Die zehn besten Alben 2018 – von Pascal

Am meisten gehört, für gut befunden, live gesehen oder ist es das Gesamtkonzept? Die Auswahl die besten Alben des Jahres zu finden ist schwer.

Eine Best-of-Liste während des laufenden Jahres aufstellen? Kann man machen. Muss man aber nicht. Denn eigentlich muss doch gewartet werden bis zum letzten Tag des Jahres. Und dann Anfang des neuen Jahres hinsetzen und tatsächlich Bilanz ziehen. Es hätte ja noch an Silvester ein Song oder ein Album in die Gehörhgänge und in den Kopf wandern können.

10. Tocotronic – Die Unendlichkeit

Die Unendlichkeit ist mittlerweile das zwölfte Studioalbum der für viele bedeutesten deutschen Indie-Rock-Band Tocotronic. Das Album ist nicht überragend, aber gut. Und beim Doppelkonzert mit Kettcar im Übel & Gefährlich haben sie mich auch live wieder überzeugt.

9. Frank Turner – „Be more Kind“

Frank Turner muss irgendwie sein. Ja, die vorherigen Alben sind stärker, facettenreicher und einprägsamer. Aber auch „Be more Kind“ gefällt, denn Herr Turner bestätigt seine altbekannten Qualitäten.

8. Donots – Lauter als Bomben

Abwechslungsreich ist „Lauter als Bomben“ geworden. Aber ist es zu viel, was die Punkrock-Spaßcombo Donots auf dem neuen Album unterbringen wollten? Nein, die Fülle funktioniert: Von schnellen Stücken über Festival-Hymnen zum Mitgrölen bis zur Punk-Nostalgie-Miniballade „Das Dorf war L.A.“ ist ein guter Mix zu finden. Mögliche Ursache: Das Album nahmen die Musiker aus Ibbenbüren mit Blackmail-Mastermind Kurt Ebelhäuser auf, mit dem sie auch ihr Erfolgsalbum „Coma Chameleon“ produzierten. Nach „Karacho“ 2015 ist es die zweite Platte, auf der deutsch gesungen wird. Ein knackiger, knalliger und kompakter Rundumschlag.

7. Pennywise – Never gonna die

Ein neues Album von Pennywise auf den Plattenteller zu legen und zu hören, ist irgendwie auch wie einen alten Bekannten zu treffen. Man erinnert sich an so vieles, es sind aber auch neue Geschichten dabei. Die Vertrautheit in der Musik haben die Herren der in Hermosa Beach, Kalifornien, gegründeten Punkband wieder hinbekommen. Kann man gut durchlaufen lassen.

6. Red City Radio – Skytigers

Seit Jahren eine Lieblingsband. Der Bremen-Bezug ist durch ihr Label Gunner Records hergestellt. Das, was bei Gunner Records erscheint, kann so gut wie ungeprüft gehört und konsumiert werden. Die neue EP namens „SkyTigers“ wird bestimmt durch die Stimme des Sängers Garrett Dale. Wer die mag, mag auch die Platte.

5. Grillmaster Flash – Stadion

Der Lokalmatador. Nicht weil das Album beim Grand Hotel van Cleef erschienen ist, nicht weil es viele abfeiern, nicht weil es einfach richtig gut ist. Nein, dieses Werk steht hier auch und vor allem wegen Grilli selbst. Den Erfolg, seine Touren mit Madsen und Kettcar – das hat er sich verdient. Richtig feines Singer-Songwriter-Ding aus Bremen.

4. Matula – Schwere

Das Album „Schwere“ hat vier Jahre auf sich warten lassen. Vier Jahre Warten, die sich gelohnt haben. Es gibt keinen schlechten Song auf diesem Album. Irgendwo zwischen Punkrock und Indie-Gitarren-Rock ist das Ding eine druckvolle, feine Produktion geworden. Statt einem starken Aufbäumen ist es eine rastlose Melancholie, die die Musik und die Texte bestimmt.

3. Spanish Love Songs – Schmaltz

Ey, hör dir das mal an. Das wird dir gefallen, schrieb mir Kollege Jens bei Twitter. Ich hörte es mir an. Ich hörte es immer und immer wieder. Es gefiel mir. Und wie. Die Punkrock-Band aus Los Angeles ist für mich die Entdeckung des Jahres. Es ist der Mix aus melodischem Punkrock und tieftraurigem Emo, der begeistert. Sänger Dylan Slocum singt, fleht, weint und schreit. Toll.

2. Feine Sahne Fischfilet – Sturm & Dreck

Feine Sahne Fischfilet hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Die Punkband sorgte mit dem „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz oder dem abgesagten Auftritt im Bauhaus Dessau für Wirbel. Ihre Auftritt und Musik sind die Inszenierung der Revolte, die Bengalos brennen, die Schnäpse rinnen und die Wut bricht heraus. Ein virtuoser, gar filigraner Sänger ist Jan „Monchi“ Gorkow nicht, wie er selbst auf der ersten Single-Auskopplung „Alles auf Rausch“ zugibt. Mit etwas mehr Rhythmus in den Songs könnte der Stil der Gruppe aus einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern auch Ska-Punk sein. So handelt es sich um treibenden Punkrock mit kräftigen Bläsersätzen. Viel wichtiger: Es ist Musik mit Haltung, und es sind rasante Hymnen. Mit Courage. Mit wuchtigen Klängen und Aussagen statt Lyrik. Feine Sahne Fischfilet sind auf ihrem Album „Sturm und Dreck“ nicht mehr ganz so plakativ wie auf ihren ersten Platten. Aber umso einprägsamer.

1. Stun – Today we Escape

Kann man das machen? Eine Bremer Band mit ihrem Album auf den ersten Platz der Jahrescharts setzen? Ist sie so relevant? Ist das Album so stark, so gut, so überragend? Kann diese lokale Combo um Sänger Marco Goerlich besser sein, als das, was national und international auf den Markt kam? Ist ihre Album-Produktion besser als die der großen Major-Labels, Plattenfirmen uns Mega-Produzenten? Schwingt da dieses „Ich-kenne-die-Jungs-die-wohnen-um-die-Ecke“-Gefühl mit? Ist es dieser eine Song, der dich mit einem Freund seit Ewigkeiten verbindet? Ist alles egal. Ich höre das Album in Dauerschleife. Fast täglich, seit Monaten. Meist bei der Arbeit, wenn der Lärmpegel im Großraumbüro nervt. Der entscheidende Parameter: Ich kann mich nicht satt hören. Danke Jungs.

Ebenfalls in der Verlosung, aber nicht in den Top-Ten sind folgende Platten: Mantar (The modern art of setting ablaze), Element Of Crime (Schafe, Monster und Mäuse), Eminem (Kamikaze), Hannes Wittmer (Das große Spektakel), KMPFSPRT (Gaijin), Mad Caddies (Punk rocksteady), Milliarden (Berlin) oder Rise Against (The ghost note symphonies).

 

 


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