Von Schrammen, Häusern, Frausein und der Liebe
Bremen Zwei präsentierte ein Radio-Konzert von Nichtseattle im Bremer Schlachthof.

Im Frühjahr veröffentlichte Katharina Kollmann unter dem Namen Nichtseattle ihr drittes Album mit dem Titel „Haus“. Auf diesem Werk versucht sich Katharina Kollmann in ihren Texten mit dieser Welt, als junge Frau, aber das ist auch nur eine Nebensächlichkeit, denn viele Gefühle, die transportiert werden, sind universeller Natur, zurechtzufinden. Da mag es nicht wundern, wenn im Schlachthof so etwas wie Geschlechterparität herrschte. Etwas überraschend ist dann vielleicht das doch recht hohe Durchschnittsalter des Publikums. Verhandelt „Haus“ doch eher jüngere Themen, über das Struggeln in der Großstadt und das Nichtschaffen. Oder anders ausgedrückt, das Scheitern. Ein Scheitern, dem mit Würde und einer guten Portion Trotz begegnet wird. Das Publikum im Schlachthof hat aber wohl (mutmaßlich) die Schäfchen eher im Trockenen. Und trotzdem scheinen die Musik, Texte, die Band den Menschen zu gefallen. Vielleicht, weil sie sich erinnern, wie es einst bei ihnen war. Ein Hauch Nostalgie liegt in der Luft. Ein Erinnern an die eigenen Kämpfe.
Pünktlich um 20 Uhr steht die fünfköpfige Band auf der Bühne. Die Gitarren werden meistens sanft gezupft, das Schlagzeug ist dezent und die immer wieder einsetzende Trompete das i-Tüpfelchen. Nichtseattle spielen Musik zum Zuhören. Die stärksten Momente sind, wenn die Band beinahe unmerklich nacheinander aufhört zu spielen, bis nur noch Katharina Kollmanns Gitarre und Stimme ertönt, bevor die Band wieder einsteigt. Eine Stimme, die die ganze Bandbreite von Hauchen und Flüstern bis hell und klar abdeckt. Weder die Musik, noch die Texte sind in klassische Strophen und Refrains aufgebaut, obwohl es diese Komponenten durchaus gibt. In der Regel erzählt Kollmann eine Geschichte und lässt die Musik dazu ausufern, ohne jemals ins „jammen“ zu geraten. Es ist ganz und gar berührend und schön.
Im Mittelpunkt steht neben dem letzten Album „Kommunistenlibido“ das aktuelle Werk „Haus.“ Im zweiten Teil, nach einer Pause, bestimmt das aktuelle Album praktisch das gesamte Set. Und nach einer Zugabe folgt ganz am Ende dann das versöhnlichste Stück des Abends, nach all dem Leiden, der Suche, Sehnsüchten und Enttäuschungen. So wird Bremen mit etwas Hoffnung in die Nacht entlassen. Und in die Zukunft.
Einen Sendetermin auf Radio Bremen Zwei steht noch nicht fest, wird hiermit aber schon wärmstens empfohlen, für all die (auch jungen) Menschen, die dieses wunderschöne Konzert verpasst haben.
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