafel die Anreisenden zum diesjährigen Rocken am Brocken Festival mitten im Nationalpark Harz. Der kuriose Ortsname hat mittlerweile Bekanntheit in ganz Deutschland gefunden – nicht ganz unschuldig ist das ansässige Festival, das vergangenes Wochenende bereits zum elften Mal stattgefunden hat. Als Headliner waren in diesem Jahr Bosse, Feine Sahne Fischfilet und Irie Révoltés dabei.

Bereits auf der Anreise gilt es, zahlreiche Höhenmeter zu bewältigen. Mit mehreren Personen im vollbepackten Auto stellt sich dies nicht immer leicht dar. Endlich angekommen, ist man jedoch sofort tiefenentspannt und wie an einem besseren Ort. Durch das Rauschen der Bäche in den Wäldern, das Hupen der Dampflock und vor allem die unglaublich entspannte und freundschaftliche Atmosphäre auf dem Zeltplatz und vor den Bühnen, fühlt es sich wie Urlaub an. Mit gut 5000 Besuchern auf dem großzügigen Gelände ist es zudem weder überfüllt, noch kommerzbelastet.

Das musikalische Programm spielt sich in diesem Jahr auf der großen Brockenbühne sowie nebenan auf der Zeltbühne im Jägerzirkus ab. Umringt von Bäumen gibt es den Zauberwald und natürlich Mutombo bei der Hexenhütte, an beiden Stellen legen DJs wie Oliver Koletzki und die Bassraketen auf. Im Klangnest geben in liebevoll dekorierter Umgebung Singer-Songwriter einen Einblick in ihr Können.

Als erste Band stehen am Donnerstag Rikas auf der Bühne, bevor Brett kantigen Punk performen. Bereits zum fünften Mal in Folge spielen Razz auf dem Festival. Eine nie endende Liebe, die in diesem Jahr mit vielen neuen Songs und der Ankündigung eines zweiten Studioalbums für den kommenden Monat neu entfacht wurde. Jeder hier kann die Texte mitsingen, die Band gehört einfach zum Festival dazu. Bei Warhaus gibt es anschließend von der Band Balthazar bekannte Gesichter, bevor Headliner Bosse auf der großen Bühne tanzt. Nach acht Jahren kehrt er zurück an diesen besonderen Ort, inzwischen gereift zum Star und Nummer-Eins-Künstler. Bodenständig ist er geblieben, freudig strahlt er über die Euphorie vor der Bühne. Er spielt eine Art Best-Of-Set, von alten Songs wie „3 Millionen“ über den Klassiker „Schönste Zeit“ bis zum neuen „Krumme Symphonie“. Die Besucher können mitsingen und feiern den 37-jährigen ausgelassen. Nebenbei ruft er dazu auf, die an diesem Wochenende überall präsente Organisation Viva con Agua zu unterstützen – eine tolle und wichtige Geste. Nach einem verschwitzten Konzert von Mother´s Cake wird bei Schluck den Druck noch fleißig gesprungen und Schokolade verteilt und nachts bei DJ !Mauf traditionell zu den besten Indie-Sounds getanzt.

Ausschlafen ist angesagt am nächsten Morgen – wer früh raus will, findet aber beim sportlichen Programm am nahegelegenen Waldbad auch reichlich Aktivitäten vor. Nachmittags spielen Leoniden als erste Band ein 45-minütes Power-Set, bevor des Equipment schnell in den Bus geladen wird und die Reise weiter zum Oakfield Festival geht. Bei Pohlmann liegen die Besucher anschließend vor der Bühne im Gras oder sitzen auf dem Grün, nur die ersten Reihen stehen. Zu einladend ist die tolle Ausstrahlung des Sängers mit seiner Band, zu gut das Wetter – wie eine Aufforderung zu den nicht immer ruhigen Klängen kurz die Augen zu schließen. An diesem Tag gibt es danach vor allem ein sehr lautes und rockiges Programm auf den beiden Hauptbühnen. Adam Angst spielt seine aktuelle Single „Wir werden alle sterben“ und schreit seine Wut heraus, die Newcomer Vizediktator begeistern mit eindeutigen und kantigen Songs im Zelt. Der Auftritt von Milliarden fühlt sich wie der eines Headliners an, so sehr proben sie den Abriss, lassen die Besucher springen und laut mitsingen. Der endgültige Lautstärkepegel wird bei Van Holzen erreicht – drei blutjunge Musiker, die zu dritt unglaublich positiven Krach machen. Klarer Gesang, mächtige Gitarrenriffs, kräftiger Bass sowie ein energischer Schlagzeugklang lassen eine geladene Soundwelt entstehen, in der die Power der Newcomer greifbar ist. Unglaublich abgebrüht und selbstbewusst blicken sie einer feiernden Masse entgegen, und das mit gerade einmal 18 Jahren. Krass. Wo soll das mal hinführen?

Rauch und Qualm im Publikum, klare Ansagen und ein Fass Pfeffi auf der Bühne gibt es bei Feine Sahne Fischfilet, die ihre Fans in der frühen Nacht durchdrehen lassen. Zwischen „Komplett im Arsch“ und „Geschichten aus Jarmen“ bleibt Platz für wichtige Statements, die polarisierende Band hat der Herz am richtigen Fleck und trägt dieses stets auf der Zunge. Ein klasse Konzert! Bunte Lichter durchziehen in dieser Nacht die Wälder um das Gelände, überall gibt es Dekorationen und Installationen zu entdecken. Auf der Bühnen stehen Kock´s Motel und Neonschwarz, die den Tag auch musikalisch ausklingen lassen.

Für die Frühaufsteher geht es am nächsten Tag um 10 Uhr zum Akustikpfad durch die schönen Landschaften, wobei drei Singer-Songwriter auf dem Weg an unterschiedlichen Stationen auftreten. Am Nachmittag spielt der britische Musiker Jake Isaac auf der Brockenbühne und überzeugt mit freudiger Ausstrahlung und authentischer Art. Newcomer Drangsal spielt die Songs seines Debütalbums mit mehr Publikumsinteraktion als gedacht. Der mit Vorfreude erwartete Auftritt von Eau Rouge geht im viel zu starken Bassgewummer leider unter, die Atmosphäre geht verloren. Man versteht kein Wort. Schade eigentlich! Feine Indie-Tanzmusik gibt es bei den ganz in weiß gekleideten Roosevelt vor einer Lichterinstallation. Zeit, sich zu bewegen! Vulgären und provokant asozialen Frauenrap machen die polarisierenden Sxtn, bei denen entweder wild gefeiert oder sich vor Entsetzen angestarrt wird. Viele sind sich bis zum Schluss uneinig, was sie davon jetzt halten sollen. Nach kurzem Gastspiel von Gurr spielen die Irie Révoltés einen ihrer letzten Festivalauftritte, bevor sie sich zum Ende des Jahres auflösen. Noch einmal wird getanzt, gesprungen und gefeiert. Gleiches gilt für Le Fly, mit denen in die Nacht geflogen wird.

Damit endet ein dreitätiges Spektakel voller Musik in wunderschöner Umgebung mit super Menschen. Wer das einmal erlebt hat, möchte ganz sicher wiederkommen!

 

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Die Bilder zum Rocken am Brocken Festival 2017 findet ihr hier

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