Elektro, Punk und eine Menge Schweiß
Die britische Elektro-Punk-Band Wargasm machte für eine ihrer wenigen Clubshows diesen Sommer im Tower Halt. Zur Unterstützung hatten sie die Rapperin Mimi Barks aus Bochum sowie die Heavy-Pop-Band Farewell Spit aus Koblenz dabei.

Bremen. Schon nach Betreten des Towers gab es für mich die erste Überraschung des Abends. Denn heute standen nicht nur zwei Bands auf der Bühne, sondern die Koblenzer von Farewell Spit übernahmen die Rolle des zusätzlichen Openers. Vor einem schon gut gefüllten Laden konnten die drei Herren um Frontfrau Alicia schnell mit ihrem Heavy-Pop überzeugen. Die Stimmung auf und vor der Bühne stieg schnell, sodass die Truppe garantiert ein paar zusätzliche Fans abstauben konnte. Die klar von Paramore inspirierte Band konnte es sich zum Abschluss natürlich nicht nehmen lassen, den großen Hit „Misery Business“ ihrer Vorbilder zu covern und die Bühne gut gelaunt nach knappen 25 Minuten wieder zu verlassen.
Blitzschnell ging es nun weiter mit dem eigentlichen Support des Abends. Mimi Barks aus Bochum brachte eine krude Mischung aus Elektro, Trap und Metal auf die Bühne des Musikclubs. Leider machte ihr der Sound zu Beginn einen kräftigen Strich durch die Rechnung, sodass die zahlreichen, eingespielten Vocalspuren, Gitarren und Drumparts sich zu einem Brei vermengten. Für mich stellte sich ab diesen Zeitpunkt leider nur die Frage, ab welchen Punkt eine Show noch live ist, oder ab wann sie eine Playback-Performance ist. Aber das wäre ein Thema für einen anderen Tag. Nachdem der Sound sich schließlich eingepegelt hatte, konnte man die Vision der Künstlerin erkennen. Die ersten Bewegungen im Publikum waren ab diesem Zeitpunkt zu sehen und Frontfrau Mimi sowie ihre Begleitungen an Gitarre und Drums hatten sichtlich Laune. Einige der Anwesenden erfreuten sich währenddessen mit den von Mimi ins Publikum beförderten „Leichensäcken“, welche wie Volleybälle durch den Club flogen. Nach knappen 30 Minuten war die Fahrt vorbei und die Leute konnten nun dem Headliner des Abends entgegenfiebern.
Schon vor Beginn der Show tummelten sich fast alle Anwesenden dicht gedrängt vor der Bühne. Eindeutig waren Wargasm hier heute der unangefochtene Chef im Ring. Schon bei den ersten Takten des Openers „Backyard Bastards“ ging der gesamte Laden steil. Sichtlich begeistert von diesem Anblick, traten die Musiker um das Front-Duo Milkie Way und Sam Matlock weiter aufs Gaspedal. Ohne Verschnaufpause ging der wilde Ritt aus Elekto, Punk und Metal mit Krachern wie „Fukstar“ und „Pyro Pyro“ weiter. Das Publikum dankte es den Briten mit einem durchgängigen Moshpit, Stagedivern und einer Stimmung, welche ich in dem kleinen Club selten gesehen habe. Die Temperatur im Tower überschritt mittlerweile die einer Sauna, während die Fünf einen Banger nach dem Anderen abfeuerten. Songs wurden geremixt, mit neuen Samples versehen, oder ineinander gespielt. Hier kam keine müde Sekunde auf! Alles gepaart mit einer coolen Punk-Attitüde, trotz der teilweise sehr harten Breakdowns und Elektro-Beats. Aber kein Wunder, denn Sänger Sams Vater hatte seinerzeit schon seine Finger bei einem der einflussreichsten Alben des Genres mit im Spiel und dieses Auftreten garantiert an seinen Sohn vererbt. Mit einem grandiosen Dreierpack bestehend aus „Feral“, „D.R.I.L.D.O.“ und „Spit“ ging es leider schon in den Endspurt. Es wurden noch einmal alle Kräfte mobilisiert, während Sam die Songs teilweise kopfüber von den Traversen hängend performte. Seine Kollegin peitschte die Anwesenden währenddessen immer weiter zu neuen Höchstleistungen auf. Nach einer kurzen Pause und von zahlreichen Rufen nach einer Zugabe begleitet, kamen die fünf Briten noch einmal kurz zurück, um dem Publikum den Brecher „Salma Hayek“ um die Ohren zu hauen. Komplett durchgeschwitzt ging es dann nach knappen 90 Minuten wieder an die frische Luft – mit dem Wissen, an diesem Abend ein Highlight des bisherigen Konzertjahres erlebt zu haben.
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